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Panorama Warum die Wunden der Milchkrise noch nicht verheilt sind
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08:09 29.06.2017
Milchkühe im Stall: „Verluste längst noch nicht wieder wettgemacht.“ Quelle: Roland Weihrauch / dpa

Herr Hilse, vor einem Jahr war der Bauerntag in Hannover geprägt von der Krise auf dem Milchmarkt. Wie schätzen Sie die Situation heute ein?

Im Milchbereich ist es zwar besser, aber die Wunden der vergangenen anderthalb Jahre sind noch nicht verheilt. Im Moment haben wir die Situation, dass man zwar fast wieder von den Milchpreisen leben kann, und vielleicht geht es auch noch ein bisschen nach oben. Es ist aber noch längst nicht alles wieder wettgemacht, was als Verluste in den letzten Jahren angefallen ist.

Wir haben ein Wahljahr, und auch die Landwirtschaft wird eine größere Rolle im Wahlkampf spielen. Was erwarten Sie?

Wir haben alle vier Jahre Wahlen, und die Parteien versuchen, sich über gesellschaftliche Themen zu profilieren. Da ist die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren in den Fokus gerückt. Sicherlich auch durch die Krisen, die sie hatte, aber auch durch Diskussionen über Tierschutz oder Bodenschutz. In diesen Bereichen versuchen die Parteien, sich zu profilieren. Die Grünen haben ja jüngst einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt in dem sie unter anderem eine Kennzeichnungspflicht bei Fleisch und Milch über die Haltungsweise der Tiere fordern, eine Honorierung für gute Tierhaltung, schärfere Grenzen beim Einsatz von Düngemitteln und mehr Okö­landbau. Wenn man das analysiert, kommt man zu der Erkenntnis, dass vieles schon auf den Weg gebracht ist. Es liegt nicht alles im Argen. Vieles lässt sich auch nicht einfach durch ein Fingerschnippen umsetzen, so einfach läuft das nicht in der Landwirtschaft. Wir sind in der Natur und arbeiten mit der Natur und sind damit in einem sehr umfassenden Sinn auch nachhaltig.

"Die Wunden sind noch nicht verheilt", Landvolk-Präsident Werner Hilse.

Was halten Sie von dem Vorschlag des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer, die EU-Subventionen zugunsten von mehr Geld für Tierwohl-Maßnahmen umzuschichten?

Wir reden über eine EU-Agrarpolitik, und da wird die spannende Frage sein, wie sich die überhaupt weiterentwickeln wird. Bis zum Jahr 2020 wird sich nichts ändern, vielleicht sind Änderungen wegen des Brexits auch erst ab 2022 möglich. Umschichtung heißt immer, ich nehme den einen was weg, um es anderen zu geben. In der Landwirtschaft ist es nicht so, dass irgendjemand etwas zu viel bekommt. Es werden immer die Flächenprämien genannt, weil das so plakativ ist. Aber die Landwirte, die Acker- und Bodenbewirtschaftung betreiben, sind auf diese Prämien angewiesen. Fallen sie weg, haben sie auch kein Auskommen mehr; die EU-Zahlungen machen einen Großteil des Einkommens aus und sind dringend notwendig. Landwirtschaft ist kein Business, in dem man schnell Millionär wird.

Zur Person

Werner Hilse, Jahrgang 1952, übernahm mit 18 Jahren den elterlichen Hof im Kreis Lüchow-Dannenberg und baute ihn zu einem 250 Hektar großen Betrieb mit Ackerbau und rund 2000 Schweinen aus. Seit 2003 steht Hilse an der Spitze des niedersächsischen Landvolks, seit 2006 ist er Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands.

Wie reagieren Sie auf die Kampagnen radikaler Tierschützer in den vergangenen Wochen, die mit heimlich gedrehten Aufnahmen aus den Ställen arbeiten?

Das wird ja mit der Absicht gemacht, ein Problem aufzuzeigen. Und auf vielen Bildern kann man sehen, dass manches auch nicht stimmt. Auf der anderen Seite werden diese Bilder in der Regel nachts gemacht, wie in einem Kriminalfilm - die Aufnahmen sähen bei Tag anders aus. Und es werden fast nur Situationen mit kranken Tieren gezeigt. Bei kranken oder verletzten Tieren gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bekommt man die Tiere wieder gesund. Oder man muss sie nottöten. Das ist immer eine fließende Grenze. Dadurch gibt es immer wieder solche Bilder. Und ganz oft gibt es eine falsche Vorstellung darüber, wie Landwirtschaft funktioniert. All diese Diskussionen bewirken letztlich genau das, was man nicht will: Die Landwirte fühlen sich nicht mehr mitgenommen, und sie sehen auch nicht die Chance, bei einer Änderung der Produktionsweise ihren Betrieb weiterzuführen. Diskussionen über eine Veränderung der Landwirtschaft sollten gut organisiert sein, denn sonst wird der Strukturwandel verstärkt und es gibt immer weniger Betriebe. Das haben wir gerade bei der Sauenhaltung gesehen, wo neue Regeln nicht dazu führen, dass alle Bauern weitermachen.

Interview: Elmar Stephan

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