Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Wie sich ein Dorf zwei Elektroautos teilen will
Mehr Welt Panorama Wie sich ein Dorf zwei Elektroautos teilen will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:17 26.07.2017
Von Gabriele Schulte
„Sehr zufrieden“: Die Initiatoren Corbinian Schöfinius (l.) und Walter Franzmeier mit dessen Elektrofahrzeug. Auf dem Parkplatz soll auch das Dorfauto stehen. Quelle: Tecklenburg / Gemeinde Dörverden
Westen

Der Name passt zur Landschaft, außerdem ist er Programm. Allerauto nennen die rund 1200 Bewohner von Westen ihr - für ein kleines Dorf - großes Projekt. Westen liegt an der Aller, 15 Kilometer südlich der Kreisstadt Verden, und die Einwohner wollen gemeinsam ein Auto kaufen. Es soll klimaschonend mit Strom fahren, und es soll allen gehören. Tatsächlich wollen die Westener sogar zwei solcher Fahrzeuge gemeinsam anschaffen und abwechselnd fahren: einen Kleinwagen und einen Siebensitzer. Sie sind stolz auf ihre Idee, die schon Nachahmer findet. „Wir sind in Niedersachsen Vorreiter,“ sagt Mitinitiator Corbinian Schöfinius.

Viele junge Familien

Der Ingenieur lebt seit fünf Jahren mit seiner Familie auf einer Hofstelle im Ort. Westen, das hat der 34-Jährige schnell gemerkt, ist ein besonderes Dorf. Idyllisch liegen gut erhaltene historische Gebäude in der Allermarsch. Viele junge Familien leben in Westen, es gibt noch aktive Landwirte, Bio ist gefragt. Schöfinius erzählt von einer Dorfgemeinschaft, in der auch Zugezogene ihren Platz finden.

In der Kneipe Zur Mühle trifft man sich zu Vorträgen, Tanz- und Gesangsabenden. Im Alten Amtshaus an der Aller schnippeln und brutzeln mittwochs rund 20 Freiwillige in der sogenannten Volksküche; an die 60 vegetarische Mahlzeiten finden dankbare Abnehmer. „Wir brauchen dafür keinen Verein“, erzählt der Westener Walter Franzmeier. „Das läuft alles im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.“

Der Gemüsehändler war Ideengeber beim Allerauto-Projekt, inzwischen ist er Aufsichtsratsvorsitzender der hierzu gegründeten Regional- und Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser. Vor zwei Jahren hat der 53-Jährige selbst für seinen Betrieb ein Elektroauto angeschafft und ist, wie er sagt, damit sehr zufrieden.

Auch heute hilft man sich in Westen mit Autos schon mal aus. So abgehängt wie viele andere Dörfer ist der Ort aber nicht einmal: Es gibt eine Busverbindung nach Verden, der Bahnhof Dörverden liegt nur fünf Kilometer entfernt. Trotzdem meinten bisher viele, ohne Zweit- oder gar Drittauto (für erwachsene Kinder) nicht auskommen zu können; sie wollen flexibel sein. Das Erstauto der Familie ist oft weg, weil Pendler es für die Fahrt zur Arbeit nutzen. Die anderen Fahrzeuge stehen dagegen die meiste Zeit nutzlos in der Garage. Ein solcher privater Fuhrpark ist teuer und mit seinem hohen Einsatz an Material und Energie nicht gerade umweltfreundlich.

Fast immer geht es um kurze Strecken, zum Bahnhof oder zum Einkaufszentrum. „Die bis zu 400 Kilometer Reichweite des E-Autos reichen bei 99 Prozent der Fahrten vollkommen aus“, meint Franzmeier. „Das ist in den Köpfen vieler Menschen bloß nicht drin.“ In Westen ist die Botschaft angekommen. „Ich weiß von drei Familien, die überlegen, sogar das Erstauto abzuschaffen und ganz auf das Allerauto zu setzen“, erzählt Ingenieur Schöfinius. Versteht sich von selbst, dass für den Betrieb der E-Autos nur Strom aus regenerativen Quellen gekauft wird.

