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07:48 10.06.2013
Ute Herbst (rechts) überreicht Meike Hillenbrand einen Zitronenkuchen für die Einsatzkräfte in Gartow. Quelle: Christian Link
Gartow

Nur abzuwarten, während andere für sie Deiche bauen, kommt für Meike Hillenbrand aus Gartow nicht in Frage. „Das sind ja fast alles freiwillige Helfer und sie sichern hier mein Haus“, sagt sie. Als sie von der dürftigen Verpflegung der an die Elbe geeilten Feuerwehrleute aus Stade gehört hatte, war sie daher völlig entsetzt. „Die hatten zunächst nur trockene Brötchen mit Wurst und dazu Schokoriegel – das geht doch nicht, wenn die hier nachts durcharbeiten“, befand die engagierte Erzieherin und stellte sich sofort selbst an den Backofen.

Mehr als 200 freiwillige Feuerwehrleute aus der Hansestadt waren am Mittwoch in Gartow angekommen. Dort richteten sie sich auf der Biogasanlage gegenüber dem „Haus am See“ ein. Hier lebt Hillenbrand mit ihrer Lebensgefährtin Margit Reineke. In ihrer heilpädagogischen Lebensgemeinschaft betreuen sie neun Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

Während die neuen Nachbarn Sandsäcke füllten, machte sich die Wohngruppe ans Kneten von etlichen Kilo Pizzateig. 18 Bleche backten Hillenbrand und ihre zehn Mitbewohner. „Mit nur einem Backofen haben wir leider nicht mehr hinbekommen, aber zumindest hatten wir für alle ein kleines Stück Pizza“, sagt sie.

„Wir sind richtig verwöhnt worden“, findet Zugführer Wilfried Sprekels von der Kreisfeuerwehrbereitschaft Stade. „Wir haben einen Vegetarier in der Truppe, für den wurde extra eine vegetarische Pizza gebacken“, erzählt er. Wegen logistischer Probleme habe es für die Feuerwehrleute am ersten Tag kein warmes Essen geben können. Die Feldküche des DRK hatte sich verspätet.

Schon am nächsten Tag sprach sich die Hilfsaktion für die Helfer in Gartow herum. „Es kamen ganz viele Leute vorbei und haben gefragt: Was braucht ihr? Was können wir machen?“, berichtet Hillenbrand. Bürger aus Gartow und Feriengäste backten Kuchen, kochten Kaffee, besorgten Erfrischungen oder spendeten Geld. „Jeden Tag kommen Leute vorbei und wollen uns helfen. Wir sind der Bevölkerung richtig dankbar“, sagt Zugführer Sprekels.

HAZ-Reporter Christian Link berichtet aus den Hochwassergebieten. Quelle: Burmeister

Diesen Dank richtet er auch an Ute Herbst. „Ich kann nicht schippen, mein Arm ist kaputt“, sagt die Gartowerin. Sandsäcke kann sie deswegen keine stopfen, dafür aber wenigstens die Mägen der Einsatzkräfte. „Meine Angst vor dem Hochwasser ist ganz groß. Darum will ich die Helfer unterstützen, die mich retten“, sagt sie und überreicht einen Zitronenkuchen an Hillenbrand. „Etwas Frisches gegen die Hitze“, ergänzt sie. Dann geht sie zu ihrem Auto und stellt auch noch Äpfel, Bananen sowie Schokolade auf den Büfetttisch an der Straße.

Die reich gedeckte Tafel bleibt noch eine Weile im Vorgarten von Meike Hillenbrand stehen. Mehrere Bierzeltgarnituren wurden bereits schon wieder abgebaut. „Hier wird es bald sehr nass“, erklärt Hillenbrand. Die Flutwelle hat Gartow nämlich bereits erreicht und droht einige Deiche zu überfluten – auch den neben dem „Haus am See“. „2002 sind wir trocken geblieben. Ich glaube, in diesem Jahr schaffen wir das nicht“, sagt sie.

Den Kopf lässt sie trotzdem nicht hängen. Ihr Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist ihre Lebensgefährtin Margit. Sie ist gerade im Nachbarort Vietze und hat dort mitgeholfen, eine vom Hochwasser bedrohte Wohnung leer zu räumen. Jetzt bräuchten die Helfer aber noch Sandsäcke, um das Haus abzudichten. „Ich versuche das hinzukriegen“, sagt Hillenbrand, legt auf und macht sich wieder ans Werk.

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