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Panorama Mit Herz, ohne Schnauze
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20:26 06.02.2014
Von Alexander Dahl
„Kompetent in allen Lebenslagen“: Wer in Berlin Taxi fährt, soll sich künftig im Wagen richtig wohl fühlen. Quelle: dpa
Berlin

In Berlin bedeutet Kundenfreundlichkeit, dass der Kunde freundlich zu sein hat“, stichelte schon der Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Das passt zu einer Stadt, die sich ihrer rauen Herzlichkeit mit „Schnauze“ rühmt. „Das ist alles nicht bös’ gemeint; so wie man andernorts nur unter Kumpeln redet, so redet der Berliner eben mit jedem“, sagt Detlev Freutel vom Taxiverband Berlin. Das weiß nicht jeder, und das mag auch nicht jeder – und deshalb hat der Verband eine Freundlichkeitsoffensive für die Fahrer der 7600 Berliner Taxen gestartet.

Weil sich aber Freundlichkeit nicht per Appell einstellt, müssen die Taxifahrer zum Seminar. Zweimal fünf Stunden dauert die Schulung. Kosten: 40 Euro. Die ersten 60 haben die Prüfung bereits bestanden; sie dürfen einen Aufkleber „VIP Quality Taxi Service“ hinter die Windschutzscheibe kleben.

Themen im Seminar sind nicht nur gutes Benehmen, es geht laut Taxiverband auch um Verkehrsrecht; Stressabbau, oder Fahrstil. „Der Taxifahrer soll kompetent in allen Lebenslagen sein; die Ignoranz, man sehe den Fahrgast ja ohnehin nie wieder, muss aufhören“, sagt Freutel. Die Berliner Chauffeure lernen unter anderem, dass sich der Kunde den Sitzplatz aussucht, dass man das Fenster öffnet oder schließt, wenn der Fahrgast es wünscht oder auch die Musik leiser stellt. Muffige Fahrer, die morgens nicht geduscht haben, bei denen der Wagen vermüllt ist und die ihren privat-rabiaten Fahrstil pflegen, sollen weniger werden. „Wenn der Kunde besser gelaunt aussteigt als er eingestiegen ist, ist viel gewonnen“, meint Freutel.

Anlass, sich mehr um den Kunden zu bemühen, ist die härtere Konkurrenz in Berlin. Früher gab es den öffentlichen Nahverkehr und Taxen – sonst nicht. Jetzt können Kunden etwa auf Mietfahrräder, Mietwagen oder Teilautos ausweichen. „Da müssen wir besser werden, um die Fahrzeuge auszulasten“, sagt Hermann Waldner vom Taxi Funk Berlin, dem mit 5500 Taxen größten Anbieter. Wirklich schlecht, beteuert der Unternehmer, sei das Gewerbe aber nicht: Monatlich kämen etwa 20 Beschwerden von Kunden herein – bei etwa acht Millionen Taxifahrten in Berlin jährlich.
Dass es mit der Freundlichkeit in der Bundeshauptstadt dennoch hapert, haben auch andere gemerkt. Der Berliner Senat startete vor einiger Zeit die 200.000 Euro teure Kampagne „Herz & Schnauze“, die die Bediensteten in den Ämtern zu freundlichen Dienstleistern umerziehen soll. Und in den U- und S-Bahnen wurde angeordnet, dass die Aufforderung „Einsteigen!“ mit dem freundlichen Anhang „bitte“ versehen und nicht mehr barsch wie der Befehl eines preußischen Feldwebels herausgebrüllt wird. Harsche Sätze wie „Hey, wenn ick einsteigen sage, mein’ ich det ooch so!“ hört man jedenfalls nicht mehr.

Nicht jeder Berliner Taxifahrer eignet sich aber für Freundlichkeit: Von den etwa 8000 Fahrern sollen nur etwa zehn Prozent geschult werden. Aber etwas originale Ruppigkeit von der Spree kann ja auch ein touristisches Erlebnis sein.

Sie wollte endlich Klarheit – für diesen nachvollziehbaren Wunsch musste eine junge und schwangere Frau mit Prellungen, Brüchen und Lähmungen bezahlen. Seit Donnerstag müssen sich die Angeklagten wegen versuchten Mordes, versuchten Schwangerschaftsabbruchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

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