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Panorama „Es wird alles Menschenmögliche getan"
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17:57 06.06.2013
 Im Hochwassergebiet: Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag zur Visite in Bitterfeld. Quelle: dpa
Berlin/Dresden

Die Hochwasser-Lage ist in vielen Bundesländern noch immer kritisch. In einigen Regionen begannen zwar schon erste Aufräumarbeiten, doch die Flut rollt auf Norddeutschland zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Menschen in den Hochwassergebieten erneut Unterstützung zugesagt. "Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird", sagte sie am Donnerstag bei einem Besuch in der Chemiestadt Bitterfeld. Dort drohte das Wasser eines Sees, in die Innenstadt zu laufen. Merkel zeigte Verständnis für die Ängste der Menschen. Zugleich lobte sie, dass Hand in Hand gearbeitet werde und es eine große Solidarität gebe. "Das ist wunderbar." Für viele Menschen in den neuen Ländern sei das Hochwasser die dritte große Veränderung seit der Wende 1989. Schon 2002 habe man von einer Jahrhundertflut gesprochen. Jetzt sei das Land deutlich besser vorbereitet gewesen als 2002.

Sachsen-Anhalt:  Am Donnerstag kam in Barby ein freiwilliger Helfer ums Leben. Am Vormittag sei in der Stadt an der Elbe ein 1950 geborener Mann beim Befüllen von Sandsäcken zusammengebrochen, teilte der Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises mit. Eine Reanimation durch einen Notarzt sei erfolglos geblieben. Bereits am Mittwoch war den Angaben zufolge im Bernburger Ortsteil Aderstedt eine Frau während einer Evakuierung kollabiert und gestorben.

Die langsam nach Norden ziehende Hochwasserflut in Sachsen-Anhalt bedroht die Stadt Bitterfeld. Dort könnte es zu einem Wassereinbruch in die Innenstadt kommen. Zwei Deichsprengungen brachten zunächst nicht die erhoffte Entlastung, wie der Krisenstabs mitteilte.

Auch in Halle war die Lage am Donnerstag weiterhin angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Im Norden des Landes versuchten tausende Helfer und die Bundeswehr, einen Bruch der Elbdeiche zu verhindern. Die Flutspitze wurde in Magdeburg für den Montag erwartet. Vielerorts füllten Freiwillige in Kiesgruben oder auf eigens eingerichteten Plätzen Tausende Sandsäcke, die die Deiche verstärken sollten. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt bislang 2511 Menschen ihre Häuser wegen des Hochwassers verlassen.

Hochwasserschäden lassen sich steuerlich absetzen

Hochwasserschäden können unter Umständen als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden. Darauf weist der Bund der Steuerzahler in Berlin hin. Die Voraussetzung: Die Schäden wurden nicht bereits von einer Versicherung ersetzt. Hat die Assekuranz gezahlt, ist allenfalls der Selbstbehalt absetzbar.

 Allerdings erkennt das Finanzamt die Kosten nicht in voller Höhe an. Es wird ein zumutbarer Eigenanteil abgezogen. Dieser ist abhängig von der Höhe des Einkommens und der Anzahl der Familienmitglieder. Eine Familie mit drei Kindern und einem Jahreseinkommen von 40 000 Euro muss beispielsweise rund 400 Euro selbst übernehmen. Ledige müssen bei gleichem Einkommen etwa 2400 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen.

Abgesetzt werden können nur Kosten, die tatsächlich entstanden sind. Es reicht nicht aus, dass ein Schaden entstanden ist. Die Ausgaben zum Beispiel für die Renovierung, neue Möbel oder Kleidung müssen mit Rechnungen nachgewiesen werden. Alle Belege sollten daher sorgfältig aufgehoben werden.

Hartz-IV-Empfänger bekommen Schäden teils erstattet

Hartz-IV-Empfänger bekommen Hochwasserschäden zum Teil erstattet. Hat die Flut Hausrat wie Möbel oder Haushaltsgeräte zerstört, können Jobcenter die Kosten für Neuanschaffungen übernehmen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. „Voraussetzung dafür ist, dass diese Kosten weder durch eine Versicherung noch durch ein anderweitiges Nothilfeprogramm erstattet werden.“

Soforthilfen zur Beseitigung von Hochwasserschäden würden nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung der BA, des Deutschen Städtetages und des Deutschen Landkreistages. Wenn ein Hartz-IV-Empfänger bei der Hochwasserbekämpfung helfe, müsse er solange keine Maßnahme oder Beschäftigung beginnen. Wer wegen der Überschwemmungen einen Meldetermin nicht einhalten könne, müsse zudem keine Strafe fürchten.

