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18:54 20.11.2017
Ungeordnet in Kisten: Jahrzehnte nach dem Tod seiner Eltern hat Johann Strauß das Heft gefunden. Quelle: Samantha Franson
Langenhagen

Der Vater reimte. „Nacht“ auf „gedacht“. Und „Glück“ auf „zurück“. Und vor allem reimte er „kriegen“ auf „lieben“ - in gestochen schöner Handschrift, mit Feder und Zeichentinte: „… denn es ist doch nicht so schwer, / daß sich zwei sehr schnelle kriegen, / wenn sie wirklich treu sich lieben.“

Dass sich der Vater und die Mutter zeitlebens herzlich zugetan waren, das wusste Johann Strauß immer. Aber wie schön die Liebe der Eltern vor allem in der Anfangszeit gewesen sein muss, das wurde ihm erst jetzt, mit 73 Jahren, richtig klar.

Beim Aufräumen der Kisten und Kästen unter dem Dach seines Hauses im Langenhagener Ortsteil Engelbostel fand er in diesem Jahr neben vielen Fotos und Briefen der Eltern auch ein handgeschriebenes und -gemaltes Heft, sorgsam mit gelber Kordel gebunden. Kleine bunte Bilder von zwei Verliebten, ergänzt durch ein langes Junger-Mann-trifft-junge-Frau-und-reist-mit-ihr-durch-Thüringen-und-Bayern-Gedicht, das Johann Strauß sofort rührte: „Bis man sie nach Haus gebracht / war die Liebe schon erwacht“, heißt es gleich auf Seite zwei.

„Fräulein, ach, gestatten Sie?“

Auch der Vater, der das Heft nach der Reise für seine Angebetete gefertigt hatte, hieß Johann Strauß. Die Mutter hieß Herta. Der Vater war Ingenieur (wie der Sohn) und liebte (wie der Sohn) Musik - bei dem Namen ist ja auch schwerlich anderes möglich. Johann Strauß senior, 1908 geboren, arbeitete in Bayern in einer Flugzeugwerft und hatte 1936 beruflich in Dessau zu tun. In einem Café fiel sein Blick auf eine drei Jahre jüngere „wunderschöne Maid“ aus Thüringen. Es folgte, was folgen musste: „Fräulein, ach, gestatten Sie?“

Das Büchlein trägt den Titel „Moritat vom Lumper und seinem Tätz“. Das mit der Moritat - die ja eigentlich schaurige Themen behandelt - ist natürlich augenzwinkernd gemeint, der Rest ein bisschen rätselhaft: Sein Vater sei in einer Studentenverbindung gewesen und habe dort den Spitznamen „Lump“ gehabt, erzählt Johann Strauß junior. Aber „Tätz“? Vielleicht von „Tätzchen“, mutmaßt Strauß, oder von „Schätzchen“. In jedem Fall hat es etwas mit liebevoller Zuneigung zu tun.

Das Heft lag schon ziemlich lange auf dem Speicher. Johann Strauß senior starb bereits 1965 mit 57 Jahren, seine Herta überlebte ihn um 31 Jahre. Mit ihrem Nachlass gelangte auch die „Moritat“ 1996 unerkannt von Bayern nach Langenhagen, wohin es Johann Strauß junior und seine Familie verschlagen hatte. Strauß junior ist ja heute selbst Senior, vierfacher Vater, siebenfacher Opa. Jetzt hatte er endlich Zeit, die alten Schätze zu sichten.

Dabei stieß er auf die gereimte und gemalte Liebeserklärung - und erinnerte sich sofort, dass die Eltern ihre Liebe vor ihm und seiner Schwester Hannelore nie versteckt hatten, im Gegenteil: Sie haben sich oft und gern umarmt. Strauß und seine Schwester haben von Kind auf gelernt, wie sich Liebe anfühlt.

Küsse fürs Nachbarsmädchen

Tatsächlich liegt ein leises Leuchten in Johann Strauß‘ Augen, wenn er die Fotos seiner Eltern betrachtet. Und es weitet sich zu einem verschmitzten Lachen, als er erzählt, dass er es als fünfjähriger Steppke Vater und Mutter einmal gleichtun wollte und ein Nachbarsmädchen stürmisch geherzt und ausgiebig abgeküsst hat. Die Kleine ist brüllend weggelaufen.

Das hat nicht verhindert, dass sich die unverbrüchliche Liebe der Eltern fortgesetzt hat: Johann Strauß junior lernte seine Ursula 1969 in Berlin kennen, und nach vier Monaten waren sie verheiratet. „Das ist jetzt 48 Jahre her“, sagt er. Und strahlt. Und die vier Töchter des Paares besitzen dieses tiefgehende Verständnis von Liebe und Treue offenbar auch.

„Das kann man nicht mit Erziehung erreichen“, sagt Johann Strauß. „Das muss man vorleben.“

Von Bert Strebe

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