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Panorama China versinkt im Smog
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20:23 25.02.2014
Am Dienstag erreichten die Luftwerte für den besonders gefährlichen Feinstaub in Peking das 17- bis 20-fache des WHO-Richtwertes. Quelle: afp
Peking

Wegen der schlimmen Luftverschmutzung haben die Behörden für rund 400 Millionen Chinesen die zweithöchste Smog-Alarmstufe „Orange“ ausgerufen. Die Schadstoffbelastung in den meisten größeren Städten im Norden und in den mittleren Regionen des Landes lag am Dienstag nach amtlichen Angaben auf „gefährlich“ hohem Niveau. Der Luftindex überstieg vielerorts Werte von 400, was dem 16-fachen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwertes entspricht. In der nordöstlich von Peking gelegenen Stadt Tangshan wurde sogar ein Wert über 800 gemessen.

Das Meteorologische Zentrum verhängte den Smogalarm für die Metropolen Peking und Tianjin sowie die sechs Provinzen Hebei, Shanxi, Shandong, Henan, Shaanxi und Liaoning. Die Hauptstadt, wo schon seit Freitag Alarmstufe „Orange“ gilt, litt schon den siebten Tag in Folge unter schlimmer Luftverschmutzung. Die Luft roch verraucht. Die Sichtweite betrug nur noch wenige hundert Meter. Am Dienstag erreichten die Luftwerte für den besonders gefährlichen Feinstaub in Peking das 17- bis 20-fache des WHO-Richtwertes.

In der Hauptstadt waren die Krankenhäuser mit Patienten überfüllt, die unter Atemwegs- oder Herz- und Kreislaufproblemen litten. Die Gesundheitsbehörden riefen besonders ältere Menschen und Kinder auf, nicht vor die Tür zu gehen. Die 20 Millionen Pekinger sollten sich mit Atemmasken gegen die schlechte Luft schützen, falls sie auf die Straße müssten. Schulen sagten Aktivitäten im Freien ab. Die morgendliche Flaggenzeremonie wurde vielfach ins Gebäude verlegt.

Kein Wintersmog in Deutschland

Smog war in Deutschland vor allem in den achtziger Jahren ein großes Problem. 35 Jahre ist es her, dass die Schwefeldioxidkonzentration am 17. Januar 1979 im Ruhrgebiet erstmals den Grenzwert überschritt. Die Wintersmog-Dunstglocken entstehen bei Inversionswetterlagen, wenn also wärmere Luftmassen in der Höhe das Entweichen von Kaltluft am Boden verhindern. Dort sammeln sich Schadstoffe von Heizungen, Fahrzeugen und Kraftwerken. Der letzte Smogalarm wurde im Winter 1993/94 in Ostdeutschland ausgerufen. In Westdeutschland gab es eine solche Warnung laut Umweltbundesamt zuletzt im Februar 1987, als große Teile Norddeutschlands unter einer Dunstglocke keuchten. In Berlin und Hamburg wurden deshalb Fahrverbote verhängt. Zwei Jahre zuvor war vor allem Nordrhein-Westfalen betroffen, wo für das gesamte Ruhrgebiet Smogalarm der Stufe I ausgerufen wurde. Die Behörden forderten Haushalte und Firmen damals auf, alles zu vermeiden, was die Luft zusätzlich belasten könne. Die Luftqualität besserte sich mit dem Niedergang der DDR-Industrie und der Einführung besserer Schadstofffilter für Kraftwerke und Motorfahrzeuge.

Ärzte warnten vor den gesundheitlichen Folgen des Smogs. Hohe Schadstoffbelastungen schwächten das Immunsystem und könnten den Ausbruch von Atemwegsproblemen oder Herz- und Kreislauferkrankungen erleichtern. Besonders vom Smog betroffen waren Patienten mit Asthma, Herzkrankheiten oder Bronchialleiden. Nach Schätzungen renommierter chinesischer Wissenschaftler sterben jährlich 350 000 bis 500 000 Chinesen vorzeitig an den Folgen der hohen Luftverschmutzung.

In der Bevölkerung regte sich Kritik an den Behörden, die trotz der hohen Schadstoffbelastung nicht die Alarmstufe „Rot“ ausrufen, was Fahrverbote für die Hälfte der Autos und weitreichende Fabrikschließungen zur Folge hätte. Die Tageszeitung „China Daily“ forderte in einem Kommentar „einschneidende Maßnahmen“, damit örtliche Behörden umdenken. Jene müssten bestraft werden, die der Wirtschaftsentwicklung Vorrang vor der Nachhaltigkeit einräumten.

„Die Luftverschmutzung, unter der wir jetzt leiden, ist das Ergebnis vieler Jahre industrieller Entwicklung, ohne jemals der Beschränkung der Umweltverschmutzung ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt zu haben“, schrieb das Blatt. Die Beseitigung umweltverschmutzender Zement- oder Stahlwerke werde verschleppt, weil örtliche Behörden um ihre Einnahmequellen bangten. Modernisierungen für den Umweltschutz seien häufig das letzte, wozu lokale Stellen bereit seien.

dpa

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