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Panorama „Jeder hat ihn geliebt“
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00:20 07.08.2015
Von Wiebke Ramm
Drei Stunden lang sagte der angeklagte Ayoub B. (rechts) am Dienstag aus. Quelle: dpa
Celle

„Ich bin ziemlich aufgeregt“, sagt Ayoub B. Reden will er trotzdem. Henning Meier, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Celle, hat viele Fragen an den 27-Jährigen, der im Mai 2014 nach Syrien reiste und sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) anschloss. Am Vortag hatte sein Verteidiger in seinem Namen eine Erklärung verlesen. An diesem Dienstag spricht Ayoub B. selbst. Drei Stunden lang.

Ayoub B. und sein Mitangeklagter Ebrahim H. B. müssen sich wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung IS vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen den mutmaßlichen IS-Aussteigern bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Ayoub B. ist ein schmaler junger Mann. Der Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg trägt ein weißes Hemd, schwarze Locken, keinen Bart. Nur selten verweigert er die Antwort. Wie wurde Ayoub B., der unreligiöse Mann mit Hang zu Drogen und Alkohol, zum IS-Anhänger? Hinter dem Sinneswandel steckt, so stellt B. es dar, ein Mann: Yassin O.

„Abu Hollywood“ wusste alles

Im Herbst 2013 soll O. in der DITIB-Moschee in Wolfsburg aufgetaucht sein, sagt Ayoub B. Er habe ihn mit seiner Zugewandtheit und seiner kompromisslosen Koran-Auslegung beeindruckt. Ayoub B. betont: „Die DITIB-Moschee hat damit nichts zu tun.“ Die Moschee werde vor allem von Türken besucht. O. aber spreche Arabisch und habe nur im engen Kreis Vertrauter seine Radikalität offenbart. Er habe nie einen intelligenteren Menschen getroffen, schwärmt B. noch heute. „Er wickelte jeden um den Finger. Jeder hat ihn geliebt. Jeder wollte sein bester Kumpel sein.“ „Abu Hollywood“ hätten sie O. genannt.

O. habe Ayoub B. anvertraut, dass er früher zu al-Qaida gehörte und nun IS-Mitglied ist. Laut Ayoub B. ist er inzwischen Sharia-Richter des IS in der syrischen Provinz Rakka. Seine Frau soll noch immer in Wolfsburg leben. Ein junger Mann nach dem anderen habe schließlich von Wolfsburg zum IS nach Syrien reisen wollen. „Die Bombe ist geplatzt in Wolfsburg, als der Erste von uns runter ist“, so formuliert es Ayoub B. Das sei Ende 2013 gewesen. Ein halbes Jahr später folgte B. dem Freund.

"Kämpfen? Nein. Humanitäre Hilfe"

Ayoub B. sagt, O. habe in leuchtenden Farben vom „Islamischen Staat“ erzählt. Für den Aufbau des neuen Staates würde jeder gebraucht, nicht nur Kämpfer, auch Elektriker. „Er hat niemals erzählt, dass da Leute geköpft oder versklavt werden und Muslime sich untereinander umbringen.“ Er selbst habe nie IS-Kämpfer werden wollen, sagt Ayoub B. Er habe „humanitäre Hilfe“ leisten und den Islam studieren wollen. Seine Radikalisierung bezeichnet Ayoub B. als schleichenden Vorgang.

Im August 2014 kehrte er zurück nach Deutschland. Er habe sofort mit der Polizei kooperiert. Er habe Namen anderer IS-Mitglieder genannt, deren Pässe die Terrormiliz eingezogen habe. „Ich will nicht, dass jemand mit den Pässen nach Deutschland reist und hier Verbrechen begeht“, sagt B. vor Gericht. Am Montag wird seine Befragung fortgesetzt.

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