Sachsen: Die Elbe hat in Dresden wohl den Höchststand erreicht. Um 12 Uhr lag der Pegelstand bei 8,76 Metern. "Wir sind schon im Scheitelbereich, der Wert ist seit zwei Stunden gleichbleibend", sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Damit liegt das Maximum unter der Prognose, die von etwa neun Metern ausgegangen war. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt mit Semperoper, Schloss, Frauenkirche und Zwinger anders als bei der Flutkatastrophe 2002 verschont. In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Dort werde das Wasser erst am Wochenende den Höchststand erreichen.

Die Stadt Dresden hat Schaulustige, die die Helfer bei der Arbeit behindern ein Bußgeld über 1000 Euro angedroht. Auch in Niederbayern gab es sogenannte Katastrophen-Touristen, die die Überschwemmungen beobachten.

Zwei im Wasser treibenden Gastanks aus Tschechien wurden gesichert. Ein dritter Tank war zuvor im tschechischen Hrensko gestoppt worden. Die tonnenschweren Behälter enthielten einen Rest Stickstoff. Sie hatten sich im Hafen von Decin gelöst. Mit vier Hubschraubern suchte die Bundespolizei in der Elbe auch nach mehreren anderen Containern aus dem Deciner Hafen. Ein neu gebauter Überlauf von der Weißen Elster in den Zwenkauer See bewahrte Leipzig nach Aussage eines Stadt-Sprechers vor dem Schlimmsten. „Ohne das wären wir abgesoffen", sagte er. Durch den Überlauf flossen 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den See.

Niedersachsen/Schleswig-Holstein: Bis zum Wochenende wird mit einem Anstieg der Elbe gerechnet. Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang des Flusses bereiten sich bereits auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden Deichwachen Tag und Nacht eingesetzt. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) will sich zudem zusammen mit seinem Amtskollegen aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), ein Bild von der Lage in den Hochwassergebieten machen.


Brandenburg: Das Hochwasser wird die Deiche noch tagelang gefährden. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzte die Situation schwieriger ein als 2002 beim letzten katastrophalen Hochwasser. Die Behörden gingen davon aus, dass die Flut noch bis zu eineinhalb Wochen gefährlich sein könne. "Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu", sagte Woidke am Donnerstag im rbb-Inforadio. Die Scheitelwelle der Flut wird erst in den nächsten Tagen erwartet. Dabei ist ungewiss, ob sich die Scheitel treffen - und ob sich die Mengen addieren. Das Wasser werde nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage auf die Deiche drücken, sagte Wolfgang Brandt, ein Sprecher des Innenministeriums. 

Mühlberg an der Elbe gab Katastrophenalarm und begann mit Evakuierungen. Betroffen seien 2500 der 4000 Einwohner. „Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Der Wasserstand erreichte nach Behördenangaben 9,02 Meter, bis Freitag könnte er auf 10,20 Meter steigen. Bei der Rekordflut vom August 2002 wurden 9,98 Meter erreicht. Bei Herzberg an der Schwarzen Elster brach auf 20 Meter Länge ein Deich. Menschen seien nicht in Gefahr, teilten die Behörden mit. Bei Bad Liebenwerda wurde ein Deich geöffnet. „Die Situation an der Elbe ist gefährlicher als an Spree, Schwarzer Elster und Lausitzer Neiße", sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD).Bei Wittenberge wird für Sonntag ein Rekord von 7,50 Meter erwartet.

Bayern: Das Hochwasser entlang der bayerischen Donau bleibt trotz sinkender Pegel bedrohlich. In der gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing ging das Wasser am Donnerstag zwar stündlich um mehrere Zentimeter zurück. Die Gefahr, dass die durchgeweichten Dämme brechen, war aber weiter sehr hoch. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) besuchte das Gebiet und machte sich in einem Hubschrauber ein Bild von der Lage. „Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen", sagte er in Deggendorf. Bei Osterhofen musste die Bundesstraße 8 vorübergehend komplett gesperrt werden. „Die Verkehrssituation rund um Deggendorf verschärft sich dadurch weiter", sagte eine Sprecherin. Die Autobahnen A3 und A92 im Krisengebiet seien wegen Überflutung immer noch gesperrt. Alle Versuche, die A92 freizubekommen, seien bislang gescheitert.

Während der Scheitelpunkt des Hochwassers an der Donau von Kelheim über Regensburg und Straubing bis Deggendorf erreicht ist und die Pegelstände fallen, stagniert der Wasserstand an den Messstellen bis nach Passau. Die in den letzten Tagen stark überflutete Stadt ist zwar fast drei Meter unter seinem Höchststand der letzten Tage, seit 36 Stunden aber herrscht Stillstand.

