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Panorama Hessisches „Atlantis“ lockt an den Edersee
Mehr Welt Panorama Hessisches „Atlantis“ lockt an den Edersee
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15:03 08.08.2015
In den Edersee passen fast 200 Millionen Kubikmeter Wasser. Derzeit verliert er täglich fast zwei Millionen Kubikmeter, am Wochenende wird die 80 Millionen-Marke unterschritten. Quelle: dpa
Waldeck/Hann. Münden

Wenn im Sommer der Edersee viel Wasser verliert, zeigt er sein altes, versunkenes Gesicht. Jetzt führt bei Asel in Hessen wieder eine vierbogige Brücke über die Eder. Sie wurde beim Bau des Stausees vor mehr als 100 Jahren überflutet und ist nur zu sehen, wenn der Edersee-Pegelstand tief sinkt. Dieter und Karoline Walther aus der Nähe von Mainz machen Urlaub am Edersee und stehen vor der Aseler Brücke. „Wir wollen drübergehen“, sagt er. Die Brücke kann mittlerweile trockenen Fußes überquert werden.

Zum Vorschein kommen aus dem See derzeit auch Steinreste von Fundamenten. Das Rentnerpaar will sich noch einen alten, trockenfallenden Friedhof anschauen. Ruinen, die sonst unter der Oberfläche liegen - das „Edersee-Atlantis“, so benannt nach einem mythischen Inselreich, das Platon zufolge einst im Meer versank.

Edertalsperre vor mehr als 100 Jahren gebaut

Die Edertalsperre wurde vor mehr als 100 Jahren gebaut, um mit ihrem Wasser den Pegelstand der Weser für die Schifffahrt konstant zu halten. Die drei Dörfer Bringhausen, Berich und Asel versanken dafür im Edersee - die Überreste sieht man fast jeden Sommer. Mittlerweile gehört der See auch zu den beliebtesten Freizeit- und Ausflugsorten in Hessen. „Für uns ist genug Wasser da“, sagt Ihring Salaske aus Melsungen. Der 50-Jährige segelt an der Sperrmauer, wo das Wasser immer noch rund 30 Meter tief ist. Auch für Wasserski-Fahrer Jürgen Flassig aus Salzgitter sind die Bedingungen „genial“, wie er sagt.

In den See passen fast 200 Millionen Kubikmeter Wasser. Derzeit verliert er täglich fast zwei Millionen Kubikmeter, am Wochenende wird die 80 Millionen-Marke unterschritten. Grund für die niedrigen Pegel ist das bislang extrem trockene Jahr. „Bei 40 Millionen müssen wir den Ablauf reduzieren“, sagt Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden. Die Folge: Der Weserpegel bei Hann. Münden sinkt, viele Schiffe können nicht mehr fahren. Ohne Niederschläge könnte dies Ende August so weit sein. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sieht es in der nächsten Zeit nicht nach andauerndem Regen aus, der den Wasserstand deutlich heben könnte.

Weil schon viel Wasser fehlt, müssen die Touristen weitere Wege zum Baden gehen oder finden nur noch das Flussbett der Eder vor. Dennoch gebe es kaum Beschwerden - im Gegenteil, denn dafür entwickele sich das hessische Atlantis zum Touristenmagnet, sagt der Geschäftsführer der Edersee Touristic, Claus Günther. „Die Leute fragen schon, wo man was sehen kann“, betont er. Zudem ziehe die ungewöhnliche Attraktion Tagesgäste an. „Wir sind mit der Saison zufrieden.“ Auch mit noch weniger Wasser seien Wassersport und Schifffahrt weiter möglich.
Für Sabine Kipp vom Wassersportcenter Sun&Fun ist die Situation nicht ungewöhnlich. Wichtiger als der Wasserstand sei ohnehin das Wetter, sagt sie. „Schlechtes Wetter und voller See heißt, es ist wenig zu tun, gutes Wetter und ein halbvoller See bedeutet, wir haben gut zu tun.“

Der Bürgermeister der Edersee-Gemeinde Vöhl, Matthias Stappert (parteilos), sagt dagegen: „Für Menschen, die Urlaub am See machen möchten, ist das eine Enttäuschung. Der See ist kein See im Moment.“  Allerdings sei ihm bewusst, dass der Zweck des Sees nicht vorrangig der Tourismus sei. Eine kurzfristige Lösung gebe es nicht, jedoch will Stappert mit den Nachbargemeinden sprechen, um dem Tourismus in der Region langfristig mehr Gewicht zu geben.

Marc Heßler aus Ulrichstein im Vogelsberg hat sich mit seiner Familie vor seinem Urlaub extra über das Edersee-Atlantis informiert. „Mit Kindern schwimmen ist schlecht, aber sonst ist es toll“, sagt er. Sohn Marlon (8) findet besonders das viele Treibholz an der Aseler Brücke toll. „Vielleicht kommen wir im Frühjahr noch mal wieder, wenn er voll ist“, sagt Vater Marc.

Von Timo Lindemann, dpa

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