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Geiselnehmer wollte Ärztepfusch medial anprangern

Leipzig Geiselnehmer wollte Ärztepfusch medial anprangern

Über drei Stunden hat ein Geiselnehmer am Dienstag Leipzig in Angst und Schrecken versetzt. Jetzt ist das Motiv bekanntgeworden: Der Mann wollte mediale Aufmerksamkeit, um einen vermeintlichen Ärztepfusch anzuprangern.

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Die Staatsanwaltschaft Leipzig wollte noch am Mittwoch Haftbefehl wegen Geiselnahme beantragen.

Quelle: dpa

Der Leipziger Geiselnehmer hat mit seiner Tat einen vermeintlichen Ärztepfusch anprangern wollen. „Er wollte eine möglichst große mediale Aufmerksamkeit für das ihm angeblich zugefügte Leid“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Ricardo Schulz, am Mittwoch. Der schwer kranke 41-Jährige habe ausgesagt, er sei fehlerhaft behandelt worden. „Deswegen liegt er wohl seit geraumer Zeit mit dem behandelnden Arzt im Streit.“

Der Mann hatte am Dienstag Kunden und Mitarbeiter einer H&M- Filiale dreieinhalb Stunden lang mit einer Pistole bedroht. Die Neun- Millimeter-Waffe war geladen. „Er hätte theoretisch neunmal schießen können“, sagte Schulz.

Der alleinstehende Leipziger sei tatsächlich schwer krank und leide seit langem an verschiedenen Erkrankungen des Skelettsystems. Deswegen soll der 41-Jährige Invalidenrentner sein. Dazu kam der vermeintliche Behandlungsfehler. Der Mann will laut Schulz keine andere Möglichkeit gesehen haben, „seinem Ärger und seiner Verbitterung Ausdruck zu verleihen“, als mit einer solchen Aktion. „Es ging ihm darum, Aufmerksamkeit zu bekommen. Um jeden Preis“, sagte der Behördensprecher.

Ob dem Geiselnehmer klar war, dass er seinen Opfern damit schweren psychischen Schaden zufügen könnte, konnte Schulz nicht beurteilen. Der Mann hatte anfangs mindestens 19 Geiseln in seiner Gewalt, einige davon aber zwischendurch laufen lassen. Am Ende hielt er noch neun Frauen und zwei Männer im ersten Obergeschoss des Modehauses mit der Waffe in Schach. Mit dem Mann sei gesprochen worden. Er habe dann die Pistole entladen, sie zu Boden gelegt und sich ergeben.

Die Staatsanwaltschaft wollte noch am Mittwoch Haftbefehl wegen Geiselnahme beantragen. Woher der wegen illegalen Waffenbesitzes Vorbestrafte die Pistole hatte, müsse noch geklärt werden, hieß es. Auf Geiselnahme stehen zwischen fünf und 15 Jahre Haft.

Die H&M-Filiale öffnete am Mittwoch wieder. Es herrschte wieder normaler Betrieb, fast als sei nichts gewesen. Die Modekette hatte Personal aus anderen Städten herbeigeholt. „Unser Fokus liegt weiter ganz klar darauf, unseren betroffenen Mitarbeitern eine bestmögliche Aufarbeitung zu ermöglichen“, sagte H&M-Sprecher Hendrik Alpen in Hamburg. Den Verkäufern werde psychologische Hilfe angeboten. Es sei ihnen freigestellt, ob sie zu Hause bleiben oder schon wieder zur Arbeit kommen wollen.

dpa

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