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00:17 17.12.2016
„Schummeln geht nicht“: Fischer an der Nordsee wie Dieter Hullmann können mehr Kabeljau und Seelachs fangen. Fotos: dpa (4) Quelle: Ingo Wagner
Brüssel/Elsfleth

Das Wort Überfischung hört Dieter Hullmann nicht gern. „Alle sprechen von überfischten Meeren“, sagt der geschäftsführende Vorsitzende der Fischerei-Genossenschaft Elsfleth (Kreis Wesermarsch). Sie betreut 24 in Brake und Emden beheimatete Kutter. „Komischerweise sind die Erträge seit 20 Jahren gleich.“ Klar bemerkten die Fischer auch Schwankungen in den Beständen. „Aber die hat es schon immer gegeben. Das sind naturbedingte Phänomene.“ Ob Scholle, Seezunge, Kabeljau, Steinbutt, Rochen oder selbst der Dornhai: Es gehe ihnen gut.

Das sehen nicht nur Umweltschützer und Meeresbiologen anders, sondern auch die Fischereiminister der EU-Staaten. Jedes Jahr legen die Politiker Obergrenzen für die Fischmenge fest, die aus der Nordsee gezogen werden darf. Die jetzt beschlossenen Fangquoten stellen die Fischer dann aber doch recht zufrieden. Im kommenden Jahr können sie 53 Prozent mehr Seelachs aus Nordsee und Atlantik holen, beim Kabeljau sind es 17 Prozent mehr als noch in diesem Jahr. Die Makrelen-Quote im Nordostatlantik steigt um 14 Prozent. Die Quote für Heringe wurde hingegen um 7 Prozent reduziert, die für Schellfisch um 45 Prozent.

WWF: Rückwurfverbot wird mangelhaft umgesetzt

„Die deutsche Fischerei ist zufrieden mit den beschlossenen Gesamtfangmengen“, teilte der Verband der deutschen Kutter- und Küstenfischer mit. Die nachhaltige Bewirtschaftung bringe weitere Erfolge und führe zur Erhöhung der Fangmengen.

Kritisch fielen dagegen die Reaktionen der Umweltorganisationen aus. Die EU-Minister missbrauchten das neue Rückwurfverbot „als Freifahrtschein, um die Quoten zu erhöhen“. Ab 2017 müssen die Fischer den kompletten Fang an Land bringen - auch zu kleine oder ungewollte Fische. Damit sollen sie dazu angehalten werden, Beifang zu vermeiden. Das Rückwurfverbot werde jedoch nur mangelhaft umgesetzt, erklärte der WWF. „Wer die immense Ressourcenverschwendung auf See beenden will, muss dafür sorgen, dass weniger Jungfisch im Netz landet“, sagte die WWF-Fischereiexpertin Karolin Schacht. „Die Vermeidung von Beifang müsste das oberste Gebot sein.“

Die Idee, selektiv zu fischen, findet auch Dieter Hullmann gut. Es müssten dafür aber neue Netztechniken entwickelt werden, um unerwünschten Beifang zu vermeiden. Auch jetzt schon könne man etwa zu kleine Fische nicht einfach über Bord werfen. „Die Fischerei ist die am besten kontrollierte Branche Deutschlands“, so Hullmann. „Schummeln geht nicht mehr.“

Von Janet Binder
 und Eckart Gienke

Die Quoten im Einzelnen:

Kabeljau (+17 Prozent): Er gehört seit jeher zu den beliebtesten Speisefischen, er wird in der Ostsee auch als Dorsch bezeichnet. Er kommt im Nordatlantik vor. In England ist der Cod fester Bestandteil von Fish & Chips. Von ihm dürfen künftig 17 Prozent mehr gefischt werden. Er hat ein weißes, sehr zartes Fleisch.

Seelachs (+ 53 %): Er ist ein preisgünstiger, sehr schmackhafter Fisch, der aber nichts mit echten Lachsen zu tun hat, sondern eigentlich Köhlerfisch heißt. Da man früher sein Filet mit Karotin verfärbte und als „Seelachs“ verkaufte, hat sich der falsche Name eingebürgert. Der Köhler kommt in der Nordsee und im Atlantik vor.

Makrele (+14 %): Sie bevorzugt die Küstengewässer von Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer sowie die des Atlantiks. Sie lebt in großen Schwärmen. Der verhältnismäßig kompakte Fisch mit der charakteristischen Maserung hat ein festes, ziemlich fettes Fleisch und eignet sich gut zum Räuchern oder Braten.

Schellfisch (-45%): Er ist derzeit ziemlich überfischt. Deshalb haben die EU-Minister die Quote um 45 Prozent reduziert. Er gehört zur Familie der Dorsche und ist in Deutschland ein klassischer Kochfisch, in England jedoch auch klassischer Bestandteil von Fish & Chips. Er kommt in den Meeren der gemäßigten Zonen vor.

Nachgefragt bei Dirk Sander,
Fischer aus Nessmersiel

„Fisch ist reichlich da“

Was bedeuten die neuen Fangquoten für die Nordseefischer?

Wir haben jetzt eine höhere Quote für die meisten Fische, die wir in der Nordsee befischen. Dadurch können wir grundsätzlich ein bisschen mehr fangen. Das ist auch ein Zeichen, dass es der Nordsee gut geht. Fisch ist reichlich da. Es ist aber möglich, dass der Preis bei der ein oder anderen Sorte, die nun sehr viel mehr gefangen werden kann, sinkt. Das kann man noch nicht vorhersagen. Das ist ja logisch, wenn die Menge an Fisch steigt und die Nachfrage gleich bleibt.

Also ist die Überfischung der Nordsee bald Geschichte?

Wir haben schon viel getan in den vergangenen Jahren. Sonst wären wir nicht, wo wir sind. Ich denke, wenn wir so weitermachen, haben wir 2020 alle Fische im grünen Bereich. Wenn wir den Fischereiaufwand, also die Zahl der aktiven Fischer auf See, nicht erhöhen, wird das ein Selbstläufer. Aber wir müssen uns weiter an die Quoten halten, dann wird das klappen.

Kleine Fische dürfen nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden. Sie werden bei der Quote angerechnet, wodurch es unattraktiver werden soll, sie zu fangen. Macht das Sinn?

Das ist die dümmste Sache, die in Brüssel jemals ausgedacht worden ist. Die Fische würden zurück im Meer weiterleben und größer werden. Auch jeder tote Fisch, der über Bord geht, dient wiederum als Nahrung für Krebse oder andere Fische.

Interview: Nils Oehlschläger     

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