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Panorama Film zeigt Tod von "Gorch Fock"-Kadettin
Mehr Welt Panorama Film zeigt Tod von "Gorch Fock"-Kadettin
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00:16 06.04.2017
Was passierte in der fraglichen Septembernacht 2008 an Bord der „Gorch Fock“? Jenny Böken (links) – und Maria Dragus als Lilly Borchert im ARD-Spielfilm „Tod einer Kadettin“ mit einer Mütze des fiktiven Schulschiffs „Johann Kinau“, dem bürgerlichen Namen Gorch Focks.Fotos: dpa (4), NDR/UFA Quelle: Uwe Böken
Hannover

Natürlich wühlt es schlimme Erinnerungen auf, wenn der Tod des eigenen Kindes zur Vorlage für einen Spielfilm wird. „Aber für uns als Eltern ist das sowieso immer präsent“, sagt Marlis Böken. Ihre Tochter Jenny ging im September 2008 über Bord des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ und starb - in der Nacht zu ihrem 19. Geburtstag. Der NDR zeigt dazu Mittwochabend im Ersten einen Spielfilm und eine Dokumentation.

Jennys Eltern, beide 59 Jahre alt und Lehrer, haben den Film vorab in Hamburg ansehen können. „Er ist hervorragend gemacht“, meint Uwe Böken. Vielleicht, so hofft er, melden sich Zeugen nach der Ausstrahlung und liefern die entscheidenden Hinweise zum Tod seiner Tochter. Denn viele Fragen seien auch nach mehreren Gerichtsverfahren offen geblieben.

Unfall- oder Mobbingopfer?

Jenny wollte Ärztin werden und hatte sich nach dem Abitur im Sommer 2008 für den Sanitätsdienst bei der Marine verpflichtet. In der fraglichen Nacht war die noch unerfahrene Kadettin als Wachposten auf der „Gorch Fock“ eingesetzt. Ihre Meldung, die sie halbstündlich absetzen musste, blieb um 23.30 Uhr aus. Dann soll ein Schrei gehört worden sein. Um 23.43 Uhr wurde ein „Mann über Bord“-Manöver eingeleitet, erst nach elf Tagen wurde Jennys Leiche nordwestlich von Helgoland gefunden.

Was war passiert? Die Staatsanwaltschaft nahm später einen Unfalltod durch Ertrinken als am wahrscheinlichsten an. Jennys Eltern dagegen haben immer wieder auf Widersprüche in den Ermittlungen hingewiesen. Sie glauben an einen bösen Scherz unter den Kadetten, an Mobbing, das eskaliert sein könnte. Denn warum war kein Wasser in der Lunge der tot aus der Nordsee geborgenen jungen Frau? Die Eltern vermuten, dass die 18-Jährige bereits tot war, als sie ins Wasser stürzte.

Der Spielfilm, der sich mit Jennys Tod beschäftigt, hat in der Truppe wenig Begeisterung ausgelöst. Die in dem Drehbuch dargestellte Handlung hat dem Vernehmen nach Kopfschütteln bei der Marine ausgelöst. Die Darstellung des Dienstes und der Abläufe an Bord habe streckenweise kaum Bezug zur Realität. „Wir haben nichts zu verbergen. Der Unfall wurde von uns und auch von der Staatsanwaltschaft untersucht“, sagt Johannes Dumrese, Sprecher des Marinekommandos. Der Kapitän wehrt sich gegen den Vorwurf des Regisseurs, eine Kooperation verweigert zu haben. „Wir waren mit den Filmemachern im Gespräch und haben den Dokumentarfilm natürlich unterstützt.“

Weil die „Gorch Fock“ seit Monaten in der Werft liegt, stand sie für die Dreharbeiten nicht zur Verfügung. Deshalb habe man dem Fernsehteam die Marineschule als Drehort für die Ausbildungsstätte angeboten. „Dort wurde auch gedreht“, sagt Dumrese.

Stiftung für Hinterbliebene

Jennys Eltern in Geilenkirchen betonen im Gespräch mit der HAZ, sie hätten nichts gegen die Marine und erst recht nichts gegen die „Gorch Fock“. „Wir haben aber etwas dagegen, wenn aktiv gemauert wird“, sagt Uwe Böken, der gerade begonnen hat, ein Buch zu dem Thema zu schreiben. Die Ungereimtheiten, die ihm unter anderem in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgestoßen sind, hat er auch auf der Internetseite www.jenny-boeken.de aufgelistet.

Gemeinsam mit Marlis Böken kümmert er sich über die „Jenny-Böken-Stiftung“ um Hinterbliebene im Dienst gestorbener Soldaten; die beiden haben sie mit dem Geld aus Jennys Lebensversicherung gegründet. Die Ehe ist nach dem Tod der Tochter und wenig später einem schweren Autounfall Marlis Bökens mit dem jüngeren Sohn zerbrochen. Das gemeinsame Anliegen aber bleibt, wie Jennys Mutter hervorhebt. Auch bei den erfolglos ausgegangenen Prozessen sei es nie um finanzielle Entschädigung gegangen oder darum, einen Schuldigen vor Gericht zu bringen, sagt Marlis Böken: „Wir wollen nur wissen, warum Jenny nicht mehr lebt.“

Gabriele Schulte und Frank Behling

Darum geht es im Film

Als sich Lilly Borchert im Abspann abwendet, blenden diese Zeilen auf: „Dieser Spielfilm ist inspiriert von einer wahren Geschichte. Er erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Geschehnisse authentisch wiederzugeben.“ Das Drama „Tod einer Kadettin“ von Grimme-Preisträger Raymond Ley ist der Versuch, mit dem Streben und Sterben von Lilly Borchert das Schicksal der Kadettin Jenny Böken nachzuzeichnen. Doch als Spielfilm muss er eine Paraphrase sein – die Wahrheit bleibt im Nebel.

Für Aufsehen sorgte, dass Bökens Eltern die Rechte an dieser Geschichte an das Filmunternehmen Ufa verkauften, basierend auf ihrer Schilderung in Dana Kujacinskis Buch „Unser Kind ist tot“. Daran orientierte sich das Ehepaar Hannah und Raymond Ley für das Drehbuch und den Film. So verfolgt der Journalist Hartmut Kerber (Miroslaw Baka) an Bord nur vordergründig das Ziel, den Tod aufzuklären. Vielmehr arbeitet sich der Film am Marinemilieu ab. Hier herrscht demnach Schlimmeres als ein raues Klima. Hier zählt Stärke mehr als Verständnis. Unter dem Deckmantel der Teamarbeit dominieren erbarmungslose Disziplin und Schikane, es gibt frauenfeindliche Sprüche und sexuelle Übergriffe. Niklas Wieczorek
„Tod einer Kadettin“ | ARD: Mittwoch, 20. 15 Uhr
, anschließend: 

„Der Fall ,Gorch Fock‘ –
Die Geschichte
der Jenny Böken“
, Dokumentation, 
21.45 Uhr     

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