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Panorama Höcke bekommt eigenes Holocaust-Mahnmal
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16:15 22.11.2017
Bornhagen am Mittwoch: Hinten Höckes Haus, vorne sein privates Mahnmal Quelle: mib
Bornhagen/Berlin

Björn Höcke wird überwacht. Seit zehn Monaten. Nicht vom Verfassungsschutz, sondern von einem Berliner Künstlerkollektiv. Die Akteure vom „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) haben im thüringischen Weiler Bornhagen unbemerkt das Nachbargrundstück des AfD-Rechtsaußen angemietet. Am Mittwoch stellten sie nun 24 Betonstelen in ihren Garten – einen exakten Nachbau eines Teils des Berliner Holocaust-Mahnmals. „Höckes Schafe grasen zwischen den monumentalen Scheingräbern“, teilten die Künstler mit.

Dicht gedrängt stehen die Stelen in dem noch nicht einmal 100 Quadratmeter großen Garten des kleinen Häuschens in der Friedensstraße in Bornhagen. Schmale Wege führen auf dem matschigen mit Rindenmulch bestreuten Boden durch die mehr als zwei Meter hohen Quader. Wie Betonklötze sehen sie aus. Es sind grau verputzte Holzkonstruktionen.

Keine 50 Meter entfernt, den Hügel hinauf, liegt das Wohnhaus von Björn Höcke. Wenn der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag aus dem Fenster blickt, liegt das Mahnmal direkt unter ihm. „Er hat es am Morgen auch schon gesehen“, sagte Morius Enden vom Zentrum für Politische Schönheit am Mittwoch.

In den vergangenen fünf Tagen haben er und seine Mitstreiter vom ZPS die Stelen errichtet, berichtet Enden. Seit mehreren Monaten haben die Aktionskünstler das Haus angemietet. Ohne jeglichen Argwohn bei den Bewohnern des kleinen Eichsfeld-Dorfes hervorzurufen und ohne Komplikationen mit dem Vermieter des Hauses. Mit Höcke, dem die Kunstaktion gilt, habe es keinen Kontakt gegeben. Während dieser Zeit hätten sie aber durch Beobachtung des Höcke-Hauses „jede Menge“ Infos über den AfD-Rechtsaußen gesammelt. „Über sein berufliches Umfeld etwa“, sagt Sprecherin Thilda Rosenfeld. „Und wer bei Höcke ein- und ausgeht.“

Die Nachbarn und Dorfbewohner nehmen kaum Kenntnis von der Aktion in ihrem Ort. Der ein oder andere wirft einen zaghaften Blick durch die Gardine auf die zahlreichen Pressevertreter, die zwischen Mahnmal und Höckes Haus pendeln. Doch als die Aktion, über die es bis zuletzt höchste Geheimhaltung gab, in den sozialen Medien die Runde macht, kommt Bewegung in die Sache. Vereinzelte Besucher oder kleine Grüppchen suchen nach dem Mahnmal. AfD-Anhänger und Höcke-Freunde gehen in Höckes Haus. Davor hat sich sicherheitshalber die Polizei postiert. Gegen Mittag kreist ein Polizeihubschrauber über den beiden benachbarten Grundstücken.

Die Polizei sei am Morgen von der Aktion „völlig überrascht“ gewesen, sagte deren Sprecherin Fränze Töpfer. Die Kriminalpolizei habe ihre Arbeit aufgenommen. Die Errichtung des Mahnmals sei als solche nicht zu beanstanden, im Blick seien viel mehr mögliche Straftaten im Zuge der Observierung von Höcke. Beamte seien für den Objektschutz im Einsatz, so Töpfer. Auch um mögliche weitere Aktionen zu verhindern - von Seiten der Aktionskünstler und von Seiten der AfD-Anhänger.

Das gelingt nicht ganz. Am Nachmittag kommt es zu „kleineren Rangeleien“, so Töpfer, zwischen dem Vermieter und AfD-Anhängern auf der einen Seite und den Aktionskünstlern auf der anderen Seite. Etwa 20 Personen hätten versucht, in das Haus mit dem Mahnmal zu kommen. Verletzte habe es aber nicht gegeben. Laut Töpfer habe der Vermieter inzwischen angekündigt, den Mietvertrag mit dem Künstlern zu kündigen.

Bei den für die Spender angebotenen Prämien „Höckes Axt“ (5000 Euro) und Höckes Exemplar von Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ handele es sich um „Repliken“, wie Rosenfeld auf Nachfrage erläutert.

„Wir haben das Mahnmal aus der deutschen Hauptstadt um 180 Grad gedreht“, erklärt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS. „Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach fast einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss gerade in den braunen Ecken des Landes in Beton gegossen werden.“

Am 17. Januar forderte Höcke bei einer Rede im Dresdner Ballhaus Watzke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Über das Berliner Mahnmal sagte er wörtlich: „Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

„Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“

Wenn Höcke vor dem Mahnmal-Nachbau auf die Knie falle wie einst Willy Brandt in Warschau, würde das ZPS seine Privatsphäre nicht weiter überwachen. Lehne Höcke ab, würden Dossiers mit pikanten privaten und politischen Details den Weg in die Öffentlichkeit finden. Dazu gehörten auch neue Beweise, dass Höcke unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ in NPD-Postillen publizierte.

Die Aktion ist ein Coup mit Beigeschmack. Denn dieser „Deal“ ist natürlich nichts anderes als Erpressung. Ruch weist den Vorwurf zurück, er wende „Stasi-Methoden“ an. „Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“, sagt er. Die Aktionen des ZPS spenden sich aus „aggressivem Humanismus“. 2014 hatten Aktivisten Gedenkkreuze für die Mauertoten vom Berliner Spreeufer entwendet und temporär an die EU-Außengrenze verfrachtet. Bei der Aktion „Die Toten kommen“ hoben sie zudem symbolische Gräber für im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge vor dem Reichstagsgebäude aus.

Auf der Website www.deine-stele.de ruft das ZPS zu Spenden auf, um das Mahnmal direkt vor Höckes Haus zu finanzieren. Anscheinend haben auch Höckes Exemplar von Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ und seine Axt den Weg zu den klandestinen Nachbarn gefunden und werden nun als Trophäen angeboten. Binnen weniger Stunden gingen weit mehr als die benötigten 28.800 Euro ein, die für Bau und Betriebskosten des Mahnmals für zwei Jahre nötig seien.

Björn Höcke schwieg zu der Aktion. Er sei damit beschäftigt, die Sicherheit seiner Familie zu organisieren. Sein Ko-Landesvorsitzender in Thüringen, Stefan Möller, kündigte bei einer Pressekonferenz in Erfurt rechtliche Schritte an. „Das sind keine Künstler, das sind Täter“, sagte Möller. „Sie machen einer Familie Angst. Das ist Stalking und damit eine Straftat.“ Bereits seit Wochen habe es Anzeichen gegeben, dass Höcke überwacht werde. Vor einigen Wochen sei die Papiertonne der Höckes verschwunden gewesen. Seine Tochter habe einen Mann mit Teleobjektiv ums Haus schleichen sehen.

Von Michael Brakemeier/Jan Sternberg/RND

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