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Panorama Deutschland leidet unter der Hitze - Verletzte nach Tornado auf Helgoland
Mehr Welt Panorama Deutschland leidet unter der Hitze - Verletzte nach Tornado auf Helgoland
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08:07 13.07.2010
Bauarbeiter haben es besonders schwer bei brütender Hitze und in praller Sonne. Quelle: dpa

Tagsüber aus allen Poren zu triefen ist das eine. Mittlerweile sorgen hohe Temperaturen aber nachts für wenig Schlaf. Zumindest gibt es bald eine sehr kurze Verschnaufpause von den tropischen Werten. Die Menschen in Niedersachsen ächzen, stöhnen und schwitzen weiter bei tropischen Temperaturen. „Die Werte in der Nacht von Samstag auf Sonntag lagen in Niedersachsen bei 22,7 Grad und zwar in Wunstorf, Hannover und in der Nähe von Lüneburg “, sagte Elke Roßkamp vom Deutschen Wetterdienst am Montag. Solche Temperaturen habe es seit Beginn der Aufzeichnungen dort nicht gegeben. An diesem Dienstag gibt es allerdings eine kurze Verschnaufpause. Dann purzeln die Temperaturen tagsüber auf 27 bis 28 Grad und in der Nacht auf 17 und 18 Grad.

Die Durchschnittstemperatur der ersten elf Julitage lag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bei 22,1 Grad und damit gut fünf Grad über dem langjährigen Mittel. „Vermutlich wird der gesamte Juli deutlich zu warm ausfallen“, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Die bisher höchste Durchschnittstemperatur in einem Juli wurde vor vier Jahren mit 22,0 Grad gemessen.

Eine Gewitterfront mit orkanartigen Sturmböen erreichte am Montag Nordrhein-Westfalen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Unwettern und erklärte: „Vereinzelt können sogar Tornados auftreten.“ Dem Sturmtief „Norina“, das sich in Richtung Nordosten bewegte, folgt ab Mittwoch wieder ein Anstieg der Tagestemperaturen auf 29 Grad im äußersten Norden und 36 Grad im Süden.

Ein Ende der Hitzewelle sei nicht in Sicht, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold am Montag in Offenbach - „im Gegenteil, am kommenden Wochenende gibt es wieder ein Maximum“. Sobald die Sonne weg ist, beginnen Tropennächte mit Temperaturen von mehr als 20 Grad. Es wird zunehmend schwül.

Rettungsdienste haben derweil gut zu tun. Vermehrt kämen ältere Patienten, Menschen mit Vorerkrankungen und Schwangere in die Notfallaufnahme, sagte ein Sprecher der Medizinischen Hochschule in Hannover. Viele Menschen tränken zu wenig, sagte der Leiter der Notfallaufnahme, Thomas Köhnlein. Deshalb achten Seniorenheime in diesen Tagen auch besonders auf die Trinkmengen ihrer Bewohner, sagte der Leiter des Kirchenamtes Osnabrück, Michael Pohle.

Nach Beobachtungen des stellvertretende Leiter der Feuerwehr in Oldenburg, Jens Spekker, stellen sich die meisten Leute „auf das Wetter ein, lassen den Tag ruhiger angehen oder halten sich mehr drinnen auf.“

Viele Menschen tauschen die eigenen vier Wände gegen das Freibad ein. „Bei den Temperaturen ist in den Freibäder die Hölle los“, sagte der Betriebsleiter des Lister Bads in Hannover, Dieter Rockstein. Bereits morgens um acht Uhr stünden Familien mit Kindern an den Kassen Schlange. Am vergangenen Samstag wurden im Lister Bad 10.000 Besucher gezählt. Mehr als 13.500 Schwimmer zog es am Wochenende in die Bremer Freibäder. „Es ist viel los“, sagte Sandra Lachmann. „Alle Kassen sind offen, alle Mitarbeiter im Einsatz.“

Sommerbadelaune herrscht auch am Blauen See in der Nähe von Hannover. Die Besucher gehen dort nicht nur baden, sondern nutzen auch die Wakeboard- und Wasserski-Anlage. „Im Schnitt stehen die Leute zurzeit sieben Minuten an“, sagte Peter Amend. Sonst müssten Wasserfreunde fast gar nicht warten.

Wer nicht ins Wasser springen kann, sorgt anders für Erfrischung. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala liegt der Eiskaffee. 26,4 Prozent der Bundesbürger zwischen 18 und 69 Jahren genießen die kühle Kaffeespezialität bei hohen Temperaturen. Das das Ergebnis einer Studie der Milchwirtschaft Niedersachsen und der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft.

