Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Was wird aus Niedersachsens schönen Alleen?
Mehr Welt Panorama Was wird aus Niedersachsens schönen Alleen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:04 17.07.2017
Von Gabriele Schulte
Eichen und Linden, Ahorn, Kastanien und Birken säumen in langer Reihe beidseitig die Straßen. Quelle: Hoppe
Hannover

Eichen und Linden, Ahorn, Kastanien und Birken säumen in langer Reihe beidseitig die Straßen. Als Alleen weisen sie den Weg durchs Land. „Die 500 schönsten Alleen in Niedersachsen“ stellt zurzeit der Niedersächsische Heimatbund (NHB) in einer aufwendigen Dokumentation zusammen. Bis Ende des Jahres soll eine vorläufige interaktive Karte fertiggestellt sein. Schon jetzt machen die Heimatforscher sich Sorgen. „Durch den Ausbau von Straßen sind viele wertvolle Alleen stark bedroht,“ haben sie festgestellt.

Langlebige Eichen und Linden

Seit 2015 sind Mitarbeiter des Projekts, das von der Bingo-Umweltstiftung unterstützt wird, auf mal breiten und oft schmalen Straßen unterwegs, um landschaftsprägende Baumbestände zu fotografieren. Hunderte Hinweise haben sie von Ehrenamtlichen bekommen - ein Zeichen, wie viel die Alleen den Menschen bedeuten. „Wir überprüfen und dokumentieren jede einzelne“, erzählt Max Peters vom NHB. Zurzeit durchstreift er mit seiner Kamera das Emsland. Zwischen lauter Bäumen bekommt er viel zu sehen: Spaziergänger mit Hunden, Schützenausmärsche, aber auch waghalsige Überholmanöver von Autofahrern. „Das kann richtig gefährlich werden“, sagt Peters.

Viele Alleen hat auch Ansgar Hoppe abgegrast. Der promovierte Biologe und Landschaftsforscher hat vorher schon ähnliche Projekte geleitet und gerät beim Thema Alleen richtig ins Schwärmen. Welche die schönste ist? Da fällt die Antwort schwer. „Etwas ganz Besonderes ist auf jeden Fall die Allee an der alten B 3 bei Adelsheidsdorf zwischen Hannover und Celle“, meint er. „Da stehen noch die 250 Jahre alten Eichen.“ Ähnlich langlebig sei sonst nur die Linde.

Für Herrschaften und Soldaten

Hoppe kann auch erklären, was eine Allee ausmacht: „Eine planmäßig an beiden Seiten einer Straße angelegte Baumreihe“, die zu einem Verkehrsweg gehört - das kann außer einer Straße auch ein Feldweg, ein Parkweg, eine Hofzufahrt oder ein Kanal sein. Doch Alleen sind viel mehr, als diese nüchterne Definition vermuten lässt: Sie strukturieren die Landschaft und vermitteln auf diese Weise ein Heimatgefühl - so jedenfalls wird es dem NHB immer wieder geschildert. Ihren Ursprung haben sie in der Barockzeit, sie sollten aus den herrschaftlichen Gärten hinaus ins Unendliche weisen.

Doch die Baumreihen haben auch praktischen Nutzen. Ab dem späten 18. Jahrhundert wurden sie, unter anderem unter Napoleon, planmäßig angelegt, wie Hoppe berichtet: „Sie sollten die Wege trocken halten und marschierenden Soldaten Schatten spenden.“ Auch dienen sie stets der Orientierung, vor allem in flachen Regionen. In hügeligen Landesteilen wie den Kreisen Göttingen und Northeim gibt es weniger Alleen als zum Beispiel in der Hildesheimer Börde.

Eine große Rolle spielt, wie sich die Mitarbeiter der Naturschutz- und Straßenbaubehörden um „ihre“ Alleen bemühen, wenn an unfallträchtigen Orten Bäume gefällt werden. Der Landkreis Hildesheim und die Region Hannover gelten als vorbildlich. Besonders engagiert zeigt sich seit Jahren auch der Landkreis Harburg, der einen Leitfaden zum Schutz von Alleen erstellt hat. In den vergangenen sechs Jahren sind auf dieser Grundlage an 14 Alleeabschnitten 660 Bäume nachgepflanzt worden, als Ausgleich für Bäume, die für Straßenerweiterungen oder für die Verkehrssicherheit abgeholzt wurden.

