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16:38 05.12.2016
17.11.2016 Orten in den Landkreisen Gifhorn und Uelzen, die demnächst an der Autobahn 39 liegen werden. Wir sprechen mit Befürwortern und Gegnern. Katrin Loock, Günter Lambrecht Foto:VillegasIn Jembke (Kreis Gifhorn) protestieren Karin Loock und Günter Lampbrecht gegen den Bau der A39 in ihrer Nachbarschaft Quelle: Villegas
Jembke

Olaf Hillmer ruft auf seinem Bildschirm eine Landkarte auf. „Hier wohne ich“, deutet er auf einen Punkt westlich der Gemeinde Suhlendorf (Kreis Uelzen). Und die A 39? Der Finger wandert Richtung Westen. „Die wird keine eineinhalb Kilometer vor meinem Wohnzimmerfenster liegen.“ Irgendwo dort, wo jetzt noch Felder sind, soll in ein paar Jahren die Autobahn verlaufen, die Lüneburg und Wolfsburg verbinden wird. Hillmer weiß, dass die Heideautobahn, wenn sie denn erst einmal fertig ist, ständige Geräusche mitbringen wird. Auch der Lkw-Verkehr auf der benachbarten B 71 werde mehr werden, sagt der Elektro-Installateur. Aber das nehme er in Kauf. „Ich hätte die A 39 lieber heute als morgen“, sagt Hillmer. Denn derzeit müsse er mindestens 60 Minuten fahren, um eine Autobahnabfahrt zu erreichen – egal in welche Richtung.

Es ist Bewegung in die jahrzehntelange Debatte um die A 39 gekommen. Im August wurde die Strecke in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und auch die Finanzierung sei gesichert, hieß das Signal aus Berlin und Hannover. Ab 2018 soll der erste Abschnitt bei Lüneburg gebaut werden, in etwa zehn Jahren dann die gesamte Strecke fertig sein. Die 108 Kilometer lange Trasse wird dann den derzeit noch größten autobahnfreien Landstrich Deutschlands durchschneiden.

Nicht nur Hillmer, auch andere Handwerker in dem Ort wie Tischler Dirk Henkmann freuen sich auf die Autobahn – auch mit Blick auf die Chance, junge Leute im Dorf zu halten. „Die meisten hier sind dafür“, sagt Suhlendorfs Bürgermeister Hans-Heinrich Weichsel. Bereits 1999 hatte die Gemeinde ein Gewerbegebiet ausgewiesen in der Hoffnung auf die Autobahn, die dann erst mal doch nicht kam. Nur zwei Firmen haben sich bislang auf dem fünf Hektar großen Gebiet eingefunden, Weichsel hofft jetzt auf mehr.

Doch nicht überall werden mit der A 39 Hoffnungen verbunden. Günter Lampbrecht steht zwischen Jembke und Tappenbeck (Kreis Gifhorn). Vor ihm liegen Wiesen und Felder, eine Baumreihe markiert den Verlauf der Bundesstraße. Doch Lampbrecht sieht an dieser Stelle Beton, Wände, Flutlichtmasten und Parkplätze. „Das hier wird eine Drehscheibe für Lkw“, sagt der Rentner. Genau zwischen den beiden Dörfern soll eine Tank- und Rastanlage mit weit über 100 Lkw-Stellplätzen entstehen. Die Anwohner fürchten Belästigung durch Licht, Lärm und Kriminalität.

Die Rastanlage hat die Stimmung gekippt, sagt Susanne Ziegenbein, Bürgermeisterin der 2000-Seelen-Gemeinde Jembke. 2009 hatte der Jembker Rat noch die Planungen zur A 39 begrüßt. Damals wie heute verstopften zweimal am Tag Pendler auf dem Weg ins oder aus dem VW-Werk in Wolfsburg die Hauptstraße des Ortes, man hoffte auf Entlastung. Doch dann wurde die Sache mit der Rastanlage öffentlich. Bei einer Umfrage im Ort befürworteten 2012 noch 58 Prozent die Autobahn, aber gleichzeitig lehnten 82 Prozent die Rastanlage ab. Kurz danach verfasste auch der Jembker Rat eine Resolution gegen die Autobahn.

In der gesamten Region Braunschweig wird das Projekt aber begrüßt: Laut einer Forsa-Umfrage der Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2014 sind 70 Prozent für den Bau der A 39. 31.500 Fahrzeuge täglich werden laut Prognose des Bundes im Jahr 2030 auf der A 39 erwartet. Das soll auch den Autobahnen 7 und 2 Entlastung bringen.

Jembkes Bürgermeisterin Ziegenbein kennt diese Argumente, und sie will keine Politik nach dem St.-Florians-Prinzip machen: Hauptsache, die Autobahn wird woanders gebaut. „Was nutzt es denn, wenn jemand anderes betroffen ist“, fragt sie. Man merkt, dass sie für alle Argumente offen bleiben will, aber die Rastanlage, die Emotionen in der Debatte und geplatzte Versprechen zu Radwegen über und Tunnel unter der Autobahn haben sie ernüchtert. Sie könne nicht vorhersehen, ob die Autobahn dem Ort langfristig mehr nutzen oder mehr schaden werde, sagt Ziegenbein. „Wir müssen jetzt halt damit leben. Wir haben unser Bestes versucht.“

Sehr lange wird aber wohl erst mal nichts passieren. Erst im Jahr 2020 soll für die mittleren Abschnitte bei Uelzen die Planfeststellung beginnen. Bis die A 39 für den Verkehr freigegeben wird, dauert es noch mal Jahre. Eine lange Zeit. Und so trifft man entlang der Trasse auch immer wieder auf eine Haltung, die Befürworter wie Gegner eint: Es hat schon so oft geheißen, dass die A 39 bald komme – warten wir es mal ab.

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