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Panorama Der harte Alltag eines musikalischen Wunderkindes
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17:58 19.12.2017
„Ein Kind allein schafft das nicht“: Ludwig Dorner ist 16 Jahre alt und studiert in London an einem Musikinternat. Besonders mag er Ravel und Debussy, aber auch den Jazz der Dreißiger- bis Fünfzigerjahre. Quelle: Foto: George
Hanstedt

Wer bei Familie Dorner in der Nordheide an der Tür klingelt, wird von einem jungen Mann hineingelassen, die Beine so lang wie dünn, das Lächeln schüchtern, der Blick ein wenig müde. Ein Teenager, 16 Jahre alt, für die Weihnachtsferien aus dem Internat nach Hause gekommen. Am Abend vorher mit den Freunden ein wenig zu lang wach gewesen? Nein, deswegen ist Ludwig nicht müde an diesem Vormittag. Sondern weil er so viel zu tun hat. Weil das Leben als Wunderkind anstrengend ist.

Mit elf Jahren Musikstudent

Wunderkind, diesen Begriff würde der Junge selbst mit Sicherheit weniger gern hören. Denn Ludwig Dorner, der Teenager aus Hanstedt in der Nordheide, ist zwar mit einem außergewöhnlichen musikalischen Talent gesegnet. Aber dieses Talent zu einer möglichen späteren Profession zu machen, das ist harte Arbeit. Für die ganze Familie.

Ludwig war sechs Jahre alt, als er seinen ersten Unterricht an der Violine bekam, an einem geliehenen Instrument eines Geigenbauers aus dem Nachbardorf. Als er neun Jahre alt war, wechselte er zu einem Lehrer nach Hamburg – sein Vater fuhr ihn jeden Sonnabend zum Unterricht in die 40 Kilometer entfernte Metropole. Zwei Jahre später wurde er als Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg angenommen – er war der einzige Gymnasiast und bekam Unterricht bei einer Professorin. 

Fortan setzte sich der Schüler ein- bis drei Mal pro Woche nach Mathe, Deutsch und Physik in den Zug und fuhr nach Hamburg zum Geigenunterricht. Zurück aus der Stadt nach Hause ging es häufig mit der Mutter, die ihn aus Hamburg im Auto mit nach Hause nahm. Dort warteten natürlich noch die Hausaufgaben fürs Gymnasium. Und die Stücke, die er für das Jugendorchester des NDR einzustudieren hatte.

Tag dauert von 8 bis 20 Uhr

„Das war alles schwierig zu organisieren, nicht so einfach“, sagt der schlaksige junge Mann daheim auf dem Sofa. Seit September hat die Familie unter der Woche ein wenig mehr Luft zum Organisieren des Alltags der Eltern und der Schwester Ludwigs. Denn der 16-Jährige lebt seither in England: Er besucht ein Internat für Streicher in London, zu mehr als 90 Prozent finanziert über ein Stipendium.

80 Schüler besuchen die Schule, die meisten stammen aus Japan und Taiwan. Sein Stundenplan dauert von 8 Uhr bis 20 Uhr, er lernt im Wechsel Geschichte, Harmonielehre, Mathe, Geige, Gehörbildung und Naturwissenschaften. Gewöhnungsbedürftig für das junge Talent. „Die Trennung der normalen Fächer vom Üben und dem Unterricht an der Geige hat mir hier besser gefallen“, sagt der Junge. 

Doch daran wird er sich gewöhnen. Denn dass sich seine Arbeit auszahlt, beweisen nicht nur die Empfehlungsschreiben seiner Professoren. Gerade hat er den Kulturpreis des Landkreises Harburg bekommen, den „Blauen Löwen“. Das Preisgeld von 2000 Euro kann er gut gebrauchen – schließlich kostete allein seine erste eigene Geige schon beinahe das Zehnfache, nun kommen die regelmäßigen Flüge zwischen Internat und Zuhause hinzu.

„Man muss es wollen“

Dass er für die Preisverleihung und das dazugehörige Konzert den Unterricht schwänzen durfte, war ein großer Kraftakt, erzählt Mutter Natalia Dorner: „Die Schule hatte zunächst abgelehnt, dass Ludwig früher in die Ferien starten darf.“ Ein großes Talent ist eben nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Aufgabe. Das weiß sie aus eigener Erfahrung als Pianistin allzu gut. „Es ist viel Arbeit und Geduld. Und man muss es selbst wollen.“

Doch bei aller Freiwilligkeit muss auch der talentierteste Wunderknabe mal sanft, mal streng zum Üben gebracht werden. Das ist auch Ludwig selbst klar, der mit seinen 16 Jahren mitunter klingt wie ein Erwachsener, wenn er sagt: „Ein Kind allein schafft das nicht.“ Und wer nicht bis etwa 12 oder 13 Jahre wirklich ernsthaft den Weg in Richtung professionelles Musikspiel eingeschlagen hat – für den ist es zu spät. Ob er später tatsächlich mit der Geige sein Geld verdient oder nicht.

Von Carolin George

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