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Panorama Dem Feinkosthersteller Homann laufen die Arbeiter davon
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06:30 02.11.2017
„Gewerbe kriegen wir da nicht mehr rein“: Die alten Gebäude von Homann in Dissen. Quelle: Hermann Pentermann
Dissen

„Eigentlich wollen wir nur unsere Ruhe“, sagt der Homann-Mitarbeiter. Er lächelt nicht. Und seinen Namen will er natürlich auch nicht nennen. Er wirkt sehr ernst. „Wir wollen nur eins: zwei Jahre noch in Ruhe arbeiten. Dann sehen wir weiter.“

Das Städtchen Dissen am Teutoburger Wald fällt ein bisschen aus dem Rahmen. Wo immer in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten große Firmen zugemacht haben, brannte die Luft. Es gab Proteste, Demos, Durchhalteparolen. Und wenn klar war, dass der Prozess nicht aufzuhalten sein würde, wurde der Weltuntergang beschworen, zumindest vorübergehend: Jobs weg, Geld weg, Wirtschaft kaputt, Lichter aus. Nicht so in Dissen.

Es gibt Alternativen

Dort gab es auch viel Aufregung, als sich im Mai abzeichnete, dass das traditionsreiche örtliche Werk des Feinkostherstellers Homann 2020 geschlossen werden würde. Aber Weltuntergang? Rundherum erweitern Unternehmen und möchten dafür Fachkräfte von Homann einstellen. Die Kommune kann sich außerdem über mangelnde Anfragen ansiedlungswilliger Firmen nicht beklagen. Gekniffen ist derzeit wohl eher das Unternehmen Homann beziehungsweise der Müllermilch-Mutterkonzern: Ihm laufen die Arbeitskräfte in Dissen vor der Zeit weg.

Nein, die Geschichte war nicht schön. Sehr lange hatte der Konzern mit der Stadt Dissen und dem Landkreis über den Bau einer neuen Fabrik nahe der Autobahn 33 verhandelt, die Kommune hatte sich auch nicht lumpen lassen und eigens 20 Hektar Gewerbegrundstück gekauft und freigeräumt. Aber plötzlich versiegten die Gespräche, und dann kam Müllermilch mit dem Knaller um die Ecke: Die Homann-Werke in Dissen (1000 Jobs) und Lintorf (bei Bad Essen, 200 Jobs) werden dichtgemacht, das gleiche Schicksal trifft die Produktionsstätten Bottrop und Floh-Seligenthal in Thüringen. Eine neue Fabrik sollte es schon geben, aber im sächsischen Leppersdorf - da sind die Arbeiter und die Grundstücke billiger zu haben.

Sprich: Niedersachsen werden 1200 Stellen verloren gehen. Gespräche auf höchster Ebene in der Staatskanzlei brachten nichts als versteinerte Gesichter. Wenn Vertreter von Kommunal- und Landespolitik später unter sich waren, fielen Sätze wie: „Die haben uns einfach verarscht.“

Das möchten die Mitarbeiter, die derzeit noch für Homann arbeiten, vermeiden. Deswegen sind sie oft schweigsam, sie wollen niemanden reizen - auch wenn es im Internet Müllermilch-Joghurt-Boykottaufrufe gegeben hat. Der Betriebsrat jedenfalls gibt keine offizielle Stellungnahme ab.

„Alle werden unterkommen“

Unter der Hand ist aber zu erfahren, dass von den 1000 Dissener Homännern nur sehr wenige das Angebot annehmen werden, nach Leppersdorf umzuziehen. Die älteren setzen darauf, eine gute Abfindung zu bekommen, die jüngeren auf Firmen aus der Gegend: Der Tiefkühlbäcker Coppenrath und Wiese im nahen Mettingen sucht gut ausgebildete Leute, der Süßigkeiten-Hersteller Storck im noch näheren Halle/Westfalen, einer der zehn größten Bonbonproduzenten der Welt, will erweitern und braucht 1700 Leute - passenderweise exakt dann, wenn Homann in Dissen schließt. „Hier werden alle unterkommen“, sagt einer, der sich mit dem robusten Arbeitsmarkt in der Gegend auskennt.

Rund 100 Arbeitnehmer haben bereits anderweitig unterschrieben: Homann zahlt eine Bleibeprämie für Leute, die bis zum Ende in Dissen arbeiten, aber bei begehrten Fachleuten zieht das offenbar nicht. Vor allem junge Menschen gehen - was dazu führt, dass Homann in Engpässe gerät. Ein Firmensprecher nennt die Lage „herausfordernd“.

Was tun mit den Gebäuden?

Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann (SPD) wirkt ganz entspannt. Er macht sich keine Gedanken über Massenarbeitslosigkeit, er überlegt, was mit den alten Homann-Gebäuden, mehrere davon marode und zwei unter Denkmalschutz, mitten im Ort geschehen soll: „Gewerbe kriegen wir da nicht mehr rein, wegen der Wohnbebauung“, sagt er. Realistisch seien Dienstleister, Büros, IT-Technik. Nümann führt auch Gespräche ohne Ende mit Firmen, die an den Gewerbeflächen an der A 33 interessiert sind: „Kleine und mittlere Betriebe, was ja eine gute Risikostreuung bedeutet.“

Also alles okay? „Nein“, sagt Nümann. „Wir sind hier immer noch zornig.“ Weil Homann getrickst hat? „Nicht wegen Homann, sondern weil die uns das Krankenhaus zugemacht haben.“ Das war 2015, im April: Das Land hatte festgestellt, dass es Betten-Überkapazitäten im Osnabrücker Land gibt, und sich für die Klinik in Georgsmarienhütte und gegen die in Dissen entschieden. Das ist bis heute der Aufreger in der Stadt.

Von Bert Strebe

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