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Panorama Singen gegen Hundehaufen und Atomkraftwerke
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00:21 11.08.2014
Von Gabriele Schulte
„Im Augenblick total zufrieden“: Zu den Auftritten des Beschwerdechors gehören eine ausdrucksstarke Mimik und Choreografie. Alles wird bei den regelmäßigen Proben, die häufig im Freien stattfinden, gemeinsam erarbeitet. Quelle: Gossmann
Hildesheim

Wenn Leute sich über Behörden oder Nachbarn ärgern, schreiben sie böse Briefe, klagen oder schimpfen, manche werden auch laut. In Hildesheim werden Beschwerden gesungen. Niedersachsens erster Beschwerdechor sammelt Unmutsäußerungen, setzt sie in Lieder um und trägt sie auf der Straße einem mitklatschenden Publikum vor. „Wir singen das Lied vom Leid“, sagt mit einem Augenzwinkern Mark Roberts, der den Laienchor im vergangenen Jahr mit seiner Frau Manuela Hörr gegründet hat und ihn mit ihr leitet. „Wir wollen aus Frust Lust machen.“

So auch an diesem Abend auf dem Platz vor dem Hildesheimer Stadttheater. „Bring deine Beschwerde vor, wir sind dein Sprachrohr“, haben die rund 50 schwarz gekleideten Laiensängerinnen und -sänger im Eingangslied gereimt. Ob Hundekot auf dem Bürgersteig, pöbelnde Jugendliche im Park oder ein seelenloses neues Einkaufszentrum – der Hildesheimer Beschwerdechor empfindet den Ärger darüber nach und macht, mal als Hip-Hop, mal im Walzertakt, ein komisches und gar nicht biederes Lamento daraus.

Beschwerde frei: Die Zuhörer können Zettel mit ihren Klagen in einen Kasten werfen.

„Über mir auf dem Balkon ist jetzt Raucherhochsaison“, heißt es etwa in der Klage eines Studenten über eine Kette rauchende Nachbarin, die ständig hustet. „Es stinkt mir, wie es ist“ fasst die Beschwerden Nr. 55, 58, 86 und 103 über Müll an öffentlichen Orten zusammen. Dazu schwingen Putzfrauen mit Gummihandschuhen Reisigbesen; der Chor wippt und wiegt sich im Rhythmus mit. Auch politische Beschwerden sind schon dabei gewesen: Den einen stören Atomkraftwerke, den anderen der für Hildesheim geplante dritte Autobahnanschluss. Letzterer ist in der Schreibwerkstatt des Chors noch übersteigert worden: „Wir bauen eine Ringautobahn einmal rund um die Stadt“ heißt es im neuesten Lied.

Roberts und Hörr vom Hildesheimer Theater R.A.M. (Rapid Arts Movement) haben die ersten Mitglieder über einen Aufruf in der Zeitung gefunden. Chorerfahrung war nicht Voraussetzung, wohl aber der Mut, sich öffentlich zu präsentieren. Nach Auftritten in der Fußgängerzone und im November im Stadttheater kamen etliche dazu. Das Projekt verbindet Arbeitslose mit Architekten sowie Generationen: Der Jüngste ist sieben, der Älteste 75. „Es ist ganz leicht, sich die Texte zu merken“, meint die achtjährige Smilla, mit Mutter und zwölfjähriger Schwester im Chor.

Dieter Bremer als Ältester gibt zu, da mehr Probleme zu haben. „Hier kann ich die grauen Zellen frisch halten“, sagt der frühere Lehrer, der das Rollenspiel liebt. Die hochgegelte Frisur beweist: Es ist zum Haareraufen. „Meiner Mutter macht die Kostümierung großen Spaß“, verrät Tjada Feiertag (16), die aus dem Publikum heraus ihre Mutter im goldglänzenden Kleid und mit großer Schleife am Hut fotografiert. Wie viele Zuschauer gehört sie zu den „Fans“. Martin Rohde aus Diekholzen hört den Chor zum ersten Mal. Auch der 57-jährige Kaufmann lacht und applaudiert kräftig mit – er selbst ist, wie er sagt, „im Augenblick total zufrieden“.

Die Unzufriedenen können im Anschluss Beschwerdezettel in einen Kasten werfen. Die zwölfjährige Franka hat sich während des halbstündigen Auftritts geärgert und schreibt, „dass bei solchen Veranstaltungen immer die Handys klingeln“. Eine ältere Frau beklagt sich, dass sie wegen einer missverständlichen Ankündigung unnötig lange draußen auf dieses Konzert warten musste.

Dabei tritt der Beschwerdechor meist ganz ohne Ankündigung irgendwo auf, als Überraschung. Man kann ihn auch buchen. „Wir gehen zu den Leuten“, sagt Leiterin Hörr. Das könne auch mal andernorts sein, ergänzt Partner Roberts. „Hundehaufen gibt es überall.“ Das Lied über einen schwer zu bedienenden Fahrkartenautomaten, inzwischen ein Hit des Beschwerdechors, habe man auf einem Bahnsteig vortragen wollen, erzählt er. Doch die Bahn habe keinen Spaß verstanden und den Zutritt verweigert. „Die fanden das grotesk übertrieben.“

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