Thüringen: Thüringen hat beim Hochwasser das Schlimmste überstanden. Die Lage entspannte sich am Donnerstag weiter. Nur noch an drei Messstellen der Saale - in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben - galt die höchste Alarmstufe 3, wie die Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena mitteilte. Das Wasser zog nach Norden ab und bedrohte nun Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Tschechien: Für die Hochwasser geplagte tschechische Industriestadt Usti an der Elbe ist das Schlimmste wohl überstanden. Das Wasser stieg am Donnerstag nicht über die bedrohliche 11-Meter-Marke. Der höchste Wasserstand war am frühen Morgen mit 10,71 Metern gemessen worden, wie die zuständige Behörde mitteilte. Wohngebiete und Geschäfte am rechten Flussufer blieben überflutet. Im benachbarten Decin (Tetschen) waren ufernahe Straßen überschwemmt. In Terezin (Theresienstadt) brach ein provisorischer Damm am Elbezubringer Ohre (Eger). Helfer brachten Menschen eines Ortsteils in Sicherheit. „Wir haben einen tosenden Lärm gehört und die Beine unter die Arme genommen", sagte ein Einwohner dem tschechischen Rundfunk. „Es war Nacht und die Situation sehr unübersichtlich."
In Prag an der Moldau entspannte sich die Lage weiter. Kilometerlange Hochwasser-Schutzwände hielten stand. In einer U-Bahn-Station kämpften Einsatzkräfte gegen einsickerndes Grundwasser. Schaulustige waren zunehmend ein Problem für Helfer und Betroffene. Die Polizei patrouillierte mit Booten, um Plünderungen zu verhindern.

Österreich: Österreich hat am Donnerstag den Höhepunkt des Hochwassers wohl überstanden. Lediglich in der Region hinter Wien nahe der slowakischen Grenze stiegen die Donau-Pegelstände noch, wie die Behörden mitteilten. Die Lage bleibe insgesamt angespannt, da die Fluten nur langsam aus den überschwemmten Gebieten wichen. Das Wasser drücke weiter auf Dämme und Wälle.

Tausende konnten noch immer nicht in ihre Häuser zurück. Wichtige Verkehrswege blieben gesperrt. Dauerregen und aus Deutschland kommendes Hochwasser hatten fast im ganzen Land zu katastrophalen Zustände geführt. Mindestens zwei Menschen starben. Der Sachschaden soll in die Milliarden gehen.

Hochwasser kann Trinkwasser verunreinigen

In Deutschland sind die Menschen an eine sichere Versorgung mit Trinkwasser gewöhnt. Wie wichtig das saubere Nass aus dem Hahn ist, wird vielen erst bewusst, wenn es nicht mehr fließt.
Wo kommt das Trinkwasser her?
 Die rund 6200 Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland nutzen zu rund 70 Prozent Grundwasser. Darüber hinaus speist sich das Trinkwasser unter anderem aus Oberflächengewässern und Uferfiltrat. Im Jahr 2010 wurden mehr als 70 Millionen Menschen mit 4,2 Millionen Kubikmetern Trinkwasser aus zentralen Anlagen versorgt.
Kann ein Flusshochwasser das Trinkwasser verschmutzen?
Ja. Trinkwasser wird oft in tiefliegenden Gebieten gewonnen, die besonders durch Hochwasser gefährdet sind. Mit Keimen oder chemischen Rückständen verschmutztes Flusswasser kann Trinkwasserbrunnen überspülen. Auch durch starke Regenfälle und an die Erdoberfläche drückendes Grundwasser können Keime ins Oberflächenwasser gelangen.
Welche Keime können so in das Trinkwasser gelangen?
 Bei Überschwemmungen wird Trinkwasser oft durch Escherichia coli Bakterien (E.coli) verunreinigt. Diese Fäkalkeime kommen im Darm vieler Tiere vor und gelangen etwa beim Überfluten von Kuh- oder Schafweiden in Flussnähe auch in den Bereich von Trinkwasseranlagen. In der Regel gelangen sie durch mehrere Barrieren nicht ins Trinkwasser. Regelmäßige Messungen überwachsen zusätzlich die Qualität. Gelangen E.coli-Bakterien durch Notlagen wie Hochwasser doch einmal ins Trinkwasser, können sie beim Menschen Übelkeit, Durchfall und Fieber auslösen.
Was kann man tun, wenn das Trinkwasser verschmutzt ist?
 Bei der Verunreinigung mit Bakterien ist eine Desinfektion etwa mit Chlor oder Chlordioxid erforderlich. Beim Filtern mit Aktivkohle können viele organische Inhaltstoffe aus dem Wasser entfernt werden, weil sich die Teilchen an der porösen Oberfläche der Kohle ablagern. Bis zur Beseitigung des Problems bleibt dem Verbraucher nur, das Wasser aus dem Hahn zusätzlich abzukochen.

dpa

Panorama Hochwasser in Lüchow-Dannenberg - Höchste Pegelstände nach unten korrigiert

Das Elbe-Hochwasser könnte für Niedersachsen deutlich weniger bedrohlich werden als bisher befürchtet. Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Trotzdem bleibt die Anspannung, die Helfer sind im Dauereinsatz.

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