Aber auch ein Zoo-Besuch bleibt beliebt. Der Osnabrücker Zoo verzeichnete ein Besucherplus. m Vergleich zum Vorjahr seien in den vergangenen drei Wochen 20 Prozent mehr Menschen gekommen, sagte Geschäftsführer Andreas Busemann. Das habe der Zoo der neuen Afrika-Welt „Takamanda“ zu verdanken. In die Savannenlandschaft ziehe es die Besucher trotz fehlender Schattenplätze.

Dagegen verzeichnet der Serengeti-Park in Hodenhagen einen leichten Besucherrückgang. „Unsere neue Attraktion Aqua-Safari hält uns aber über Wasser“, sagte Geschäftsführer Fabrizio Sepe. Bei der beliebten Aqua-Safari geht es auf einem Luftkissenboot durch eine abenteuerlich gestaltete Flusslandschaft.

Die Hitze macht auch der Landwirtschaft zu schaffen. Der Deutsche Bauernverband wies am Montag darauf hin, dass es auf den Getreidefeldern bundesweit Anzeichen für eine sogenannte Notreife gebe - die Körner in den Ähren bleiben dann wesentlich kleiner. Mit durchschnittlich zwölf Litern Regen pro Quadratmeter war das erste Juli-Drittel in ganz Deutschland auch viel zu trocken. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte, auch in der EU werde die Ernte geringer ausfallen als im Vorjahr.

Auf der Elbe haben die Schiffe immer weniger Wasser unterm Kiel: Statt der üblichen zwei Meter wurde in Dresden ein Pegelstand von 85 Zentimetern gemessen.

Zu viel Wasser gab es hingegen nach heftigen Gewittern in der Region der Mecklenburgischen Seenplatte: Die Innenstadt von Malchow wurde am Sonntagabend wegen überfluteter Straßen gesperrt. Bei Ludorf brachten heftige Böen ein Segelboot auf der Müritz zum Kentern. Besatzung und Boot seien von anderen Wassersportlern geborgen worden, teilte die Wasserschutzpolizei mit.

Mit Trockenheit und Hitze nimmt die Waldbrandgefahr zu. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog standen die Bäume auf einer Fläche von rund 100 Hektar teilweise bis zu den Wipfeln in Flammen, wie der Leiter der Oberförsterei Jüterbog, Norbert Schurk, mitteilte. Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen alter Munition äußerst schwierig.

Bei Temperaturen von 35 bis 38 Grad herrschte in Berlin ein Klima wie sonst nur in den Hauptstädten südeuropäischer Länder. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit rief die Berliner auf, besonders auf alte Menschen und Kinder zu achten und sie vor zu viel Hitze und Anstrengung zu schützen.

Eitel Freude herrschte hingegen an der Ostsee, wo die Urlauber in Timmendorf oder Travemünde karibisches Traumwetter genießen können. „Besser geht’s gar nicht“, sagte der Tourismusdirektor in Grömitz, Olaf Dose-Miekley. Nicht nur Betten, sondern auch Strandkörbe sind in den Ostsee-Bädern zunehmend ausgebucht.

Tornado fegt über Helgoländer Düne - mehrere Verletzte

Ein Tornado hat am Montagnachmittag große Schäden auf der Helgoländer Düne angerichtet. Sechs Menschen wurden leicht und zwei schwer verletzt, sagte Tourismusdirektor Klaus Furtmeier der dpa. Feuerwehr und Rettungskräfte von Deutschlands einziger Hochseeinsel sind im Einsatz.

Bürgermeister Frank Botter löste zunächst den Katastrophenfall aus und forderte Hilfe vom Festland an. Diese musste dann aber nicht in Anspruch genommen werden, sagte Furtmeier. „Die örtlichen Rettungskräfte haben alles im Griff.“

Nach ersten Erkenntnissen wurde der Campingplatz auf der Düne komplett verwüstet. Augenzeugen berichteten von umgestürzten Flugzeugen auf dem kleinen Flugplatz. Die Hauptinsel blieb verschont. „Wir müssen jetzt erstmal alle Menschen von der Düne runterholen“, sagte der Tourismusdirektor. Augenzeugen hatten eine aufziehende „schwarze Wand“ gesehen, bevor das Unwetter losbrach.

dpa

Nachdem am Wochenende in drei ICE-Zügen die Klimaanlage ausgefallen war und mehrere Reisende einen Hitzekollaps erleiden mussten, steht die Bahn heftig in der Kritik: Die Behörden ermitteln, der Fahrgastverband fordert eine ICE-Generalüberholung. Und trotzdem müssen Reisende wegen defekter Kühlung in etlichen Waggons weiter schwitzen.

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