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Panorama Banksys düsterer Freizeitpark
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00:15 27.08.2015
„Cinderella’s Castle“ ist alles andere als märchenhaft. Quelle: Simon Chapman
London

Dafür ist der Park, der in der vergangenen Woche im britischen Seebad Weston-Super-Mare eröffnet hat, mit 3 Euro Eintritt auch um einiges günstiger als das Disneyland.

Was auch daran liegen könnte, dass Dismaland seinen Besuchern alles andere als eine perfekte Traumwelt bietet. Und noch mehr als das: Banksy wirbt damit, „die enttäuschendste neue Attraktion im ganzen Vereinigten Königreich“ geschaffen zu haben. Ein Freizeitpark für Kinder gänzlich ungeeignet.

Gleich am Eingang werden die Besucher von in rosa Warnwesten gekleideten Helfern begrüßt. Es herrscht tiefste Depression. Die Mitarbeiter stellen Billiglohn-Mäuse im Unterhaltungskäfig dar, ohne Hoffnung auf eine bessere Zeit.

Die düstere Stimmung überträgt sich schnell auf den Besucher. Hier steht ein verrottetes Schloss, vor dem die Kleine Meerjungfrau verloren vor sich hinstarrt. Dort ist ein Burggraben zu sehen, in dem nichts als Abfall treibt. Ein kleines „spaßiges Modell-Städtchen“ mit 3000 Polizisten, die die Bewohner vor innerstädtischen Krawallen schützen sollen, ist ebenfalls zu bewundern. Und im Kaspertheater geht es um Kindesmissbrauch – was Banksy hier entworfen hat, ist eine Gesellschaftssatire im großen Stil. Und eine Parodie auf Disney: Den Anwälten des US-Konzerns wird der Zutritt zu Dismaland übrigens ausdrücklich auf Hinweisschildern am Eingang verboten.

Banksy, dessen Identität bis heute rätselhaft und ungeklärt ist, soll – so heißt es in der Legende von Weston – im Januar bei einem Spaziergang das fast 80 Jahre alte stillgelegte Freizeitbad Tropicana entdeckt haben. Die Idee für den Freizeitpark war geboren. Banksy fragte befreundete Künstler, ob sie sich an dem Projekt beteiligten wollten. 58 konnte er für die Aktion gewinnen. Die Arbeiten wurden in den letzten Monaten klammheimlich ausgeführt. Die Künstler streuten das Gerücht, sie würden das Gelände großräumig für Filmarbeiten umbauen. Selbst im Gemeinderat von Weston wusste offenbar nur eine Handvoll Kommunalpolitiker Bescheid.

Anonym und ungefragt

Er kommt und geht – und bleibt dabei immer unerkannt: Der Streetart-Künstler Banksy, vermutlich 1974 im britischen Bristol geboren, wurde durch seine Schablonen-Graffiti im öffentlichen Raum berühmt. Immer wieder hängt Banksy eigene Arbeiten auch ungefragt in Museen auf. 2005 wurde Banksys Version einer Höhlenmalerei im British Museum gefunden. Bis heute blieb der Künstler dabei anonym. Einzig im britischen „Guardian“ erschien vor mehr als sieben Jahren ein Interview mit einer Person, die sich als Banksy ausgab. Da Banksy hauptsächlich ohne Genehmigung im öffentlichen Raum arbeitet, gibt es mittlerweile einen Authentifizierungsdienst, der die Echtheit seiner Werke bestätigen kann. 2002 sprühte Banksy erstmals in Deutschland, zunächst im Hamburger Stadtgebiet. Sein wohl berühmtestes Werk in Deutschland ist im Künstlerhaus Bethanien in Berlin zu sehen. Es trägt den Titel „Every Picture Tells a Lie“ und zeigt Polizisten mit Flügeln im Kampfanzug und Smiley-Gesichtern. Lange war es verborgen, im Jahr 2011 wurde es wieder freigelegt.

Nachdem das Geheimnis in der vergangenen Woche gelüftet und auch die britische Presse aufmerksam wurde, werden täglich bis zu 4000 Besucher in der Ausstellung erwartet. Banksy selbst hat zehn neue Werke beigesteuert, darunter das marode Schloss „Cinderella’s Castle“, in dem der Besucher erleben soll, wie sich eine echte Prinzessin so fühlt. Die Szene, die Banksy hier nachstellt, erinnert an den Tod von Diana. Cinderella hängt leblos aus dem Fenster einer Kutsche, drumherum Paparazzi, die auf das beste Bild lauern.

Was Banksy und seine Mitstreiter in Dismaland zeigen, ist unerbittlich: eine bitterböse Gesellschaftssatire. Selbst vor Kindern macht der Künstler nicht Halt. Auf einem Spielplatz wird Minderjährigen beispielsweise ein Darlehen auf noch ausstehendes Taschengeld geboten – der Zinssatz beträgt 5000 Prozent. Anderswo kann man für eine Münze ein kleines ferngesteuertes Modellboot in Bewegung setzen, das vollgestopft ist mit winzigen Figuren, die Flüchtlinge darstellen. Das Schiff schippert zwischen Leichen und Müll vor den Kreidefelsen von Dover herum. Eine Landestelle gibt es nicht. Die Verzweifelten fahren so lange im Kreis, bis das Geld alle ist und die Zuschauer das Interesse an ihnen verlieren.

Und was ist nun das Thema dieses scheußlichen Themenparks? Vielleicht, so spekulieren Besucher, dass es überhaupt wieder um größere Themen gehen soll. Und nicht immer nur um das Vergnügen.

Von Peter Nonnenmacher

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