Fünf Euro Monatsbeitrag

Bei einer Umfrage im Dorf war das Interesse sofort groß - auch an einem größeren Fahrzeug, das sich unter anderem ein Landwirt für Lieferfahrten nach Verden wünscht. Vereine könnten es ebenfalls nutzen. Als Anfang dieses Jahres die Genossenschaft für das Allerauto gegründet wurde, waren 40 Leute dabei. Einige machten sich in Nordhessen und Südbayern schlau, wo schon ähnliche Projekte am Start sind. Als Standort für die beiden Autos in Westen guckten sie den Parkplatz der ehemaligen Volksbank-Filiale aus. Dort sollen der Renault Zoe und der Nissan Evalia über Nacht an einer Steckdose schnell neue Kraft tanken. Anschaffung und Ladestationen will die EU gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium fördern. Seit gestern liegt die Zusage aus Berlin vor, nun kann es losgehen. Die Beteiligten sollen fünf Euro Monatsbeitrag und pro Stunde 3,50 Euro Nutzungsgebühr zahlen. Die Autos könnten günstig über den Bundesverband Carsharing versichert werden, meint Schöfinius: „Man kann als Mitglied sogar Rabattpunkte für unfallfrei gefahrene Jahre bekommen.“

Auch ältere Einwohner wollen dabei sein. Manche haben sich schon als ehrenamtliche Fahrer für den Fall gemeldet, dass nicht fahrtüchtige Dorfbewohner mal zum Arzt oder Einkaufen gefahren werden wollen. Fahrten werden über das Internet organisiert. Der Schlüssel ist in einem Tresor deponiert.

Geplant sind E-Tankstellen in jeder Gemeinde im Aller-Leine-Tal. Die Gemeinde Dörverden, zu der Westen gehört, hofft, dass von einem E-Auto-Einsatz in der Ortschaft Westen „nachhaltig positive Impulse ausgehen“. Auch der niedersächsische Städte- und Gemeindebund lobt das Projekt. „Diese private Initiative ist einzigartig und nachahmenswert und verdient Unterstützung durch das Land Niedersachsen für eine flächendeckende Verbreitung“, sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek.

Eine Gruppe in Schwarmstedt will schon bald loslegen, Befragungen und Probefahrten gab es bereits. Auch in Ahlden und Hambühren haben sich Interessenten gemeldet. Bei der EU sind insgesamt 108 000 Euro, beim Bund 44 000 Euro beantragt worden. Für bis zu sieben Autos plus Ladesäulen im Aller-Leine-Tal, meint Schöfinius, reicht das Geld aus dem Fördertopf. In der Region sollen zudem an 30 Plätzen Mitfahrbänke aufgestellt werden - für alle, die spontan zusteigen wollen.

Die Eltern des elf Monate alten Baby Charlie wollten ihr Kind zum Sterben nach Hause holen. Das dürfen sie nicht. Und der Streit mit den Ärzten geht noch weiter.

26.07.2017
Panorama Interview mit Professor Mojib Latif - "Wir müssen die Erderwärmung stoppen"

Nach Dauerregen zu Beginn der Woche und Überschwemmungen wird mancherorts die Frage aufgeworfen, ob dies Zeichen für den Klimawandel seien. Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sieht in jedem Fall mehr extreme Wetterlagen aufziehen. Ein Interview.

26.07.2017

Der Fund einer Männerleiche an der Autobahn 7 bei Quickborn (Schleswig-Holstein) gibt der Polizei Rätsel auf. Die Ermittler hoffen jetzt auf Zeugen, die um den Fundort der Leiche verdächtige Personen oder Fahrzeuge wahrgenommen haben.

26.07.2017