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Panorama Horror-Clowns terrorisieren Deutschland
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18:21 21.10.2016
Gruselig und gefährlich: Horror-Clowns terrorisieren Deutschland.  Quelle: dpa
Wesel

 Mit einer Kettensäge ist ein Unbekannter im Clownskostüm auf eine 48-jährige Hundebesitzerin losgegangen. Als die Frau ihre Gassi-Runde im nordrhein-westfälischen Wesel drehte, sprang der Verkleidete aus dem Gebüsch und versuchte mehrfach, seine Motorsäge zu starten. Die Frau flüchtete geschockt und alarmierte kurze Zeit später die Polizei. Eine Fahndung blieb erfolglos.

Die Gruselattacken werden nun auch in Deutschland immer aggressiver. Zunächst terrorisierten Clowns in Amerika die Bevölkerung, bevor dieser Horrortrend nach Europa überschwappte. Allein in Wesel war es bereits der zweite Vorfall, nachdem am vergangenen Samstag ein vermeintlicher Clown zwei Männer mit Messer und Pistole erschreckt hat.

19-Jähriger mit Baseballschläger attackiert

Der Horrortrend hat in den USA begonnen und wird nun auch in ganz Europa ausgelebt. Quelle: dpa

In Rostock hat ein Horror-Clown einen 19-jährigen mit einem Baseballschläger angegriffen und verletzt. Der maskierte Angreifer habe sein Opfer zu Boden geschlagen und in eine Pfütze geschubst, berichtet die Polizei. Der 19-jährige erlitt Prellungen und blaue Flecke am Kopf und an den Armen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung.

In Rostock und Greifswald kam es am Donnerstag noch zu vier weiteren Attacken von Horror-Clowns. In Rostock näherte sich früh morgens ein Unbekannter in einem Clownskostüm mit einem Messer in der Hand einem 15-jährigen, der an einer Haltestelle auf einen Bus wartete. Der Jugendliche flüchtete und blieb unverletzt.

Zeugen berichten von ekelhaftem Lachen

In Greifswald erschreckte nach Angaben der Polizei in Anklam in den Morgenstunden ein Mann in einem gelben Ganzkörper-Kostüm und weiß geschminktem Gesicht eine Frau an einer Bushaltestelle. Als er mit einem Gerät, vermutlich einer Kettensäge, auf die Frau zuging, wurde der Täter von einem Radfahrer abgelenkt, dem er dann folgte. Die Frau berichtete, der Mann habe ein „ekelhaftes, krankes Lachen“ gehabt.

Im Visier vermeintlicher Spaßvögel: Um Passanten zu erschrecken, verkleiden sich immer mehr Leute als Grusel-Clowns. Quelle: dpa

Am Donnerstagabend wurden in Greifswald unabhängig von einander ein Achtjähriger und ein Dreizehnjähriger von insgesamt drei unterschiedlichen Horror-Clowns erschreckt.

 Zwar sei das bloße Erschrecken anderer Menschen in der Regel keine Straftat, erklärte ein Sprecher der Polizeiinspektion Anklam. Es könnte gegebenenfalls aber als „Belästigung der Allgemeinheit“ eingestuft und als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden. Dafür könnten Bußgelder bis 1000 Euro verhängt werden.

Experte: Angreifer befriedigen sadistische Motive

Aber wieso findet dieser Gruseltrend ausgerechnet jetzt so viele Nachahmer? Nach Einschätzung des Psychologen Jens Hoffmann könnte die Zahl der Übergriffe sogar noch weiter steigen. „Das Erschrecken hat eine lange Tradition, besonders zu Halloween. Das hat sich nun verselbstständigt, da gibt es einen großen Nachahmungseffekt“, sagte der Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt.

„Für viele ist das ein Spaß, einige wenige scheinen aber eine sadistische Motivation zu haben, wenn man sich die Aggressivität einiger Taten anschaut“, sagte Hoffmann. Der Wissenschaftler erkennt darin einen verbreiteten Trend: „Figuren, die als kulturell niedlich gelten, werden zu Horror-Wesen stilisiert. Auch in Filmen wird mit solchen Figuren immer wieder gearbeitet.“ Als Videos tauchen die makabren Streiche dann oft im Internet auf. Die Berichterstattung über entsprechende Fälle in den Medien und sozialen Netzwerken mache die „Clowns“ noch bekannter, sagte Hoffmann. Er geht aber davon aus, dass die Popularität bald wieder nachlässt – wie oft bei Trends aus dem Internet.

Polizei fordert härtere Strafen

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, warnt gerade zu Halloween vor einer massiven Zunahme der Übergriffe. Der „Huffington Post“ sagte er, die Clowns seien nicht nur Idioten, „sie sind Straftäter. Jemanden auf so widerliche Weise zu erschrecken, ist Körperverletzung.“ Den Opfern würde bewusst körperliches Unwohlsein zugeführt – „und nichts anderes ist Todesangst.“ Er fordert ein hartes Durchgreifen der Justiz, nur eine härtere Strafe würde Wirkung zeigen.

Von RND/cab/dpa/afp