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Panorama Diese Ausstellung sammelt "Bravo"-Starschnitte
Mehr Welt Panorama Diese Ausstellung sammelt "Bravo"-Starschnitte
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22:01 05.03.2017
„Das Warten war grauenvoll“: Ausstellungs-Organisator Carsten Junge vor den Bildern von Chris Roberts, T. Rex und Creedence Clearwater Revival (von links). Quelle: Philipp Schulze
Lüneburg

Für die Jugendlichen im Nachkriegsdeutschland muss es sich angefühlt haben, als wenn jemand das Fenster aufreißt und mal ordentlich durchlüftet, als 1956 die erste „Bravo“ an den Kiosken lag. Knallbunt hat das Magazin ganze Generationen von Jugendlichen geprägt, nicht nur mit Berichten über ihre Idole, mit Foto-Lovestorys und Aufklärungsseiten. „Bravo“ brachte die Helden der Jugend in Lebensgröße in die deutschen Kinderzimmer: Der Starschnitt war über Jahrzehnte eines der Aushängeschilder der Zeitschrift. In Lüneburg widmet sich jetzt eine ganze Ausstellung den zusammengepuzzelten Kinderstars.

„Damals war ,Bravo’ revolutionär“, sagt Carsten Junge. „,Bravo’ war der Gegenpol zum röhrenden Hirsch im Wohnzimmer der Eltern.“ Junge wurde 1959 geboren - in dem Jahr, in dem im März auch der erste Starschnitt erschien. Der Start der Serienpuzzles, die sich stückweise über mehrere Hefte verteilen, ist geradezu lasziv für das prüde Deutschland dieser Zeit: Es zeigt Brigitte Bardot in Netzstrümpfen und schwarzem Body.

120 Stars unter einem Dach

Junge ist langjähriger „Bravo“-Leser, heute ist er Geschäftsführer einer Sparkassenstiftung in Lüneburg - und dort hat er für das Großpuzzle eine ganze Schau organisiert. „Noch nie hat sich jemand umfassend dem Thema gewidmet“, sagt Kuratorin Marie-Lotta Karcher. „Wir sind die Ersten, die alle Starschnitte zeigen.“

Alle - das sind rund 120. Auf die Bardot folgten zum Ausschneiden und Aufkleben Peter Kraus und Conny Froboess, Elvis Presley und Freddy Quinn. Es blieb über die Jahrzehnte eine bunte Mischung der Stars vor allem aus Musik, Film und Fernsehen. „Nur Pierre Brice wurde dreimal gezeigt - immer als Winnetou“, sagt Junge, während es durch die nach Jahrzehnten sortierte Schau geht und eine Musicbox die passende Musik spielt.

„Das ist Zeitgeschichte, das ist Jugendgeschichte, das ist Kulturgeschichte über die Musik weit hinaus“, sagt Junge. „,Bravo’ hat Stars gemacht, das war der Ritterschlag.“ Die Auflage war einst siebenstellig - und die Hefte wurden weitergereicht. „Rund fünf bis sechs Millionen haben die ,Bravo’ gelesen“, schätzt Junge.

Auf die Idee zur Ausstellung ist der 57-Jährige beim Aufräumen gekommen. „Meine Frau sagte: Mach den Dachboden begehbar!“, sagt er lachend. „Beim Aufräumen habe ich dann einen alten Karton mit meinen Starschnitten gefunden.“ Vollständig waren sie nicht. „Bei Suzi Quatro fehlten ein Knie und der Busen“, sagt Junge, noch immer ein wenig bekümmert. Rund 50 Exemplare hat er danach zusammengetragen. In der Ausstellung sind aber nur gut gemachte Faksimiles zu sehen. „Viele Originale wären heute unbezahlbar“, erläutert Junge.

„Mit dem Starschnitt konnte man sich sein Idol ins Zimmer holen“, sagt Kuratorin Karcher. „Heute kann man den Stars auf anderen Wegen nahe sein, auch viel schneller und unmittelbarer als früher. Durch Apps kann man seinen Stars praktisch live folgen“, erklärt sie. Die Kulturwissenschaftlerin ist Jahrgang 1991, ein Jahr später kam das Aus für den Starschnitt als regelmäßige Beilage.

Erst bei einem Blick ins Archiv erinnerte sich 1996 der damalige „Bravo“-Chefredakteur Gerald Büchelmaier, dass er selbst das einstige Markenzeichen aus dem Blatt gekippt hatte. „Die Jugend hat sich einfach verändert: Sie will alles, und sie will es gleich“, sagte er damals.

Die Beatles dauerten am längsten

„Das Warten war grauenvoll“, bestätigt Junge gut 20 Jahre später. „Das kann ich als Sammler sagen. Manchmal musste man Monate warten.“ Am längsten mussten sich die Fans von November 1965 bis August 1966 für den Starschnitt der Beatles gedulden, sammeln, schnippeln und kleben, es waren 44 Teile in 39 Heften.

Für manchen Besucher ist die Ausstellung eine Reise in die eigene Jugend, mancher entdeckt sogar längst vergessene Schwärmereien wieder. „Die Leute gehen hier so gut gelaunt heraus“, hat Kuratorin Karcher beobachtet. „Das ist eine Freude.“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. März in der Kulturbäckerei in Lüneburg. Der Eintritt ist frei.

Puzzle in 2333 Teilen

Die „Bravo“ hat längst an Bedeutung als einflussreiches Jugendmagazin verloren. Die Auflage ist auf 120.000 Exemplare geschrumpft. Der Star­schnitt galt jahrzehntelang als Markenzeichen des Magazins.

Im Durchschnitt bestand ein Schnippelposter aus 19 Teilen. Den Rekord halten die Village People mit 53 Einzelteilen, die sich auf 25 Hefte verteilten. Die Beatles verteilten sich auf 39 Ausgaben – allerdings waren sie mit nur 44 Einzelteilen komplett.

Der letzte regelmäßige Starschnitt zeigt US-Serienstar Jason Priestley und erschien im Jahr 1992. Danach gab es vereinzelte Neuauflagen mit Britney Spears oder Bully Herbig. Nach Angaben des Verlags konnten Sammler insgesamt 2333 Einzelteile ausschneiden.

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