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Panorama Bahn nach Hitzeproblemen in der Kritik - Chaos im Bahnverkehr nach Gewitter in NRW
Mehr Welt Panorama Bahn nach Hitzeproblemen in der Kritik - Chaos im Bahnverkehr nach Gewitter in NRW
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17:31 12.07.2010
Helfer versorgen im Bahnhof Bielefeld Schüler, die in einem ICE wegen defekter Klimaanlage kollabiert sind Quelle: dpa

Die Hitze bringt die Bahn in die Bredouille. Das Hitzechaos nach dem Ausfall der Klimaanlage in drei ICEs hat ein Nachspiel für die Deutsche Bahn. Wegen des Verdachts auf fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt die Bielefelder Staatsanwaltschaft gegen Bahn-Verantwortliche, außerdem schaltete sich am Montag Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ein. Die Leiterin einer der betroffenen Schulen kündigte eine Schadensersatzforderung an.

Am Sonnabend war in drei ICEs die Klimaanlage komplett ausgefallen, weshalb zwei der Züge in Hannover und einer in Bielefeld geräumt werden mussten. In Bielefeld kamen neun Schülerinnen und Schüler von zwei verschiedenen Schulen dehydriert ins Krankenhaus, alle Verletzten konnten die Krankenhäuser aber wieder verlassen.

Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Münster am Montag sagte, wurden Ermittlungen gegen namentlich noch nicht bekannte Bahn-Verantwortliche wegen des am Samstag in Bielefeld gestoppten ICE eingeleitet. Für diese Ermittlungen habe die Bundespolizei mit der Befragung von Zeugen begonnen. Außerdem müsse eine technische Untersuchung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) abgewartet werden.

Ein Sprecher des Eisenbahnbundesamtes sagte, es seien Untersuchungen eingeleitet worden, wie es zum Ausfall der Klimaanlage in mehreren Zügen kommen konnte. Dabei sollten sowohl die Fahrzeuge als auch die betrieblichen Abläufe untersucht werden.

Nach den Worten eines Bahn-Sprechers gab es über die drei Totalausfälle der Klimaanlage hinaus in weiteren Zügen in einzelnen Waggons einen Ausfall der Klimaanlage. Um wieviele weitere Züge es sich handle, könne er aber nicht sagen. Dem Sprecher zufolge erhielten die Zugchefs und Zugbegleiter inzwischen die verbindliche Anweisung, bei einem Totalausfall der Klimaanlage den Zug am nächstmöglichen Bahnhof zu stoppen. Bei einem Teilausfall liege es im Ermessen des Zugchefs, ob der Zug weiterfahren kann.

Nachdem sich Bahn-Chef Rüdiger Grube am Sonntag bereits telefonisch bei der Leiterin des betroffenen Sankt-Bernhard-Gymnasiums in Willich entschuldigt hatte, schickte er am Montag den Generalbevollmächtigten der Bahn in Nordrhein-Westfalen, Reiner Latsch, zu der Schule. In dem Gespräch sollte Latsch nach Angaben des Bahnsprechers auch anbieten, den Schülern als Entschädigung neben den ursprünglich genannten Freifahrten Geld zu zahlen. Vier Schüler des Gymnasiums mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Wie die Leiterin der ebenfalls betroffenen Remscheider Sophie-Scholl-Gesamtschule, Brigitte Borgstedt sagte, meldete sich bei ihr bis zum frühen Montagnachmittag noch kein Bahn-Verantwortlicher. Von der Schule mussten fünf Schüler ins Krankenhaus. „Es ist ein starkes Stück, dass die sich nicht gemeldet haben“, sagte Borgstedt. Die Schule werde bei der Bahn Schadensersatz geltend machen. Außerdem rate sie den Eltern, für ihre Kinder Schmerzensgeld einzufordern.

