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Panorama "Der Herr liebt keine Speichellecker"
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10:37 29.04.2017
„Auch ich hatte vor dem Theologiestudium vor Augen, irgendwann zu heiraten“: Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Quelle: Chris Gossmann
Hannover

Herr Bischof Trelle, Sie feiern am Montag im Hildesheimer Dom in einem feierlichen Gottesdienst Ihr 25-jähriges Bischofsjubiläum. Wie wird man Bischof?

Das kann ich schnell beantworten (lacht): durch die Weihe.

Zur Person

Norbert Trelle wurde am 5. September 1942 in Kassel geboren. Er ist seit 2005 Bischof von Hildesheim, seit 2011 auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zum Weihbischof wurde Trelle 1992 durch Kardinal Meisner geweiht. Die Predigt bei Trelles silbernem Bischofsjubiläum im Hildesheimer Dom am 1. Mai hält Kardinal Reinhard Marx. Im Alter von 75 Jahren wird Trelle im September sein Rücktrittsgesuch einreichen. Seine Nachfolge ist noch offen.

Okay: Aber wie kommt man zur Bischofsweihe? Gibt es da ein besonderes Anforderungsprofil? Muss man besonders fromm sein, besonders auffallen im Kreis der Geistlichen oder besonders nett sein zum amtierenden Bischof?

Nein, ich denke, der Herr liebt keine Speichellecker. Aber Frömmigkeit ist im guten Sinne eine Grundvoraussetzung. Sonst wäre man ja auch nicht Priester geworden. Frömmigkeit ist für mich die Grundüberzeugung, dass Gott in meinem eigenen Leben interveniert hat. Ohne eine solche Prägung kann man weder den priesterlichen noch den bischöflichen Dienst ausüben. Man muss schon eine Beziehung haben zu einem Gott, der, wie Papst Franziskus immer wieder betont, ein Gott in Beziehung, ein Gott der Barmherzigkeit ist. Frömmigkeit ist dabei nichts Abgehobenes, kein Schweben auf Wolke sieben, sondern bewährt sich mitten im Leben, das nicht immer nur schön ist. Fromm sein heißt auch, eine Neigung zu haben für gute Begegnungen. Man muss kommunizieren können und wollen. Ich habe schon als Kölner Weihbischof oft gesagt: Eine gute Seelsorge basiert auf dem Geheimnis der vier M.

Was meinen Sie mit den vier M?

Man muss Menschen mögen. Das kann man nicht verorten, aber man muss eine Empathie für Menschen mitbringen, in allen ihren Facetten. Eine Neugier für den Menschen muss man mitbringen.

Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie in Köln vor 25 Jahren zum Weih­bischof ernannt wurden? Oh, Gott, jetzt auch das noch?

Meine Familie, das waren in diesem Fall meine Mutter und meine Geschwister, denn mein Vater war schon tot, haben sich natürlich gefreut. Aber sie waren auch ein wenig erschrocken und haben sich gefragt: Na, hoffentlich schafft er das? Eines meiner Geschwister hat gesagt: Ich dachte, es werden nur Leute mit Doktor Bischof.

Das ist nur im Protestantismus so - beziehungsweise war so.

Nein, auch bei uns, zumindest theoretisch. Es heißt im Kirchenrecht, es muss eine hinreichende akademische Qualifizierung vorliegen. Ich habe keine Promotion abgeliefert, auch keine nachgeholt, obwohl ein Kirchenhistoriker während meines Studiums in Bonn mich dafür werben wollte. Aber ich wollte mein Studium schnell beenden, weil der Beruf des Seelsorgers mich immer gefesselt hat. Ein Onkel, der Pfarrer in Schöntal an der Jagst war, hat mich da sehr geprägt als Kind.

Hatten Sie Alternativen zum Priesteramt, auch einen anderen Lebensentwurf?

Zumindest als Jugendlicher hatte ich eine andere Phase: Bloß nicht Pope werden. Aber nach gründlichem Nachdenken habe ich die anderen Optionen - etwa Architekt zu werden wie mein Vater oder Arzt - wieder beiseitegelegt. Als ich im ersten Semester mit zwei Freunden - Medizinstudenten - in Bonn einen Blitzbesuch in der Anatomie gemacht hatte, war mir klar: Das ist es dann auch nicht ... Aber wenn Sie nach dem Lebensentwurf fragen und damit auf die Situation eines jungen Menschen anspielen, der sich für den Zölibat entscheiden soll: Auch ich hatte vor dem Theologiestudium natürlich vor Augen, irgendwann zu heiraten und eine Familie zu gründen. Manchmal fragen mich junge Leute im Gespräch vor der Firmung: Na, waren Sie denn nie verliebt, hatten Sie denn nie eine Freundin?

Und was antworten Sie darauf?

Ja, hatte ich. Bevor ich mit dem Theologiestudium begonnen habe, inklusive der Option Zölibat. Und dann haben die jungen Leute gefragt: Und wie hieß sie? Und wenn ich gut drauf war, habe ich auch den Namen gesagt.

Und wie hieß sie?

Wenn Sie es nicht verraten (lacht): Susi, aus Zürich. Das war eine Ferienfreundschaft. Aber: Es ist schon eine ganz besondere, tiefe Entscheidung, Priester zu werden und ehelos zu bleiben. Wenn man das nicht in einen theologischen, geistlichen Zusammenhang mit einer Christusverbundenheit bringt, kann man das nicht leben. Hier gilt das Christuswort: Nicht ihr habt mich gewählt, sondern ich habe euch erwählt. Die Herausforderung im Stand der Ehelosigkeit - auch das eine Erfahrung - ist nicht so riesengroß, wie sie meistens dargestellt wird. Häufig genug sind die Herausforderungen von Familienvätern und -müttern größer, deren Kinder etwa schwer krank sind oder nicht klarkommen, die sich die Nächte um die Ohren hauen aus Sorge um ihre Kinder.

Hat sich Ihr Verständnis vom Bischofsamt in den vergangenen 25 Jahren verändert? Sie stehen als Bischof ja auch im öffentlichen Licht, das nicht selten ein kritisches ist.

Ja, durchaus. Als Weihbischof - ein Amt, das ich mehr als 13 Jahre in Köln bekleidet habe - steht man nicht so im Rampenlicht wie als Diözesanbischof. Da kann man sich aus vielem nicht mehr heraushalten. Der bischöfliche Dienst ist einer an der Einheit der Kirche, aber auch an der Einheit der Gesellschaft. Das bleibt eine Herausforderung. Wenn ich daran denke, was gerade los ist in der Gesellschaft in Europa, kann einem schon bange werden, wie das alles auseinanderzubrechen droht. Papst Franziskus hat in seiner Rede bei der Verleihung des Karlspreises den Europäern wunderbar die Leviten gelesen, nicht aufzugeben, was erreicht worden ist.

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