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Panorama Hält die Mordanklage im Fall Dominik Brunner stand?
Mehr Welt Panorama Hält die Mordanklage im Fall Dominik Brunner stand?
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20:03 18.07.2010
An den Schlägen und Tritten starb Dominik Brunner nicht unmittelbar. Quelle: dpa

Er bleibt der Mann, der sein Leben für vier Kinder einsetzte und verlor. Doch nach drei Prozesstagen im Fall Dominik Brunner und einer überraschenden Nachricht vom Wochenende stellt sich die Tat für viele anders das, als bisher angenommen. Brunner hat in der Bedrohungslage der Jugendlichen zuerst zugeschlagen, bestätigen mehrere Zeugen vor Gericht. Er starb zudem aus medizinischer Sicht nicht unmittelbar an den Schlägen und Tritten, die die Angeklagten Sebastian L. und Markus S. ihm versetzten, sondern an Herzstillstand. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies am Sonnabend – und hält dennoch an der Mordanklage gegen die beiden Heranwachsenden fest.

Brunner war im September 2009 bei einer Schlägerei mit den Jugendlichen auf dem S-Bahnsteig München-Solln gestorben. Er hatte sich schützend vor vier Kinder gestellt, von denen die angetrunkenen Jugendlichen Geld erpressen wollten. Am Sonnabend berichteten zunächst der „Spiegel“ sowie der „Münchner Merkur“ mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft München, dass der Manager nicht direkt an den Verletzungen, sondern an Herzversagen starb. Zudem habe er einen vergrößerten Herzmuskel gehabt.

Kein Grund für die Anklagebehörde, den Mordvorwurf zu ändern, das sei zudem alles nicht neu. „Herr Brunner ist infolge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben ist“, erklärte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger, Sprecherin der Anklagebehörde. Und es wäre nicht stehen geblieben, hätte es die massive Gewalt und die 22 schweren Verletzungen Brunners nicht gegeben, ist sie überzeugt. Damit sei die Kausalität klar gegeben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war es Mord.

Die Verteidigung der Angeklagten sieht das längst nicht mehr so und bewertete die Mordanklage bereits nach Beginn der Beweisaufnahme als kaum haltbar. „Das dreht jetzt“, sagte der Anwalt von Sebastian L., Jochen Ringler, mit Blick auf mehrere Zeugenaussagen schon am Donnerstag am Rande des Prozesses. Warum die Staatsanwaltschaft bisher den Herzstillstand und den vergrößerten Herzmuskel verschwieg, wenn es doch aus ihrer Sicht nichts an der Mordanklage ändert, bleibt rätselhaft. Das endgültige Ergebnis der Obduktion Brunners wurde damals nicht veröffentlicht, Todesursache sei die Gesamtheit der 22 schweren Verletzungen gewesen, hieß es im Herbst nach der Obduktion. Zudem gab es noch 22 leichte Verletzungen. Klarheit soll nun das Gutachten eines Sachverständigen zur Todesursache und Bewertung der Umstände im Prozess bringen.

Ob ein vergrößerter Herzmuskel als Herzfehler zu bewerten sei, könne sie nicht beurteilen, sagte Stockinger. Laut „Spiegel“ erlitt der Manager trotz der massiven Tritte und Schläge weder einen Schädelbruch noch andere Knochenbrüche, die zum Tode hätten führen können. Doch auch wenn es medizinisch keine eindeutig zuzuordnende Todesursache gibt, ist für die Ankläger die ausschließlich massive Gewalt gegen Brunner Ursache des Todes durch Herzversagen.

Auch bei den Zeugenaussagen deutete schon vieles darauf hin, dass das Herz versagt haben könnte. So sei Brunner zunächst noch einmal aufgestanden und habe etwas gemurmelt wie „Das war hart“. Dann sei er aber wieder zusammengesackt und blau angelaufen, schilderten Zeugen.

Mit Blick auf den Beginn der Schlägerei sehen zudem manche Prozessbeobachter das Bild des Helden leicht getrübt, auch wenn er aus Zivilcourage handelte. „Die zwei sind uns gefolgt. Herr Brunner hat seine Jacke ausgezogen und hat gesagt, wir sollen uns raushalten – da sind die beiden auf ihn zugekommen“, schildert eine der von Brunner verteidigten Schülerinnen die Momente vor der tödlichen Eskalation. Ein anderer sagt, Brunner sei den beiden entgegengegangen mit den Worten: „Ihr wollt’s nicht anders“, dann habe er Markus S. ins Gesicht geschlagen, um einen drohenden Angriff abzuwehren.

dpa

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