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Panorama Im Keller der St. Nicolai sind Schätze gelagert
Mehr Welt Panorama Im Keller der St. Nicolai sind Schätze gelagert
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06:30 15.08.2017
„Wir müssen sie unbedingt erhalten“: Hans Karsten Schmaltz, Patronatsvorsteher der Gemeinde, mit einem restaurierten, 500 Jahre alten Altarvorhang.  Quelle: Carolin George
Lüneburg

Wenn Tanja Weißgraf die Tür zum Keller öffnet und ihre blauen Einmalhandschuhe überstreift, tut sie das, um einen Schatz ans Licht zu holen. Seine Bestandteile sind entweder unter Seidenpapier oder in Kartons verwahrt, allesamt säurefrei, und im Hintergrund surrt die Klimaanlage. Der Keller der Textilrestaurierungswerkstatt der Klosterkammer Hannover liegt auf dem Gelände des Klosters Lüne, und zurzeit bietet er einigen Stücken ein Asyl, die einzigartig sind in Norddeutschland.

Um die 500 Jahre alt

Sie sind um die 500 Jahre alt und wurden in der Werkstatt von freiberuflichen Restauratoren aufwendig restauriert - doch die Öffentlichkeit kann sie noch nicht sehen. Weil das Geld für Klimaschutzvitrinen fehlt, in denen die wertvollen Stoffe öffentlich gezeigt werden könnten. Sie gehören der Kirchengemeinde St. Nicolai in Lüneburg, und sie sind ein Beispiel dafür, wie kostbar so manch ein Kunstschatz aus dem Mittelalter ist - und wie kostenintensiv.

Einer, der ein Lied davon singen kann, ist Hans Karsten Schmaltz. Er ist Patronatsvorsteher von St. Nicolai und hat sich zum ersten Mal vor fast zehn Jahren ausführlich mit den uralten Textilien in der mehr als 600 Jahre alten Kirche beschäftigt. Die Tücher und Altarvorhänge hatten seit Anfang der Achtzigerjahre in Vitrinen gelegen, die zwar eigens für die Stücke angeschafft worden waren - allerdings einen Haken hatten: An der Rückseite besaßen sie ein Lüftungsloch. Das war zwar mit einem Filter aus Papier abgedeckt, aber Motten fanden trotzdem den Weg hinein zu den uralten Textilien.

„Mir war klar: Diese Paramente sind Glaubenszeugnisse unserer Vorfahren. Mitglieder der Gemeinde haben sie vor 500 Jahren gestiftet, und sie waren damals schon sehr kostbar und teuer. Wir müssen sie unbedingt erhalten“, erzählt Hans Karsten Schmaltz. Als dann noch die Restauratorinnen der Textilrestaurierungswerkstatt der Klosterkammer Hannover die kunsthistorische Bedeutung der kleinen, aber sehr seltenen Sammlung unterstrichen, startete die Gemeinde eine Rettungsaktion.

Unter dem Motto „Der Stoff, aus dem Legenden sind“ suchte die Gemeinde Spender für die Restaurierung der von Schädlingen und Schimmel befallenen Stoffe. 25 000 Euro kosteten die Arbeiten insgesamt, das Geld war relativ bald zusammen. Auch die Arbeit ist bereits erledigt: Zwei Antependien, zwei Kommunionstücher, zwei Kelchvelen und eine Korporalientasche aus dem 16. Jahrhundert sind restauriert und konserviert.

„Jetzt möchten wir die wertvollen Stücke natürlich auch zeigen, und zwar nicht in einem Museum, sondern dort, wo sie ursprünglich benutzt worden sind: bei uns in St. Nicolai“, sagt Hans Karsten Schmaltz. Doch statt sein Herzensprojekt abschließen zu können, ist er im Augenblick noch dankbar dafür, dass die liturgischen Textilien im Keller der Textilrestaurierungswerkstatt auf dem Gelände des Klosters Lüne lagern können - sorgfältig und säurefrei verpackt, klimatisiert und sicher.

Die Hälfte fehlt noch

Das hannoversche Büro Homann Güner Blum hat im Auftrag der Gemeinde ein Konzept für die Kirche entwickelt, und der Entwurf für mehrere Vitrinen liegt bereits vor. Doch das würde 114 000 Euro kosten. Zwar hat die Gemeinde bei der Landeskirche sowie verschiedenen Stiftungen, Spendern, der Klosterkammer und eigenen Töpfen bereits 77 000 Euro eingesammelt - aber der Rest fehlt noch.

Hans Karsten Schmaltz sucht weiter - und freut sich über die aufmunternden Worte von Tanja Weißgraf aus der Werkstatt: „Es ist toll, dass die Gemeinde es so weit geschafft hat. Jetzt gelingt ihr bestimmt auch noch der Rest. Es wäre wirklich schade, diese wertvollen Stücke nicht zeigen zu können.“ Außerdem würden sie den Hotspot Lüneburg für liturgische Textilien noch erweitern: Denn wer sich mit Stoffen auskennt weiß längst, dass es in St. Johannis, dem Museum und dem Kloster Lüne einzigartige Schätze zu sehen gibt. Und bald vielleicht auch in St. Nicolai.

Das sind die wertvollsten Stücke

Dreidimensional: Eine Korporalientasche aus der Zeit um 1500, in der man ein feines Leinentuch aufbewahrte, auf dem Kelch und Oblatenbehälter für das Abendmahl auf dem Altar standen. Sie ist geschmückt mit einer dreidimensionalen Reliefstickerei von Christus und Thomas und zeigt das Wappen der Lüneburger Patrizierfamilie Garlop, die die Tasche gestiftet hat. Nasen und Beine sind aus Holz, das Haar aus Draht. In den Gewändern sind Goldfäden eingewebt und Miniperlen angebracht.

Uralt: Ein Antependium aus dunklem Wollstoff von Anfang des 16. Jahrhunderts, das auf drei Metern Länge in Applikationen und Stickereien Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigt.

Einzigartig: Ein sieben Meter langes, farbig besticktes weißes Kommunionstuch aus der Zeit kurz nach der Reformation, das beim Abendmahl auf der Kniebank ausgebreitet wurde und verhindern sollte, dass Krumen der Hostie auf den Boden fielen. Sie sind nicht nur als Ausstattung einer protestantischen Kirche einzigartig, sondern aus dieser Zeit auch ansonsten in Norddeutschland nicht bekannt. Denn in katholischen Kirchen haben sie so lange Zeiträume aufgrund der häufigen Benutzung nicht überstanden.    

von Carolin George

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