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Panorama Im „Kranzler“ geht’s wieder rund
Mehr Welt Panorama Im „Kranzler“ geht’s wieder rund
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14:58 02.12.2016
Freut sich auf den Westen: Ralf Rüller will dem „Kranzler“ wieder Leben einhauchen. Quelle: dpa
Berlin

Ralf Rüller hat am Morgen einen Kaffee aus Kenia getrunken, natürlich ohne Milch, das wäre ein Frevel. Die Sorte für 26 Euro das Pfund heißt „Kagumoini“, sie hat eine marmeladige Note aus Brombeeren und Vanille. Rüller könnte über diesen Kaffee Referate halten wie andere Leute über Wein. Er ist Gründer der Berliner Rösterei „The Barn“. Rüller hatte schon mal Schlagzeilen. Das war vor vier Jahren, es ging um Kinderwagen und um Poller, die den platzraubenden Gefährten den Weg in die „Barn“ versperrten. Denn der Chef wollte ein ruhiges Café ohne tobende und schreiende Kinder – im Prenzlauer Berg löste das eine wahre Protestlawine aus.

Jetzt macht Rüller wieder Furore, dieses Mal im Westen der Stadt. Der 49-Jährige mit Schirmmütze, Schal und schwarzer Winterjacke steht auf der Baustelle des legendären „Kranzler“ am Kurfürstendamm, das er am Sonntag neu eröffnen wird.Von der Tradition früherer Zeiten ist indes wenig übrig geblieben. Das „Kranzler“ war einst eine Institution, die zum alten West-Berlin gehörte wie Harald Juhnke und die Werbung für das „Big Sexyland“. Stars wie Marlene Dietrich oder die Kessler-Zwillinge schritten hier die Wendeltreppe empor. Vom Rundbalkon im obersten Stock konnte man bei einer Tasse Kaffee das Treiben auf dem Kurfürstendamm beobachten. Seit dem vergangenen Jahr allerdings war das Café geschlossen.

In Berlin fahren die Busse über die Kreuzung vor dem „Kranzler“-Eck. Quelle: dpa

Jetzt könnte das „Kranzler“ wieder Teil des Berliner Party-Small-Talks werden: Ist die Gegend um die Gedächtniskirche urban oder hässlich? Ist der alte Westen nicht mehr ganz so piefig wie früher?

„Ich freue mich richtig auf den Westen“, versichert Rüller. Er will das „Kranzler“ zu einem Ort der Ruhe in der belebten Umgebung machen. Für die Kundschaft am Ku’damm will er die Kaffeehauskultur der Gründerjahre wiederbeleben, allerdings mit modernen Mitteln. Kaffee und Kuchen sollen je um die 3 bis 4 Euro kosten. Natürlich nicht irgendein Kaffee: Künftig werden unter der rot-weißen Markise „Single Origin Kaffees“ an Handfilterstationen verkauft. Kännchen war gestern, Milch bekommt man dazu nicht. Wer Cappuccino will, wird an die in Seattle maßgefertigte Espressomaschine dirigiert. Und die Tassen würden in Kopenhagen handgetöpfert, erzählt Rüller. Das Interieur aus schwerem dunklem Holz ist hellen Eichentischen gewichen, zudem wurde eine Terrasse mit 50 Sitzmöglichkeiten angebaut. Die denkmalgeschützte Fassade durfte Rüller jedoch nicht verändern.

DER Treffpunkt Berlins: Gäste genießen im „Café Kranzler“ die Sonne. Quelle: dpa

Das Konzept passt zur Wende in der City West. Noch vor einigen Jahren lag dieser Teil der Stadt im Tiefschlaf, die Touristen strömten nach dem Mauerfall lieber gen Osten, die Hipster zogen nach Neukölln oder Kreuzberg. Jetzt jedoch erlebt die Gegend zwischen Bahnhof Zoo und Wittenbergplatz eine neue Blüte. Neben der Gedächtniskirche entsteht derzeit das 118 Meter hohe Hochhaus Upper West, und auch das Luxuskaufhaus KaDeWe wird gerade umgebaut, nach den Plänen des Stararchitekten Rem Koolhaas. Der Durchbruch kam vor zwei Jahren, als ein Einkaufszentrum für Mode und Design im „Bikini-Haus“ an der Gedächtniskirche eröffnet wurde. Das sei die Initialzündung für den alten Westen gewesen, sagt Christian Tänzler vom Tourismusverband Visit Berlin. Mittlerweile hätten dort Dutzende neue Hotels aufgemacht.

Wer ins „Kranzler“ ging, der tat das immer mit Stil: Entweder fuhr man in den Sechzigerjahren mit der Kutsche vor oder mit der Mercedes-Limousine. Quelle: dpa

Das „Kranzler“ im neuen Gewand könnte gut in diesen Reigen passen. Von der nostalgischen Herrlichkeit des 1932 eröffneten Cafés wird aber wohl nicht viel zu rekonstruieren sein. Was auch daran liegen könnte, dass ein Großteil der Gebäudefläche von einer Modekette belegt wird. Und asiatisch geprägte Hipstermode passt nun mal so gar nicht zur plüschigen Kännchenkultur der goldenen „Kranzler“-Zeiten.

Von Caroline Bock und Alessandra Röder

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