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Panorama Waschbär soll zurückgedrängt werden
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10:24 04.10.2016
Allesfresser ohne natürliche Feinde in Niedersachsen: Der Waschbär breitet sich immer stärker aus, deshalb soll er zurückgedrängt werden. Quelle: Peter Steffen/dpa
Hannover

Waschbären breiten sich in Niedersachsen immer stärker aus - eine Entwicklung, die die Europäische Union mit Sorge betrachtet. Sie hat den pelzigen Räuber auf die im Sommer erstmals aufgestellte Liste der invasiven Arten gesetzt und damit alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Doch das ist bei der bereits bestehenden Population leichter gesagt als getan.

Der Waschbär ist in Niedersachsen vor allem im Süden nahe der hessischen Grenze und im Osten, vor allem im Wendland, beheimatet. Wie viele es tatsächlich gibt, lässt sich nur schätzen. Der einzige Maßstab ist die Jagdstrecke, also die Zahl der erlegten oder zu Tode gekommenen Tiere. Und die ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen: Zählte die Jägerschaft im Jahr 2006 landesweit noch 1704 tote Tiere, waren es 2009 bereits 4380 und im vergangenen Jagdjahr 10.070 Tiere - eine Versechsfachung innerhalb von zehn Jahren. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Anzahl der in den Wäldern Niedersachsens lebenden Waschbären das Zehn- bis Zwanzigfache der Jagdstrecke beträgt.

Überträger von Staupe und Waschbärspülwurm

Dass sich das kleine Pelztier so schnell ausbreiten kann, hat zwei Gründe: Zum einen hat er keine natürlichen Feinde bei uns und zum anderen ist er ein Allesfresser. Gerne hält er sich auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf, wo er Mülleimer leer räumt oder sich auch in Gartenhäuschen oder Kellern einnistet. Einmal aufgestöbert, kann er zudem sehr aggressiv werden: Er greift Katzen, Hunde und sogar Menschen an, wenn er sich bedroht fühlt. Außerdem gilt er als möglicher Überträger von Krankheiten wie der Staupe oder dem Waschbärspülwurm. An Letzterem kann auch der Mensch erkranken und infolgedessen sogar erblinden. Solche Infektionen sind aber nach Angaben der Landesjägerschaft sehr selten.

In der freien Natur ernährt sich der Waschbär von Pflanzen wie Tieren. Das aber kann zum Problem werden, wenn er mit großem Appetit Gelege von Enten und Singvögeln ausräubert. Aber auch Amphibien und kleine Säugetiere stehen auf seinem Speiseplan.

Jäger wollen intensivere Bejagung

Aus diesem Grund hat die EU den erst in den Dreißigerjahren erstmals in Deutschland ausgesetzten Waschbären auf die Liste der invasiven Arten gesetzt. Sie würden in der EU die biologische Vielfalt bedrohen und außerdem einen enormen wirtschaftlichen Schaden verursachen, heißt es in der Begründung. Deshalb seien die Mitgliedsstaaten der Union angehalten, die weitere Verbreitung zu verhindern. Was das heißt, bleibt den Mitgliedsstaaten weitgehend selbst überlassen, es gibt aber Hinweise aus Brüssel: Taucht eine der benannten Arten in einem Gebiet zum ersten Mal auf, muss sie sofort beseitigt werden. Gibt es aber schon eine verbreitete Population, dann ist das Mitgliedsland angehalten, die weitere Verbreitung zu mindern oder sogar zu verhindern und ein „effektives Management“ aufzuziehen.

Für die Landesjägerschaft ist ein Ausrotten der Pelztiere in Niedersachsen keine Option. „Der Waschbär hat sich in Deutschland und auch in Niedersachsen etabliert. Ein Zurückdrängen auf null wird demzufolge nicht möglich sein“, sagte Jägerschaftssprecher Florian Rölfing der HAZ. Eine intensive Bejagung sei aber dennoch notwendig, damit die Bestände der Beutetiere des Waschbärs nicht zu sehr dezimiert werden. Hierfür müsse auch die Jagd mit Fallen möglich sein, so Rölfing: „Eine Einschränkung wäre mehr als kontraproduktiv.“

Tierschutzbund lehnt Fallenjagd ab

Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums hält ebenfalls die Bejagung der Waschbären für „ein wichtiges Instrument“, sieht aber auch, dass „die gezielte Jagd dieser Art nur mit mäßigem Erfolg verbunden ist“. Man müsse daher mehr darauf achten, dass man die Lebensräume des Waschbären so gestalte, dass ein besserer Schutz etwa von Amphibien gewährleistet sei.

Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Tierschutzbundes, glaubt nicht, dass eine verstärkte Jagd hilft: „Je höher der Jagddruck, desto stärker die Verbreitung.“ Die Fallenjagd lehnt er ab. Ruhnke plädiert für Gelassenheit. „Der Waschbär gehört inzwischen zur heimischen Fauna. Wir müssen das hinnehmen.“

Wie die Waschbären nach Niedersachsen kamen

In der britischen Presse werden die mitteleuropäischen Waschbären gerne „Nazi Raccoons“ genannt – und das nicht nur wegen ihres enormen Expansionsdrangs. Die Reporter spielen damit auf die Geschichte an, dass angeblich der NS-Reichsmarschall Hermann Göring für die Auswilderung der Waschbären in den Dreißigerjahren verantwortlich sein soll. Demnach hat Göring 1934 angeordnet, dass aus einer seit den Zwanzigerjahren bestehenden Waschbärenzucht in Nordhessen mehrere Waschbären am Edersee nördlich von Marburg ausgesetzt werden sollen. Sie sollten für Jäger herhalten. Doch für diese nette Legende gibt es keinerlei Belege.

Laut Recherchen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat vielmehr in den Dreißigerjahren ein Pelzhändler die Auswilderung offiziell beantragt – er hielt die Tiere für eine Bereicherung der örtlichen Fauna. Dem Antrag wurde stattgegeben, Göring hatte mit der Entscheidung nichts zu tun. Diese erste Auswilderung eines Waschbär-Pärchens erklärt die starke Verbreitung im nordhessischen und südniedersächsischen Raum. Doch die beiden sind nicht die Ureltern aller Waschbären in Deutschland. Eine Analyse von 407 Gewebeproben hat ergeben, dass es mindestens vier „Gründerfamilien“ für die hiesige Population gegeben haben muss.

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