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10:34 25.08.2016
Von Saskia Döhner
Mehr Zeit will das Land Niedersachsen den Abiturienten geben. Quelle: Frank Rumpenhorst (dpa)
Hannover.

Niedersachsen sei das erste Land, das vollumfänglich das Abitur nach 13 Jahren eingeführt habe, und zwar nicht nur schulgesetzlich, sondern auch konkret in den untergesetzlichen Regelungen, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Mittwochabend vor Journalisten in Hannover. Es sei gelungen, den Druck aus der Schule zu nehmen, der durch das Turbo-Abitur entstanden sei, aber auch die hohe Qualität der Reifeprüfung zu sichern. Den Schülern bleibe mehr Zeit zum vertiefenden Lernen, mehr Raum für Berufs- und Studienorientierung und mehr Innovation in der Abiturprüfung.

Im 11. Jahrgang, der Einführungsphase in die gymnasiale Oberstufe, haben die Jugendlichen künftig nicht mehr 34, sondern nur noch 30 Pflichtstunden, Hauptfächer wie Mathematik und Deutsch werden dreistündig unterrichtet, andere Fächer wie Kunst, Musik und Erdkunde nur noch einstündig. Dagegen gibt es drei Stunden in der Woche Politikunterricht, so sollen die Schüler besser auf Beruf und Studium vorbereitet werden. Im derzeitigen 10. Jahrgang, der in die Oberstufe einführt, werden alle Fächer durchgängig mindestens zweistündig unterrichtet, die Hauptfächer dreistündig. So kommen die Schüler, die noch eine dritte Fremdsprache oder Informatiik zusätzlich belegen, schnell auf eine nahezu 40-Stunden-Woche.

Statt 36 Kurse müssen Schüler künftig nur noch 32 Kurse aus der Oberstufe in die Abiturnote einbringen, so können schlechtere Noten gestrichen werden. Statt einer mündlichen Prüfung können sie im Abitur auch eine Präsentationsprüfung zeigen. Dies sei ein sehr zeitgemäßer Schritt, sagte Heiligenstadt. Das selbstständige Arbeiten werde gefördert, im Studium und im Beruf seien solche Methoden gang und gäbe. Andreas Stein aus dem Kultusministerium sagte, es müsse nicht unbedingt eine Power-Point-Präsentation sein, möglich seien auch handgefertigte Präsentationen, etwa im Kunstunterricht, oder ein mündlicher Vortrag beispielsweise in Englisch. Die Schulen würden Kindern, die zuhause kein entspechendes Tablet oder einen PC hätten, gern schuleigene Geräte zur Verfügung stellen. Am Geld dürfe eine Präsentationsprüfung nicht scheitern.

Nach heftigem Protest der Lehrerverbände gegen zu lasche Versetzungsregeln in Jahrgang 11 ist das Land jetzt bei den alten Vorgaben geblieben. Insgesamt sei die Entwicklung der Oberstufenreform ein sehr demokratischer Prozess gewesen, in den die Verbände stark miteingebunden seien, sagte die Ministerin.

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