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Panorama Gepanschte Krebsmittel in sechs Bundesländer geliefert
Mehr Welt Panorama Gepanschte Krebsmittel in sechs Bundesländer geliefert
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12:03 18.08.2017
Eine zu schwach dosierte Chemotherapie kann lebensgefährlich sein. Quelle: AP
Bottrop/Düsseldorf

Eine Chemotherapie muss richtig dosiert sein – das ist lebenswichtig für den Krebspatienten. Eine Horrorvorstellung, wenn die Dosierung nicht stimmt oder Wirkstoffe gar fehlen. Krebskranken, die ihre Medikamente von einer Apotheke in Bottrop bezogen haben, ist genau das passiert. Jahrelang soll Peter S., so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Chemotherapien und Antikörperinfusionen zu niedrig dosiert oder sogar ganz ohne Wirkstoff – mit Kochsalzlösung oder Glukose versetzt – verschickt haben. Bei den Krankenkassen habe er die volle Dosis abgerechnet. Seine „Alte Apotheke“ mit rund 90 Angestellten ist eine von rund 300 sogenannten Onkologie-Schwerpunktapotheken. Solche Apotheken verfügen über sterile Labore und versorgen Patienten individuell mit krebshemmenden Medikamenten. Die Mitarbeiter müssen speziell geschult sein.

Gesundheitskassen um 56 Millionen betrogen

Heraus kam der Skandal, weil zwei Mitarbeitern Unregelmäßigkeiten bei Dosierung und Abrechnung aufgefallen waren.Der 47-jährige Beschuldigte wurde bereits im November festgenommen, im Juli hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben. Der Apotheker soll in etwa 62 000 Fällen Krebsmedikamente massiv verdünnt und die Krankenkassen um 56 Millionen Euro betrogen haben. Er sitzt derzeit wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

Krebs-Skandal weitet sich auf sechs Bundesländer aus

Bislang schien der Fall auf Bottrop und wenige Arztpraxen im Ruhrgebiet beschränkt, doch nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ und des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv könnte die Zahl der mutmaßlich Betroffenen viel größer sein – und sich auf sechs Bundesländer ausdehnen.

Dem Bericht zufolge gehen die Ermittler bundesweit von rund 3700 Betroffenen aus. 37 Arztpraxen und Kliniken seien in den vergangenen fünf Jahren mit falsch dosierten Krebsmedikamenten beliefert worden. Die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Es gab allerdings auch je einen Abnehmer in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Saarland, in Sachsen und Niedersachsen. Allerdings wertete die Staatsanwaltschaft bisher nur die vergangenen fünf Jahre aus, denn nur sie sind für die Anklage relevant. Fälle davor wären verjährt. Damit könnte die Zahl der mutmaßlich betroffenen Patienten noch größer sein. Den Berichten zufolge hat der Apotheker seit 2005 mehr als 7300 Menschen mit den 49 Wirkstoffen, die sich derzeit auf der Liste der manipulierten Medikamente des Bottroper Gesundheitsamtes finden, beliefert.

Stiftung Patientenschutz fordert mehr Kontrolle

Angesichts des Skandals hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Apothekenüberwachung verschärft. In einem Erlass an die zuständigen Kreise und kreisfreien Städte heißt es, dass bei unangemeldeten Inspektionen insbesondere Personalkontrollen und die Herstellung von Infusionsarzneimitteln berücksichtigt werden müssen. Die Vorgaben sollen eine gleichmäßige Überwachung sicherstellen, teilte Laumann mit.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert zusätzlich eine Sammlung und stichprobenhafte Prüfung von Medikamentenrückläufern. „Es war überfällig, dass das Land NRW die Schwerpunktapotheken stärker kontrollieren will. Hier müssen die anderen Bundesländer umgehend nachziehen“, fordert Vorstand Eugen Brysch.

Von RND/dpa

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