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00:15 16.08.2015
Nachdem in den vergangenen Jahren Stellen gestrichen wurden, zieht Englands Polizei Konsequenzen aus dem Sparkurs: Die Ordnungshüter klären nicht mehr alle Verbrechen auf. Quelle: Federico Gambarini/dpa
London

Einbruch im Haus? Wertsachen weggekommen? Da muss sich die Polizei erst mal kundig machen. Nicht welche Wertsachen es waren, und ob die Einbrecher Spuren hinterlassen haben, will man als erstes auf der Wache wissen. Sondern ob der Hilferuf aus einem Haus mit einer geraden Nummer kam oder einer ungeraden: Davon hängt ab, ob dem Bestohlenen geholfen wird.

Ein schlechter Scherz? Nicht in der englischen Grafschaft Leicestershire, wo jetzt in einer dreimonatigen Testphase nach diesem Prinzip verfahren wurde. Rief zum Beispiel jemand aus Nummer 5 Elm Road an, vermerkte die Polizei die Meldung lediglich im Polizei-Computer. Kam der Anruf aber aus Nummer 6 Elm Road, schickte man ein Team zu den Anrufern – und kümmerte sich um Fingerabdrücke, mögliche Spuren, die Details des Einbruchs vor Ort.

Opfer sind empört

Die Pechvögel mit den ungeraden Hausnummern fanden diese Praxis begreiflicherweise "empörend". Leicestershires Ordnungshüter aber zuckten nur die Schultern. Die drastischen Einsparungen der vergangenen Jahre hätten sie dazu gezwungen, sich neue Formen der Arbeitsbewältigung einfallen zu lassen, erklärten die Verantwortlichen.

In der Tat hat Englands Polizei nach eigenen Angaben in den letzten vier Jahren ein Viertel ihrer Ressourcen und Zehntausende von Jobs verloren. Für die nächsten Jahre wird eine ähnliche Einbuße befürchtet. Darum soll die Sache mit den geraden und ungeraden Hausnummern in weiteren fünf Grafschaften des Königreichs "probeweise" durchexerziert werden – egal, was Bürger von diesem System halten.

"Do-it-yourself"-Aufklärung

Und es ist nicht die einzige Art und Weise, mit der die Polizei dem kontinuierlichen Abbau des Polizeiapparats auf der Insel zu begegnen sucht. Einbruchs­opfer sollen generell "aktiver" werden. Sie sollen sich selbst als Detektive betätigen vor Ort. Einem amtlichen Bericht zufolge ist "Do-it-yourself"-Aufklärung schon gang und gäbe vielerorten.

Manche Polizeistellen fordern zum Beispiel Anrufer mit aufgebrochenen Autos auf, selbst nach Hinweisen auf die Täter zu forschen. Die Opfer sollen herausfinden, ob es in der Gegend Überwachungskameras gibt. Sie sollen außerdem ihre Nachbarn "interviewen" – und spezielle Webseiten für Gebrauchtwaren nach dem gestohlenen Eigentum durchgehen.

Von Peter Nonnenmacher

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