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Panorama Großer Bahnhof für die Borkumer Kleinbahn
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19:52 16.06.2013
Von Heike Manssen
Ein Schmuckstück: Die Dampflokomotive der Inselbahn Borkum. Quelle: dpa
Borkum

Die Holzbänke im Abteil sind hart, bis zur Ankunft wird der Fahrgast ordentlich durchgerüttelt. Und dann noch dieses ohrenbetäubende Quietschen der Bremsen, unterbrochen vom lauten Tuten, sobald sich die Lok einem Übergang nähert.  Die Aussicht ist toll, die Fahrt geht durch die „Greune Stee“ (grüne Stelle), eine Art Sumpfwald, der durchzogen ist von Dünen. Komfort fühlt sich anders an – und trotzdem ist eine Fahrt mit der Borkumer Kleinbahn wie Urlaub. Wenn im Sommer der überfüllte Zug vom Fähranleger bis zum Borkumer Bahnhof fährt und man vor lauter Gepäck nicht weiß, wo man sitzen soll, beginnt für die meisten Fahrgäste die Erholung. Runter von der Fähre, rein in die älteste Inselbahn Deutschlands, die am vergangenen Wochenende ihren 125-jährigen Geburtstag ausgiebig feierte.

In früheren Zeiten, bis Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts, war eine Reise oder auch nur der Transport von Gütern nach Borkum nicht nur abenteuerlich, sondern auch nur einmal in der Woche abwechselnd von Emden und Greetsiel möglich. Das Dampfschiff ankerte bei ruhiger See vor dem Südstrand, die Passagiere stiegen dann in Boote um und wurden bis in niedriges Wasser gerudert. Dort warteten hochrädrige Pferdewagen, die die Badegäste zu ihren Unterkünften brachten. War es stürmisch, kam auf die Gäste noch eine anderthalbstündige Fahrt mit dem Leiterwagen durchs Watt hinzu.  Eine beschwerliche Anreise. Eine Emder Firma initiierte – zum Wohlgefallen der Reederei – den Bau der Inselbahn. Ein Schienensystem für die Nutzung mit Pferdebetrieb gab es bereits, und so dampfte der erste Zug am 15. Juni 1888 vom Anleger durch das Watt, am Strand entlang zum Ort.

Zeitweise gab es ein bis zu 45 Kilometer langes Schienennetz auf der Insel. Heute führt die Schmalspurstrecke auf 7,4 Kilometern vom Schiffsanleger am Alten Hafen zum Bahnhof im Ortskern. Eine Million Menschen fahren jährlich diese Tour, Borkum ohne Bahn – das geht nicht. Dabei gab es in den 1960er Jahren Überlegungen, den gesamten Verkehr von der Schiene auf die Straße zu holen. Immer wieder haben Sturmfluten die Kleinbahn und ihr Streckennetz zerstört, zuletzt die Sturmflut 1962, als die Lok samt Waggons in den Wassermassen verschwand. Pläne, eine Magnetschwebebahn zu bauen, landeten wieder in der Schublade. Stattdessen wurde der Wattdamm ausgebaut, jetzt gilt die Bahn als sturmfest. Heute werden die Bahnwagen von Dieselloks gezogen. Immer mal wieder kommt aber auch die alte Dampflok, Baujahr 1940, zum Einsatz.

Einige Waggons und Gepäckwagen sind noch aus den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Das Schmuckstück unter ihnen ist der „Kaiserwagen Nr.38“ von 1905. Seine Sitzplätze im Jugendstil-Salon sind mit rotem Samt bezogen, außen glänzt grüner Lack. Wer sich traut, kann in diesem Ambiente auch heiraten. Für das Ja-Wort, so die Vorschrift,  muss der Inselzug allerdings stehen bleiben – gut so, wer will schon durchgerüttelt im  Hafen der Ehe ankommen?

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