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Panorama Der Mörder kehrt ins Dorf zurück
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18:58 23.02.2014
Von Unbekannten aufgestellt: Ein Holzkreuz am Ortseingang erinnert an Denise, die nach dem Besuch einer Diskoveranstaltung erschlagen wurde. Quelle: Niemann
Asche

Wer in das 350-Einwohner-Dorf Asche bei Hardegsen (Kreis Northeim) kommt, dem fällt am Ortseingang sofort ein Holzkreuz auf. „Denise 1990-2008“ steht darauf, und: „In unseren Herzen lebst du weiter.“ Anette Lehmann weiß nicht, wer das Kreuz aufgestellt hat. Sie kommt regelmäßig hierher, um innezuhalten und Blumen abzulegen. Seit einigen Wochen aber beschleicht sie jedes Mal eine Angst. Die Angst, dem jungen Mann zu begegnen, der vor sechs Jahren wenige Meter entfernt ihre 17-jährige Tochter Denise getötet hat.

Der Berufsschüler, der wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt wurde, ist seit Kurzem wieder auf freiem Fuß. Nachdem er zwei Drittel seiner Haft verbüßt hatte, wurde er vor Weihnachten auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Anette Lehmann wusste nichts davon. Als Dorfbewohner erzählten, dass der heute 24-Jährige wieder durch den Ort spaziert sei, war sie fassungslos. „Wieso wurden wir nicht über seine Freilassung informiert?“, fragt sie.

Der Mann, der ihre Tochter bei einer Diskoveranstaltung umgebracht hat, stammt aus Asche. Nicht nur der Tatort, auch sein Elternhaus befindet sich in der Nähe des Holzkreuzes, das zum Andenken an Denise aufgestellt wurde. Die Eltern des verurteilten Totschlägers wohnen weiterhin in dem Dorf.

Trotz monatelanger Verhandlung hatte das Landgericht Göttingen damals nicht klären können, was genau in der Tatnacht passiert ist. Der Angeklagte, den der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung als „verwöhntes Muttersöhnchen“ bezeichnete, hüllte sich bis zuletzt in Schweigen. Anhand der Spuren konnten die Ermittler lediglich rekonstruieren, dass er Denise gewürgt, zu einem Kellereingang geschleift und durch 30 Schläge mit einem Stein und einem Terrakottatopf gegen den Kopf getötet hatte. Warum und wie es zu diesem brutalen Gewaltverbrechen gekommen ist, diese Frage quält ihre Eltern bis heute.

Der 24-Jährige hat bei seiner Haftentlassung keine besonderen Auflagen bekommen. Er sei einem Bewährungshelfer unterstellt und müsse jeden Wechsel seines Wohnsitzes mitteilen, sagt eine Sprecherin des zuständigen Amtsgerichts Hameln. Rechtsanwalt Steffen Hörning, der die Eltern der getöteten Denise als Nebenkläger vertreten hatte, hat in Erfahrung gebracht, dass der 24-Jährige zwar nicht in der Nähe wohnt. „Es wird aber immer wieder vorkommen, dass er seine Familie besucht“, sagt er. Anette Lehmann graut davor, dass sie ihm begegnen könnte. „Wir werden ihm nicht verbieten können, dass er seine Eltern besucht“, sagt sie. „Ich finde aber, dass wir darüber informiert werden müssten.“ Der bundesweit tätige Verein für Opferschutz und Strafgerechtigkeit mit Sitz in Northeim unterstützt ihr Anliegen und hat deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet. Der Fall zeige, dass es Schwachstellen beim Opferschutz gebe, sagt Vereinsvorsitzende Elke Krebs. Schon die vorzeitige Haftentlassung lasse bei den Angehörigen des Opfers alten Schmerz aufleben und führe zu einer erneuten psychischen Belastung.

„Eine unvermutete Begegnung mit dem Täter wäre erst recht unerträglich“, sagt Krebs. Der Verein hat deshalb Bundesjustizminister Heiko Maas darum gebeten, sich für eine Änderung der Strafprozessordnung einzusetzen. Angehörige von Opfern sollten einen Anspruch darauf haben, über den Entlassungstermin des Täters, seinen künftigen Lebensmittelpunkt und seine Besuchsvorhaben im Wohnort der Opferangehörigen informiert zu werden.

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