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Panorama Deutscher Geophysiker verstärkt das ESA-Astronautenkorps
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17:42 20.05.2009
Der Deutsche Alexander Gerst verstärkt das europäische Astronautenkorps. Der Physiker aus Künzelsau in Baden-Wuerttemberg ist einer der sechs Kandidaten, die sich bei einer Ausschreibung der europäischen Weltraumorganisation ESA durchgesetzt haben. Quelle: ddp

Gemeinsam mit zwei Italienern, darunter eine Frau, sowie je einem Dänen, Franzosen und Briten wurde Gerst am Mittwoch in Paris von ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain und der Direktorin für bemannte Raumflüge, Simonetta Di Pippo, der Presse vorgestellt.

Gerst sagte, für ihn sei mit der Nominierung ein Kindheitstraum wahr geworden. Seine Raumfahrtbegeisterung habe er von seinem Großvater geerbt. „Als ich etwa sechs Jahre alt war, hat es mein Opa, ein Amateurfunker, geschafft, ein Funksignal zum Mond zu senden und wieder aufzufangen“, sagte der in Hamburg tätige Wissenschaftler der Nachrichtenagentur ddp in Paris. „Ich durfte einige Worte in das Funkgerät sprechen. Dann gingen sie zum Mond und kamen nach zweieinhalb Sekunden wieder, so dass ich meine eigene Stimme hören konnte“, fügte der Geophysiker hinzu, der in Künzelsau in Baden-Württemberg geboren wurde.

Gerst, dessen Spezialgebiet die Vulkanologie ist, dankte seiner Familie und seinen Freunden für ihre Unterstützung. Diese hätten mehr an seine Nominierung geglaubt als er selbst. Der 33-Jährige betonte, er sei stolz, im Team des Astronautenkorps an der Umsetzung der europäischen Raumfahrtpolitik mitwirken zu können.

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, sprach von einem „sehr guten Tag“ für die deutsche Raumfahrt. „Damit steht Alexander Gerst als deutscher ESA-Astronaut in der langen Tradition erfolgreicher deutscher Kosmonauten und Astronauten“. Von Sigmund Jähn bis Thomas Reiter hätten die Deutschen im All „immer ihren Anteil bei der Realisierung nationaler und internationaler bemannter Raumfahrtmissionen erbracht“.

Der Koordinator für die Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze (CDU), sagte, er hoffe, dass ein deutscher Astronaut künftig auch einmal seinen Fuß auf den Mond oder gar Mars setzen könne. ESA-Generaldirektor Dordain betonte, die ESA stehe an einem Wendepunkt ihrer Geschichte. Nach dem Start des ersten eigenen Raumtransporters „Jules Verne“ und des Wissenschaftsmoduls „Columbus“ zur Internationalen Raumstation ISS im vergangenen Jahr gelte es nun, die europäischen Forschungsressourcen im All effektiv zu nutzen.

Dafür würden zusätzlich zu den acht bereits voll ausgebildeten ESA-Astronauten neue Kräfte gebraucht. Ursprünglich habe man nur vier neue Kandidaten auswählen wollen. Doch dann habe man sich für sechs entschieden, da sich die ESA in Verhandlungen mit Russland und den USA neben den sieben bereits vertraglich vereinbarten Mitflügen um weitere Plätze bemühe.

Auf die Ausschreibung vom Mai 2008 waren mehr als 8400 Bewerbungen aus allen ESA-Mitgliedsstaaten eingegangen. Deutschland stellte mit fast 1800 Bewerbern, darunter 310 Frauen, nach Frankreich (1860) das zweitgrößte Kontingent. Den dritten Platz belegte Italien mit über 920 Bewerbern (davon 151 Frauen) vor Großbritannien mit mehr als 820 (167) und Spanien mit fast 790 (103). 72 Kandidaten hatten sich aus Nicht-ESA-Staaten gemeldet.

Gesucht waren Persönlichkeiten mit abgeschlossenem Studium etwa in Biowissenschaften, Physik, Chemie oder Medizin sowie herausragenden Fähigkeiten in Forschung und Anwendung. Sie mussten ärztliche Atteste wie Privatpiloten vorlegen sowie fließend Englisch sprechen und nach Möglichkeit auch gute Russisch-Kenntnisse haben.

Das eigentliche Training erfolgt im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln. Zu den derzeitig acht aktiven ESA-Astronauten gehört der Deutsche Hans Schlegel. Die neuen Raumfahrer bereiten sich in EAC nicht nur auf Missionen zur ISS, sondern auch zum Mond und weiter vor.

Der erste Einsatz erfolgt nach Ansicht von EAC-Chef Gerhard Thiele (Deutschland) nicht vor 2013/14. Trotz des nach wie vor exklusiven Charakters ihrer Profession dürfen die künftigen Raumfahrer nicht auf große Reichtümer hoffen. Das Gehalt liegt bei etwa 4200 Euro pro Monat - hinzu kommen noch diverse Zulagen.

ddp

Der Physiker Alexander Gerst aus Künzelsau in Baden-Württemberg verstärkt das Astronautenkorps der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

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