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Panorama Häuser im Harz wegen Einsturzgefahr geräumt
Mehr Welt Panorama Häuser im Harz wegen Einsturzgefahr geräumt
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20:27 08.02.2017
Von Karl Doeleke
„Sehr aufregend“: eine Familie beim Umzug in eine Ferienwohnung.  Quelle: Bertram
Wildemann

Die Hänge links und rechts der Landstraße, die sich heute durch das Innerstetal im Oberharz schlängelt, müssen ziemlich durchlöchert sein. Über Jahrhunderte haben Bergleute Stollen und Schächte in das Gestein getrieben, bis vor etwa 100 Jahren die Suche nach Silber in Wildemann im Kreis Goslar aufgegeben wurde. Seither zeugen noch einige Bergmannshäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert von der Geschichte der Stadt. Alles lange her.

Doch die Folgen des Bergbaus bekommen nun vier Familien aus Wildemann ganz akut zu spüren. Sie mussten Anfang der Woche ihre Häuser verlassen, die am Hang einer alten Bergbauhalde liegen. Sie wurden auf Kosten der Stadt Clausthal-Zellerfeld in Ferienwohnungen oder bei Verwandten untergebracht, denn die Halde könnte abrutschen und die Häuser am Gallenberg mit nach unten reißen.

Dort unten steht das alte Rathaus von Wildemann, in dem Benno van den Heuvel seit drei Jahren Ferienwohnungen vermietet. Auch der Niederländer bekam eine Evakuierungsverfügung von der Stadt sowie ein Verbot, zu vermieten, und ist bedient. „Ich musste sechs Buchungen absagen“, beklagt sich der Wirt, der nicht glaubt, dass sein Haus in akuter Gefahr ist.

Der Hang bewegt sich

Die zuständige Stadt Clausthal-Zellerfeld sieht das anders. „Am Dienstag ist den Leuten die Evakuierungsverfügung zugestellt worden“, sagte am Mittwoch die Leiterin des Ordnungsamts, Dagmar Lieberwirth. „Seit zweieinhalb Jahren hat es Bewegung im Berg gegeben. Der Hang hat sich in dieser Zeit um 17 Zentimeter bewegt.“ Im Dezember schließlich riss eine Wasserleitung - nach Einschätzung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover sei das Wasser gefährlich für die Stabilität des Hangs, erzählt Lieberwirth. Das LBEG führe den Riss der Wasserleitung auf die Bewegung im Berg zurück und habe die dringende Empfehlung ausgesprochen, die Statik des Hangs zu überprüfen. Am 5. März soll das Ergebnis der Untersuchung vorliegen. So lange gelten die Evakuierungsverfügungen. Vielleicht dürfen die Familien aus der Straße Am Gallenberg dann zurück in ihre Häuser.

Was passiert nach dem 5. März?

Vermieter van den Heuvel hofft, dass er bald wieder Touristen in dem schönen Alten Rathaus von 1870 unterbringen kann. „Die Ferienwohnungen laufen ohne Ende“, sagt er. „Jetzt ist mein Betrieb stillgelegt.“ Van den Heuvel braucht die Einnahmen aus der Vermietung, denn er hat 150.000 Euro in die Sanierung gesteckt und will eine weitere Wohnung ausbauen. „Das kann ich im Moment vergessen. Keine Bank gibt mir doch gerade Geld. Und wer sagt mir, wie es nach dem 5. März weitergeht?“

Auch den Bewohnern der Häuser weiter oben am Hang macht die Evakuierung zu schaffen, wie die „Goslarsche Zeitung“ am Mittwoch berichtete. Da ist etwa Ingrid Schmidt, 80 Jahre alt. Sie ist in einer Ferienwohnung im Ort untergebracht. „Das ist für eine alte Dame, die 60 Jahre in ihrem Haus gelebt hat, sehr aufregend“, erzählt die Enkelin Katharina Albrecht. „Das Schlimme ist: Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht.“ Albrecht hat ihrer Oma gemeinsam mit weiteren Familienangehörigen bei der Evakuierung geholfen.

Häuser schon lange nur über Stahlbrücke zugänglich

Schon das war beschwerlich, denn die Häuser am Gallenberg sind schon lange nur noch über eine Behelfsbrücke aus Stahl zu erreichen, die das Technische Hilfswerk 2014 errichtete. Im Oktober 2014 war der alte Bergbauschacht Anna-Juliane eingestürzt. Seitdem waren die Häuser nur noch über die Brücke zugänglich.

„Ich stehe gerade vor meinem Haus“, erzählt Jörg Bruns am Telefon. „Ich muss noch ein paar Sachen holen.“ Bruns hat Verständnis für die Evakuierungen. „Es ist ja nicht ganz ungefährlich.“ Er ist in einer Pension auf der anderen Seite des Berges untergebracht. „Man sieht sein Haus und kann nicht darin wohnen.“

Ob der Berg saniert wird, fragt sich nicht nur Bruns. Ordnungsamtsleiterin Lieberwirth hofft, „dass die Leute wieder zurück in die Wohnungen können, dass die Halde einfach gesichert werden kann und dass der Schacht saniert wird“.

Wildemann – Bergbaustadt mit jahrhundertelanger Tradition

Wildemann im Oberharz war schon immer eine Bergbaustadt. 1529 wurde sie von Bergleuten als „Freie Bergstadt“ im Auftrag der Welfenherzöge gegründet, die den Harzer Bergbau intensivieren wollten. Der Stadtname lässt sich auf eine Sage zurückführen: Angeblich soll ein „wilder Mann“ die ersten Siedler zu einer großen Erzader geführt haben. Dort sollen sich die Bergleute niedergelassen und die erste Grube mit dem Namen „Der alte Wildemann“ errichtet haben. Der Ort liegt auf 390 Metern Höhe im Innerstetal, welches nach dem Nebenfluss der Leine benannt ist. Er floss auch an der ersten Mine vorbei. Für Bergmänner machten vor allem Silber- und Bleivorkommen die Stadt als Grubenstandort attraktiv. Die von der Evakuierung betroffenen Häuser liegen an einem solchen Silberabbau. Die Grube Anna-Juliana war zwischen 1690 und 1700 aktiv. Als das Erzvorkommen weitgehend erschöpft war, suchten im 19. Jahrhundert viele Arbeiter in benachbarten Orten Beschäftigung. Drei Jahrhunderte nach der Gründung des Ortes wurde die letzte Grube der Harzstadt bei Goslar geschlossen. Heute ist eine Hauptattraktion des Ortes ein 465 Jahre alter Stollen, der Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Oberharzer Wasserwirtschaft“ ist. Wildemann ist mit etwas mehr als 900 Einwohnern die kleinste der sieben Bergstädte im Oberharz. Der Ort gehört zu Clausthal-Zellerfeld.

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