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Panorama Gaffer prügeln sich mit Polizisten
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00:15 11.07.2015
„Das kann ja wohl einfach nicht wahr sein“: Am Rande des Eisdielen-Unglücks griffen zwei Schaulustige zwei Polizisten an. Quelle: Bremervörder Zeitung
Bremervörde/Hannover

Als Feuerwehrleute und Polizisten einen Schaulustigen aufforderten, das Filmen des Unfallortes zu unterlassen, kam es zu dem Handgemenge, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Der Vorfall hat eine Diskussion ausgelöst, wie mit Gaffern an Unglücksorten umgegangen werden sollte.

Der Bremervörder Polizeisprecher ist fassunglos. „Das kann ja wohl einfach nicht wahr sein“, sagt Heiner van der Werp zur HAZ. Der Schaulustige, ein polizeibekannter 25-Jähriger, sei in der Nähe gewesen, als der Kombi einer Frau durch die Frontscheibe des Eiscafés Pinocchio gerollt war. Ein zweijähriger Junge und ein 65-jähriger Mann kamen dabei ums Leben, die Mutter des Jungen ist lebensgefährlich verletzt. Ihr Zustand sei stabil, erklärte van Werp. Ein schwer verletzter 59-Jähriger sei inzwischen ansprechbar.

Schon als die ersten Rettungskräfte eintrafen, filmte der Mann das Geschehen. Er ging immer näher ran, hielt sich auch nicht mehr an Absperrungen. „Da wurde es den Kollegen zu bunt“, sagte van der Werp. Der Mann habe die Rettungsarbeiten behindert, deshalb hätten Feuerwehrkräfte und Polizisten ihn aufgefordert, Abstand zu halten und nicht mehr zu filmen.

Daraufhin habe der 25-Jährige seinen Bruder angerufen. Die beiden begannen eine Diskussion mit zwei Polizisten, die dann schnell eskalierte. Es kam zu einer Rangelei, ein Polizist wurde dabei von dem 25-Jährigen in den Schwitzkasten genommen. Eine Brille ging zu Bruch, die Beamten wurden leicht verletzt.

Polizisten sind vom Verhalten schockiert

Gegen die Männer werde ermittelt, so van der Werp. Die Beamten seien schockiert von dem Verhalten. Dabei ist die Rangelei ein Einzelfall, das Gaffen ist es längst nicht mehr. „Es ist ehrverletzend und menschenunwürdig, dort zu filmen, wo Menschen im Blut liegen und um ihr Leben ringen“, kritisiert der niedersächsische Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff. Für die Polizei sei das ein Riesenproblem.

Rechtlich sind den Polizisten die Hände gebunden. Das Filmen oder Gaffen bei Unfällen ist nicht verboten. Die Grenze laufe ganz klar dort, wo die Arbeit der Einsatzkräfte behindert werde, sagt Schilff: „Das muss geahndet werden, und es können Bußgelder bis zu 5000 Euro ausgesprochen werden.“

Schilff, selbst Polizeihauptkommissar, schränkte ein, dass es sich bei den wirklich harten Gaffern, die die Arbeit der Einsatzkräfte behindere, um eine Minderheit handelt. Zum Alltag gehört heute für Polizei und Feuerwehr aber, dass Fotos und Videos oft schon Minuten nach Unfällen im Internet kursieren.

Um solche Situationen zu verhindern, haben einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Bremen Sichtschutzwände angeschafft. Niedersachsen bisher nicht.

Keine Mängel an Wagen festgestellt

Das Auto der Unglücksfahrt von Bremervörde ist nach einer vorläufigen Begutachtung in intaktem Zustand gewesen. "Es sieht so aus, dass keine Mängel vorlagen", sagte Polizeisprecher Heiner van der Werp am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Das betreffe auch die Bremsen des Wagens, der am Sonntagabend in eine Eisdiele gekracht war. Ein zwei Jahre alter Junge und ein 65-Jähriger kamen ums Leben.

Die 59 Jahre Verursacherin des Unfalls äußerte sich bisher nicht. Für Donnerstag ist zum Gedenken an die Opfer eine Andacht in der St.-Liborius-Kirche in der Stadt im Landkreis Rotenburg geplant.

Innenminister Pistorius will Fotos von Unfallopfern verbieten

Als Konsequenz aus den Erfahrungen bei einem Unfall in Bremervörde will Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius das Fotografieren und Filmen von Unfallopfern verbieten. "Wir brauchen dringend einen entsprechenden Straftatbestand", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Hannover. Nach der Sommerpause will Pistorius einen Gesetzentwurf vorlegen, der dann in den Bundesrat eingebracht werden soll. Pistorius sagte, er finde es zutiefst abstoßend, wenn Gaffer mit ihren Handys Verletzte oder gar Halbtote aufnehmen würden, um sich damit im Netz zu profilieren. Außer der Presse habe niemand das Recht, Aufnahmen von Opfern zu machen.

Am vergangenen Sonntag war in Bremervörde ein Auto in eine Eisdiele gefahren. Dabei waren ein 2 Jahre alter Junge und ein 65-Jähriger ums Leben gekommen. In der Folge war es zu massiven Rangeleien zwischen Polizei und Gaffern gekommen, die Fotos von Opfern machten. dpa

Von Heiko Randermann und Helmut Reuter (mit: dpa)

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