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Panorama Der Palast der Berliner Republik
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00:15 14.06.2013
Von Johanna Di Blasi
Megamuseum statt Kaiserresidenz: Hinter der Fassade des historischen Stadtschlosses – hier eine Computersimulation – soll voraussichtlich 2019 das Humboldtforum eröffnet werden. Quelle: Timo Hermann – bbz landschaftsarchitekten/dpa
Berlin

„Hier wird ein Schloss gebaut!“ steht auf Plakaten entlang einem hohen Bauzaun. Pfeile weisen in Richtung Humboldt-Box. Die mehrstöckige futuristische Kiste ist Infobox und Spendengenerierungsmaschine in einem. Sie wird, wenn das Schloss mit seiner barocken Fassadenrekonstruktion heranwächst, einen gewollt schrägen Kontrast dazu bilden – und später dann abgebaut werden.

Auf der Panoramaterrasse der Humboldt-Box überblicken zahlende Besucher seit Monaten Vorarbeiten für den Wiederaufbau des Stadtschlosses im Zentrum von Berlin. Die Schlossbaustelle ist Schaustelle und Touristenhotspot. Man kann jetzt schon von Spektakelarchitektur reden, obwohl gerade erst die Kellerfundamente gelegt werden. Offizielle Grundsteinlegung sollte eigentlich schon im Mai sein, doch der Termin wurde verschoben.

Ein umstrittenes Projekt

Heute ist es nun so weit: Bundespräsident Joachim Gauck schlägt dreimal mit einem Hammer auf den Grundstein, eine Rede hält er nicht. Auf der Terrasse der Humboldt-Box ertönt das Bläserensemble der Staatskapelle Berlin. Auch javanische Gong- und ­Xylofonklänge untermalen die Feier: Als Hinweis auf die künftige Nutzung des Schlosses als Museum außereuropäischer Kultur und „Centre Pompidou des 21. Jahrhunderts“, wie die Vertreter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verheißungsvoll sagen. Auch Bundesbauminister Peter Ram­sauer, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sind bei der Grundsteinlegung für das bedeutendste Kulturbauvorhaben des Bundes dabei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt der Zeremonie hingegen fern. Angeblich aus protokollarischen Gründen, vielleicht aber auch aus Kalkül. Der Wiederaufbau der einstigen Hohenzollernresidenz ist kein unumstrittenes Projekt. Zwar geraten Schlossbefürworter und -gegner inzwischen seltener aneinander als früher, doch die Grundsatzfrage, ob Deutschland in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise wirklich ein Megamuseum braucht, stellt sich mehr denn je. „Der Bau des Schlosses ist im Gang und unverrückbare Wirklichkeit“, sagt Ramsauer.

Für die historische Rekonstruktion und mithin gegen einen modernen Neubau an der Stelle des Palastes der Republik entschied sich der Deutsche Bundestag bereits im Jahr 2002. Zuvor war erwogen worden, an der Stelle ein Einkaufszentrum, ein Hotel oder gar ein Parkhaus zu errichten. 2007 wurde vom Bundestag und dem Land Berlin der Beginn des Wiederaufbaus auf 2010 festgelegt, dann aber aufgrund umfangreicher Sparmaßnahmen auf 2014 verschoben.

Dass jetzt schon der Grundstein gelegt wird, deutet auf eine zwischenzeitliche Beschleunigung des Projekts hin. Auch bei den Kosten hat sich einiges getan: Die für das 200 Meter lange, 120 Meter breite und inklusive Kuppel 70 Meter hohe Gebäude zunächst genannten 500 Millionen Euro reichen nicht mehr aus. Inzwischen wird mit 590 Millionen Euro gerechnet. Rund 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden sollen aus Spenden kommen. Für die vollständige Rekonstruktion der historischen Kuppel und anderer Extras sollen weitere 28,5 Millionen an Spenden zusammenkommen. Die Spendenfreude hält sich bislang in Grenzen. Die Organisatoren bauen aber darauf, dass, wie bei der Dresdener Frauenkirche, das Geld strömt, wenn der Bau sichtbar emporwächst.

Ein Zwitter aus Alt und Neu

Laut der jüngsten Meldung der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum steht das Spendenbarometer jetzt bei 26 Millionen Euro, davon sind etwa zehn Millionen schon auf dem Konto. Rund 20 Prozent der benötigten Spenden seien eingeworben, heißt es. Zuletzt wurde Kritik laut, dass anonyme Gönner Spenden für das öffentliche Bauvorhaben zweckgebunden erteilen, beispielsweise für die vom Bundestag nicht bewilligte Kuppel. Vor wenigen Tagen entschied der Haushaltsausschuss, dass Gelder vorrangig der Fassade zukommen sollen. Wie die Schlossrekonstruktionen in Potsdam, Braunschweig und Hannover wird auch das Berliner Schloss ein Zwitter aus Alt und Neu: außen barock – innen modern. Doppelgesichtig ist auch der Grundstein. Er setzt sich aus einem historischen Fragment des Schlosses und einer neuen Ergänzung zusammen. Eingebaut wird er an einer neuralgischen Stelle: dem Portal IV. Dieses wird künftig in Berlin doppelt existieren.

Bereits 1950, als das Schloss auf Anordnung des SED-Generalsekretärs Walter Ulbricht, gesprengt wurde, entstand die Idee, das sogenannte „Karl-Liebknecht-Portal“ zu retten. 1963 flossen originale Bildhauerelemente ins benachbarte Staatsratsgebäude ein. Vor dem Balkon des IV. Schlossportals hatte der Sozialistenführer am 9. November 1918 auf einem Auto stehend die „Sozialistische Republik“ ausgerufen. Bauteile des Portals, die keinen Eingang ins Staatsratsgebäude fanden, werden jetzt für die Rekonstruktion des Tores im Schloss verwendet. Das Portal ist aber nicht nur als einstiger Schauplatz revolutionärer Geschehnisse bedeutsam, sondern auch, weil es über zwei Jahrhunderte hinweg eine zur Stadt hin offene Stelle war. Durch das Lustgartenportal spazierten im 18. und 19. Jahrhundert Berliner in Gehröcken und Miederkleidern. Das Portal IV soll künftig wieder ein stark frequentierter Zugang sein.

Nach Angaben von Herman Duquesnoy, Projektmanager im Büro des Schloss­architekten Franco Stella, wird im rekonstruierten Bau ein „sehr techniklastiges Museum“ entstehen. Einzelne Veranstaltungsräume in dem sogenannten Humboldtforum sollen bis zu 1000 Besucher fassen. Rolltreppen werden Stockwerke ähnlich wie in Kaufhäusern verbinden. 50 Ingenieure und Architekten aus zehn verschiedenen Nationen arbeiten derzeit im Büro Stella auf Hochdruck an der Umsetzung der Pläne. Wie ein Phönix soll dieses Schloss jetzt wiedererstehen – und doch ganz anders werden.

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