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Panorama Gutachten wirft Bistum Versäumnisse vor
Mehr Welt Panorama Gutachten wirft Bistum Versäumnisse vor
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00:15 19.10.2017
Von Simon Benne
Schuldbekenntnis: Kirchenvertreter des Bistum Hildesheims bei der Pressekonferenz zum Thema Missbrauch. Quelle: Benne
Hildesheim

Es ist ein großes Mea culpa: "Die eigene Schuld und das eigene Versagen im Umgang mit diesen Fällen lasten auf uns", sagt Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger. Er sei tief beschämt und traurig: "Die Opfer und ihre Angehörigen bitte ich im Namen unseres Bistums um Vergebung. Uns ist sehr bewusst, dass ihnen großes Leid widerfahren ist."

Mit demonstrativer Demut und Selbstkritik hat die Leitung des Bistum Hildesheim auf ein jetzt veröffentlichtes Gutachten des Münchener Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) reagiert. Mit gutem Grund: Das 250 Seiten starke Papier wirft dem Bistum teils eklatante Versäumnisse im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch vor. Unter anderem kreidet der vom Bistum selbst vor einem Jahr in Auftrag gegebene Bericht der Kirche Fehlverhalten im Fall des inzwischen suspendierten Priesters Peter R. an. Dieser hatte mehr als 20 Jahre lang in der Diözese gewirkt. Obwohl immer wieder Vorwürfe gegen den Priester laut wurden, habe das Bistum Ansatzpunkte für straf- und kirchenrechtliche Ermittlungen ignoriert.

Gutachter Peter Mosser spricht von einem "Muster des Wegschauens": Peter R. sei innerhalb des Bistums häufig versetzt worden, obwohl dieses spätestens seit 1989 darüber informiert war, dass von dem Priester eine Gefahr für Minderjährige ausging. Noch im März 2010 sei der damalige Domkapitular Heinz-Günter Bongartz nicht von einem Missbrauchsfall ausgegangen, als ein 14-jähriges Mädchen sich mit seiner Religionslehrerin an ihn wandte und von sexualisierter Gewalt durch Peter R. berichtete. "Es wurden keine Maßnahmen dagegen unternommen", sagt Mosser.

Ein einem anderen Fall hatte sich ein Mann 2015 an das Bistum gewandt und angegeben, er sei vom früheren Bischof Heinrich Maria Janssen Anfang der Sechzigerjahre mehrfach missbraucht worden.  Die Vorwürfe könnten nach so langer Zeit weder bewiesen noch entkräftet werden, sagt Gutachter Gerhard Hackenschmied. Die Verantwortlichen des Bistums seien in diesem Fall allerdings überfordert gewesen: Einerseits hatten sie die Vorwürfe für "plausibel" erklärt, um das Leid des mutmaßlichen Opfers anzuerkennen, andererseits jedoch zugleich betont, dass die Schuld des verstorbenen Bischofs Janssen nicht erwiesen sei.

Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, von 2007 bis 2014 Beauftragter des Bistums für Missbrauchsfälle, räumte Fehler ein. Im Jahr 2010 seien auf einen Aufruf, Missbrauchsfälle zu melden, rund 70 Meldungen beim Bistum eingegangen: "Die unglaubliche Zahl von Meldungen hat mich überrollt", sagte Bongartz bei einer Pressekonferenz mit tränenerstickter Stimme. Er sei "in eine Situation der persönlichen Überforderung hineingeraten".

Angesichts des Gutachtens habe Bongartz seinen Rücktritt angeboten, der vom Diözesanadministrator Schwerdtfeger jedoch abgelehnt wurde: "Die Fehler erklären sich auch dadurch, dass er zu wenig Unterstützung hatte", sagt Schwerdtfeger. Bongartz habe vor sieben Jahren Fehler gemacht, sei aber "durch und durch integer".

Das Bistum kündigte Konsequenzen an: An der Spitze des Beraterstabs zu Missbrauchsfällen soll künftig ein hauptamtlicher Geschäftsführer stehen, der beruflich unabhängig von der Kirche ist. Außerdem solle die Zusammenarbeit mit externen Experten ausgebaut und die Präventionsarbeit verstärkt werden, sagt Domkapitular Martin Wilk: "Es ist unser Ziel, alles uns Mögliche zu unternehemn, um sexuellen Missbrauch vorzubeugen."

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