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Panorama Feiner Zug
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09:28 20.01.2018
Dieser Zug soll Kundschaft ziehen: Weil die Entfernungen zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz immer länger werden, sollen Bahnpendler ein möglichst komfortables Fahrerlebnis haben. Quelle: Agnieszka Krus
Frankfurt am Main

Bei 120 km/h auf der Autobahn fällt gleichzeitiges Schachspielen schwer. Für die Bahn ist das seit Jahrzehnten ein Wettbewerbsvorteil: Denn Bahnzeit ist Nutzzeit, Autozeit ist es nicht. Mit der Serienproduktion von autonom fahrenden Autos könnte sich das allerdings ändern.

Dann wäre das Auto nicht nur schneller, agiler und pünktlicher, sondern zusätzlich auch nützlicher. Jeder könnte unterwegs endlich tun, was er will, und alles Lästige zurücklassen – schreiende Kinder, den Mann, der die Bahn-WC-Tür offen stehen lässt, die lauten, sektreichen Junggesellenabschiede im Abteil.

Schon jetzt nutzen laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung 68 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland lieber das Auto als die Bahn – bei Anfahrten zwischen 25 und 50 Kilometern sogar 84 Prozent.

Entspannung und Entertainment: Wer auf dem Weg zur Arbeit schwitzen will, kann eins der beiden Spinning-Bikes benutzen. Wer lieber abschalten will, dem stehen Spielekonsolen oder Schlafnischen zur Verfügung. Quelle: Agnieszka Krus

Der Gegenangriff der Bahn steht in einer Industriehalle bei Frankfurt: Der Ideenzug, der modellgewordene Kundenwunsch. 27 Meter lang, fünf Meter hoch, drei Meter breit. Das entspricht den Maßen doppelstöckiger Regionalzüge. Denn im Regionalverkehr sollen Komponenten des Ideenzugs später eingesetzt werden, hier sitzen die meisten Pendler, im Schnitt anderthalb Jahre ihres Lebens. Und weil die Wege zur Arbeit seit Jahren länger werden, ist die Tendenz steigend.

“Also haben wir unsere Kunden gefragt, was sie sich wünschen – und was sie davon abhalten würde, mit dem Auto zu fahren“, sagt Carsten Hutzler, der Projektleiter des Ideenzugs. Das Ergebnis sind 22 einzelne Module – die unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier die Spinning-Bikes für Fitnesspendler, ein Stockwerk darüber die Panoramafront, in der weniger sportbegeisterte Fahrer aus dem Fenster schauen und sinnieren können. Hier Schlafkabinen für Workaholics, drei Meter weiter das Gaming-Modul mit Playstation.

“Wir müssen wieder sexy werden“

Welche dieser Module am Ende tatsächlich für eine Umsetzung geeignet sind, erhebt die Bahn gerade mit einem ganzen Wust an Kundentests. In Gruppen führt sie ihre Fahrgäste und fordert Feedback. “Zum Beispiel fehlen an vielen Stellen noch Garderobenhaken und Gepäckablagen“, so Hutzler, “die haben wir bei der Planung schlicht nicht mitgedacht.“

Auch die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden will die Bahn nun testen: Wie viel ist Pendlern ein ruhiger Arbeitsplatz wert, wie viel die Zeit in der Yogakabine? Die bisherigen Ergebnisse pendeln zwischen 5 und 10 Euro. Hutzler: “Unsere Hoffnung ist, dass Arbeitgeber bei den entsprechenden Angeboten Bahnzeit als Arbeitszeit werten und sich finanziell beteiligen.“

„Wir haben unsere Kunden gefragt, was sie sich wünschen“: Carsten Hutzler, Projektleiter des Ideenzugs. Quelle: Agnieszka Krus

Fest steht bereits jetzt: Einen solch opulenten Zug wie in der Lagerhalle bei Frankfurt wird es auf den Gleisen nie geben. Stattdessen sollen je nach Strecke bestimmte Module zum Einsatz kommen – abhängig von der Fülle der Züge, der Länge der Strecke und der jeweiligen Pendler-Klientel.

Zumal: Die Bundesländer entscheiden darüber, welche Kriterien ihre Nahverkehrszüge erfüllen müssen – und schreibt dann Strecken aus. “Also müssen wir erst einmal die Länder davon überzeugen, dass die Bahn nachlegen muss, wenn sie mit autonom fahrenden Autos mithalten will“, sagt Carsten Hutzler.

Er und die anderen Teammitglieder – sie alle hoffen darauf, das sagen sie immer wieder, während sie durch den Modellzug führen. “Bei Kunden und in den Medien – wir stehen so oft in der Kritik“, so Hutzler weiter. “Wir müssen endlich wieder sexy werden.“

Mehr erfahren: Einen ausführlichen Multimedia-Rundgang durch die verschiedenen Bereiche des Ideenzugs finden Sie unter storytelling.rnd.de/ideenzug

Von Julius Heinrichs

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