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Panorama Doppelmörder von Bodenfelde kündigt Geständnis an
Mehr Welt Panorama Doppelmörder von Bodenfelde kündigt Geständnis an
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20:13 11.04.2011
Die Taten in Bodenfelde haben bundesweit für Entsetzen gesorgt. Quelle: dpa

„Er steht inzwischen fassungslos vor dem, was er angerichtet hat.“ Das Interesse der Öffentlichkeit an dem Prozess gegen den 26 Jahre alten Angeklagten Jan O. hatte noch einmal stark zugenommen, seitdem weitere Details aus der Anklageschrift bekannt geworden sind. Danach soll der Angeklagte in einem schriftlichen Geständnis eingeräumt haben, nach der Tötung der 14-jährigen Nina B. dem Opfer in die offene Wunde im Hals gebissen und auch von dem Fleisch gegessen zu haben. Insgesamt seien 30 Journalisten sowie drei Kamerateams und sechs Fotografen akkreditiert, sagte Gerichtssprecherin Cornelia Marahrens am Montag.

Zum Prozessauftakt will der Northeimer Verein für Opferschutz und Strafgerechtigkeit vor dem Landgericht eine Mahnwache abhalten und der beiden getöteten Kinder gedenken. Am ersten Verhandlungstag wird zunächst die Staatsanwaltschaft ihre Anklage verlesen. Danach geht es um die Einlassung des Angeklagten. Dem Vernehmen nach wird das Gericht dazu das Protokoll seiner Aussagen vor dem Haftrichter sowie sein schriftliches Geständnis verlesen, das er vor einigen Wochen in der Justizvollzugsanstalt verfasst hat. Am kommenden Freitag sollen dann mehrere Polizeibeamte als Zeugen gehört werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Jan O. vor, die 14-jährige Nina am Abend des 15. November getötet zu haben. Die Anklage geht davon aus, dass er sie zunächst vergewaltigen wollte, sich aufgrund ihrer Gegenwehr dann zur Tötung entschloss. Als Tatwaffe soll er eine abgeschlagene Bierflasche benutzt haben. Das Mädchen starb an Schnittverletzungen am Hals. Im Internet prahlte der arbeitslose Jan O. einen Tag nach der Tat: „Gestern Mädchen geschlachtet.“

Fünf Tage später traf er in der Nähe des Tatortes auf den 13-jährigen Tobias L., den er offenbar zunächst für ein Mädchen hielt. Diesen lockte er ebenfalls in die Fichtenschonung und tötete ihn mit einem Butterfly-Messer mit einer Vielzahl von Stichen in die Halsregion. In beiden Fällen habe er sich durch die Tötung sexuelle Befriedigung verschaffen wollen.

Inzwischen sind weitere tragische Umstände bekannt geworden. So hatten drei Tage nach dem ersten Mord zwei neunjährige Kinder beim Spielen die Leiche des getöteten Mädchens entdeckt. Eines der Kinder berichtete abends seiner Mutter von dem Fund. Diese hatte die Schilderungen jedoch nicht ernst genommen und deshalb nicht die Polizei informiert. Zwei Tage später geschah der zweite Mord. Anwohner hörten an dem Abend zwar Hilfeschreie, meldeten sich aber erst bei der Polizei, nachdem die beiden Leichen aufgefunden worden waren.

Die Eltern des getöteten Tobias machten deshalb weder den Anwohnern noch der Mutter des neunjährigen Kindes irgendwelche Vorwürfe, sagte der Göttinger Rechtsanwalt Steffen Hörning, der als Vertreter der Nebenklage die Interessen der Eltern in dem Prozess vertritt. Auch der Polizei sei aus ihrer Sicht kein Vorwurf zu machen. Allerdings fragen sie sich, ob es ein Versäumnis bei der Justiz gegeben hat. Jan O. hatte mehrfach gegen Bewährungsauflagen verstoßen und war zwei Wochen vor der Tat wegen fahrlässiger Brandstiftung festgenommen worden. Trotz der neuen Vorfälle blieb er zunächst auf freiem Fuß. Einen Tag nach dem Fund der beiden Teenager-Leichen wurde er unter Mordverdacht festgenommen. Seitdem sitzt er in Haft.

dpa

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