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Panorama Eine Dorfdisco zieht ins Museum
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00:16 19.03.2017
Von Karl Doeleke
„Im Aschenbecher lagen noch die Kippen“: Das „Sonnenstein“ wurde vom letzten Betreiber Hals über Kopf verlassen. Quelle: Jan-Philipp Eberstein
Harpstedt

Das „Sonnenstein“ hat ganz eindeutig lebhaftere Zeiten hinter sich. Es ist ziemlich staubig in der alten Dorfdisco in Harpstedt im Landkreis Oldenburg, und man bildet sich ein, man könne den „Charly“, dieses zweifelhafte Mischgetränk aus Weinbrand und Cola, immer noch riechen. Generationen von Partygängern haben das Zeug in sich reingekippt, bevor sie sich auf die Tanzfläche wagten, und natürlich stand es auch im „Sonnenstein“ auf der Karte. Inzwischen ist das Tanzlokal Geschichte, wie so viele andere in den Dörfern zwischen Norddeich und Duderstadt ein Relikt vergangener Zeit. Die Dorfdisco ist reif fürs Museum.

Das Projekt "Sonnenstein"

Abriss und Wiederaufbau der Dorfdiscothek „Sonnenstein“ sind der erste Schritt zu einer geplanten Erweiterung des Museumsdorfes Cloppenburg. Bisher widmet sich das Freilichtmuseum eher der Zeit vom 16.?Jahrhundert bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Zukünftig wollen sich die Ausstellungsmacher stärker auch der regionalen Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmen. Dafür soll die Dorfdiscothek mitsamt Inventar möglichst originalgetreu wieder aufgebaut werden. In Gesprächen mit Zeitzeugen und mithilfe von Dokumenten und Fotos soll so die Ära des Tanzlokals und der Discothek erforscht und aufgearbeitet werden.

Genau da soll das „Sonnenstein“ jetzt hin. Das Museumsdorf Cloppenburg will es „als Zeugnis regionaler Jugend- und Musikkultur“ erhalten, die Disco Stein für Stein abtragen und im etwa 40 Kilometer entfernten Freilichtmuseum wieder aufbauen. Mit allem Drum und Dran. „Es war ja alles komplett erhalten“, sagt Eva Geiß, die Projektleiterin beim Museumsdorf Cloppenburg - ein Glücksfall, findet die Architekturhistorikerin.

Im Automat liegen noch D-Mark

Als der letzte Betreiber vor Jahren pleiteging, machte er sich aus dem Staub und überließ den Laden sich selbst. Im „Sonnenstein“ sah es darum bis zuletzt so aus, als sei hier vergangene Nacht noch gefeiert worden: angebrochene Flaschen hinter der Bar, CDs und Schallplatten am Mischpult und an der Decke die Discokugel. Alles nur ziemlich verstaubt. „Im Aschenbecher lagen noch die Kippen“, sagt Geiß, als könne sie ihr Glück kaum fassen. „Der Wahnsinn!“ Die Zeit war wie stehen geblieben.

Vieles vom Inventar ist inzwischen abtransportiert und liegt in einem Lager des Museumsdorfes am Rande von Cloppenburg. Die weißen Plexiglasplatten etwa, die einst die Tanzfläche abdeckten und von unten im Takt der Musik angestrahlt wurden. „Wir haben hier Beleuchtung aus allen Jahrhunderten“, erzählt Geiß und schlendert durch die Reihen der Lagerhalle. „Das muss alles restauriert werden.“ Die Plattenspieler aus der DJ-Kabine sind schon wieder aus der Werkstatt zurück. Im Regal liegt auch ein angeeckter Automat, darin noch D-Mark-Stücke. „Die Kondome sind 2001 abgelaufen.“ Hunderte Schallplatten von Marvin Gaye bis Marius Müller-Westernhagen lagern daneben. Die 32-jährige Geiß schätzt, dass die Scheiben zum Schluss nur noch der Dekoration dienten, und zieht eine Bill-Haley-Single aus einem Stapel. „Da ist auch richtig altes Zeug dabei.“ Und Frank Zander.

Die Gästeliste steht schon

Ungefähr 500 000 Euro, schätzt Geiß, dürfte der Umzug mit Ab- und Wiederaufbau kosten. „Der Plan ist: Es kommt eine Firma mit einer sehr großen Säge und schneidet die Fassade in Stücke. Wenn das nicht geht, wird das Gebäude Stein für Stein abgetragen.“ Bezahlt werden soll das mit Spenden und öffentlichen Fördermitteln. Wann das „Sonnenstein“ an neuer Stelle eröffnet wird, vermag Geiß nicht zu sagen. „Das hängt auch davon ab, wie die Finanzierung läuft.“ Geplant ist die Eröffnung für 2018, es könnte aber auch 2019 werden. „Die Gästeliste für die Eröffnungsfeier ist jedenfalls schon voll. Ganz Harpstedt hat sich angemeldet und auch einige ehemalige DJs und Musiker.“

Tatsächlich fiebern viele in dem 5000-Einwohner-Flecken der Wiedereröffnung entgegen. Seit den Sechzigerjahren haben die Harpstedter im „Sonnenstein“ getanzt. Es ging los als Gaststätte mit Saalbetrieb und endete als Lokal, in dem nur noch hin und wieder Abi-Partys gefeiert wurden. Viele im Dorf betrachten den „Stein“ als „ihre“ Disco. Klaus-Dieter Westphal zum Beispiel. „Ich habe hier meine Frau kennengelernt“, sagt der 67-Jährige. „Alle freuen sich, dass das ,Sonnenstein‘ weiterlebt.“

Kleinere Alltagssorgen gibt es aber auch: Ein früherer Gast fragt im Internet, ob bei der Eröffnung im Museumsdorf sein damaliges Hausverbot weiter Bestand habe.

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