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Panorama Ende der Bombenfunde nicht in Sicht
Mehr Welt Panorama Ende der Bombenfunde nicht in Sicht
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16:04 27.09.2014
Immer wieder tauchen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg auf und müssen entschärft werden. Quelle: dpa
Hannover

Fast im Wochenrhythmus müssen in Niedersachsen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden, wie jetzt wieder in Osnabrück. Die Bombenfunde scheinen kein Ende zu nehmen. Rund 20 Stück wurden in diesem Jahr schon unschädlich gemacht. Viele Bomben liegen aber unentdeckt noch unter der Erde. Jeden Moment könnte eine von ihnen explodieren, sagt der Dezernatsleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen, Thomas Bleicher, in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Bei den zahlreichen Bombenfunden in letzter Zeit, können Sie da überhaupt noch ruhig schlafen?
Antwort: Die Bergung und Beseitigung von Blindgängern ist die Hauptaufgabe des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Dass es im Moment eine Konzentration an Funden gib, liegt einfach daran, dass wir derzeit eine stark florierende Bautätigkeit in Niedersachsen haben. Dadurch werden proportional auch mehr Kampfmittel gefunden. Aber wir können natürlich trotzdem ruhig schlafen, weil es unser alltägliches Geschäft ist.

Wissen Sie, wie viele Bomben in Niedersachsen noch unter der Erde liegen?
Antwort: Nein, denn die Engländer und Amerikaner haben uns noch nicht genau verraten, wie viele sie abgeworfen haben, wie viele davon tatsächlich Blindgänger sind und wir wissen auch nicht, was die alliierten Streitkräfte in den ersten Jahren nach dem Krieg schon beseitigt haben. Außerdem haben unsere Urgroßväter auch nicht alles dokumentiert. Aber wir müssen schon davon ausgehen, dass wir noch mehrere Jahrzehnte in der Kampfmittelbergung tätig sein müssen.

Sie als Dezernatsleiter sitzen zumeist im Büro, wann waren Sie denn das letzte Mal selbst in einer Grube?
Als Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes koordiniere ich die Einsätze. Das letzte Mal vor Ort im Einsatz war ich natürlich in Seelze. Aber ich entschärfe die Bomben nicht selber, dafür haben wir sieben Sprengmeister im Einsatz.

War der Einsatz in Seelze, bei dem kürzlich eine 1,8 Tonnen schwere Bombe entschärft und 14 000 Menschen evakuiert werden mussten, auch Ihr bisher spektakulärster?
Seit meiner Zeit als Dezernatsleiter war der Einsatz in Seelze der bisher größte Kampfmittelfund, aber nicht die schwierigste Situation. Schwierig wird es für uns, wenn wir nicht entschärfen können, sondern sprengen müssen. Spektakulär war beispielsweise im letzten Jahr die Bombensprengung in der Altstadt Hannovers.

Haben Bombenentschärfer auch Angst?
Angst darf man in diesem Beruf nicht haben. Man muss Respekt haben, Respekt vor der Gefahr.

Wie gefährlich sind Entschärfungen denn tatsächlich? Das etwas passiert, wie beispielsweise in Göttingen vor vier Jahren, als drei Menschen ums Leben kamen, kommt eher selten vor.
Vorbereitung ist alles. Die Sprengmeister analysieren vor Beginn der Entschärfung genauestens das vorliegende Zündsystem, überlegen, welche Werkzeuge zum Einsatz kommen und wenn die Gefahr dennoch zu groß ist, muss eben gesprengt werden. Die Bombe damals in Göttingen ist noch vor der eigentlichen Entschärfung explodiert. Es hat sich um eine Selbstdetonation gehandelt, das kann theoretisch immer passieren, wenn ein Langzeitzünder eingebaut ist. Nach Göttingen haben wir unser Vorgehen nicht geändert, aber wir versuchen, die Zeit in der sich Personen im Gefahrenbereich aufhalten, möglichst kurz zu halten.

Zur Person

Thomas Bleicher ist seit 2006 Dezernatsleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen. Er koordiniert sieben Einsatzteams. Vor seiner Anstellung als Dezernatsleiter war der 54 Jahre alte Bleicher Einsatzleiter bei der Bereitschaftspolizei Hannover.

dpa

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