Seit den Fünfzigerjahren, so die Schätzung des Heimatbundes, sind mehr als 80 Prozent der Alleebäume im Land dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen. „Nicht überall wurde nachgepflanzt“, sagt Hoppe. „Heute gibt es deshalb nur noch halb so viele Alleen.“ Dem Verband und auch dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) reichen solche kommunalen Bestrebungen nicht. Beide fordern Niedersachsen auf, sich wie einige andere Bundesländer ausdrücklich zum Schutz der Alleen zu bekennen - beispielsweise in den Ausführungsbestimmungen zum Bundesnaturschutzgesetz. Nebenbei nämlich bieten Alleen auch Vögeln, Fledermäusen und Insekten Schutz.

Zur Orientierung: Die Karte des Heimatbundes findet sich im Internet unter www.alleen-niedersachsen.de.

Tödliches Hindernis 
Straßenbaum

Bäume am Straßenrand können bei Unfällen lebensgefährlich sein, vor allem an Landstraßen. „Der Aufprall auf feste Hindernisse neben der Fahrbahn ist für 16 Prozent der im Straßenverkehr Verunglückten verantwortlich und für 39 Prozent der Getöteten“, sagt eine Sprecherin des Automobilclubs ADAC. Fast die Hälfte dieser Opfer sei bei der Kollision mit einem Baum gestorben.

Seit 2006 gelten bundesweite Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume, die bei vielen Nachpflanzungen mindestens 4,5 Meter Abstand zum Straßenrand vorschreiben. „Da der Straßenbaulastträger in solchen Fällen meist Land dazukaufen müsste, ist das unrealistisch“, meint Katharina Brückmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Eine bundesweite Richtlinie für passiven Schutz an Straßen geht noch weiter, dort wird ein Abstand von bis zu zwölf Meter verlangt. Dies wird in den Ländern unterschiedlich ausgelegt, in Niedersachsen haben die Landkreise großen Spielraum.

Auf Unfallgefahr muss nicht immer mit der Säge reagiert werden. Der ADAC nennt weitere Möglichkeiten: Risikoaufklärung, bauliche Veränderungen und nicht zuletzt Geschwindigkeitskontrollen. In Niedersachsen steht gerade ein Modellversuch in sechs Landkreisen zu Tempolimits im Bereich von Alleen kurz vor dem Abschluss – dabei ist seit Ende 2014 an sogenannten Baumstrecken die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 und teilweise auch 70 Kilometer pro Stunde herabgesetzt worden. Beteiligt sind die Kreise Hildesheim und Osnabrück, Osterholz, Friesland, Cuxhaven und Emsland. Sie wollen gemeinsam mit Landesregierung und Polizei herausfinden, ob sich durch solche Tempolimits die Zahl der Unfälle an Straßenbäumen und damit auch die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr reduzieren lässt. Voraussichtlich Ende September soll die Entwicklung der Unfallzahlen ausgewertet sein.

Ein Rentner hat am Freitagmorgen Gas- und Bremspedal seines Wagens verwechselt und so mindestens 62.000 Euro Schaden verursacht. Wie die Polizei mitteilte, raste der 73-Jährige mit dem Heck in die Front einer Reinigungsfirma und riss diese bis zum Dach ein.

14.07.2017
Panorama Verdacht auf Steuerhinterziehung - Rapper DMX festgenommen

Der Rapper DMX kennt das Gefängnis bereits von mehreren Aufenthalten, jetzt könnte er längere Zeit hinter Gittern bleiben: Der Musiker muss sich wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten.

14.07.2017
Panorama Kronprinzessin Victoria wird 40. - Schwedens liebstes Geburtstagskind

Das Volk liegt ihr zu Füßen: Victoria von Schweden steht für eine moderne Generation von Royals – heute wird sie 40 Jahre alt. Das wird gefeiert – mit Pauken und Trompeten.

14.07.2017