Trotz Hitzekollaps mehrerer Schüler will der Schulträger eines betroffenen Gymnasiums in Willich nicht gegen die Bahn klagen. Das teilten die Malteser - Träger des St. Bernhard- Gymnasiums am Niederrhein - am Montag in Köln mit. Schüler der zehnten Klasse gehörten zu den insgesamt neun Jugendlichen, die in einem defekten ICE aus Berlin wegen großer Hitze am Wochenende zusammengebrochen waren. „Wir sehen uns eher in der Vermittlerrolle. Klage zu erheben ist in diesem Fall Sache der Eltern“, sagte ein Malteser-Sprecher.

Die Deutsche Bahn müsse nach ihren Versäumnissen aber ein „deutliches Zeichen“ setzen, forderte der Schulträger. Lehrer und Schulsanitäter im ICE hätten besonnen und umsichtig gehandelt. Alle Jugendlichen seien nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus „einigermaßen wohlauf“. Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid will dagegen Schadenersatz von der Bahn fordern.

Ramsauer erklärte, er habe bereits mit Grube über die Vorfälle ausführlich telefoniert. Die Ursachen der aktuellen Vorfälle müssten gründlich untersucht und beseitigt werden. Mit dem Thema Mängel an ICE-Zügen werde sich der Bahn-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung beschäftigen. Gleichzeitig mahnte Ramsauer aber zur Mäßigung bei der Kritik. „Bei allem Ärger und Verständnis für die Betroffenen, darf man die Mängel allerdings nicht zu einer nationalen Tragödie hoch stilisieren.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelte das Krisenmanagement. Auch am Montag gab es bundesweit Schwierigkeiten mit aufgeheizten Waggons. Ein Bahnsprecher sagte in Berlin, bei der nächtlichen Wartung der ICE in den Werkstätten würden die Klimaanlagen mit einem extra Blick genauer überprüft. Damit solle sichergestellt werden, dass kein Zug mit gestörter Kühlung auf die Gleise rolle. Zugbegleiter seien zudem nochmals sensibilisiert worden, auf Unregelmäßigkeiten zu achten. Es würden mehr Getränke mitgenommen, mit denen sich Reisende erfrischen können. Komplette Zugausfälle seien vorerst nicht bekanntgeworden. Am Wochenende hatte die Bahn drei überhitzte ICE stoppen müssen. Etliche Schüler waren in den Wagen zusammengebrochen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, die Klimaanlagen-Defekte seien ein hausgemachtes Problem. „Es waren alles Züge des Typs ICE 2. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Eine Generalüberholung sei dringend nötig. Die Bahn hatte bereits zuvor eine Modernisierung der ICE-2-Flotte für rund 100 Millionen Euro angekündigt.

Fatal sei der Umgang mit Störungen, sagte Naumann. „Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen“, sagte Naumann. „Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen.“ Das Eisenbahn-Bundesamt will Fahrzeuge und betriebliche Abläufe prüfen, wie ein Behördensprecher sagte. Untersucht werde auch, ob es früher bereits solche Vorfälle gegeben habe. Die Bundespolizei ermittelt in dem Zusammenhang wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung.

Gewitterfront legt Bahnverkehr im Westen lahm

Eine Gewitterfront hat den Bahnverkehr auf wichtigen Strecken in Nordrhein-Westfalen am Montag fast vollständig zum Erliegen gebracht. Von „massives Störungen“ wegen Blitzeinschlägen und Bäumen im Gleis berichtete ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Betroffen seien der Fern- und Nahverkehr sowie alle S- Bahnlinien im Bereich Rhein-Ruhr.

Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen die Reisenden am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge. Andere hatten sich auf Treppen gesetzt. Unter anderem waren die Hauptstrecken Köln-Düsseldorf und Köln-Aachen sowie die Verbindung Oberhausen-Altenessen-Gelsenkirchen betroffen. „Zur Dauer der Störungen können wir noch keine Angaben machen“, teilte die Bahn mit.

Sturmtief „Norina“ war mit teils orkanartigen Sturmböen über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt. Dachziegel flogen durch die Luft, Bäume knickten um, Starkregen setzte Straßen unter Wasser. Allein in Aachen wurden acht Menschen leicht verletzt. In Mönchengladbach wurde eine Schulklasse während eines Ausflugs in einem Park von dem Unwetter überrascht. Vier Kinder wurden durch herabfallende Äste leicht verletzt.

dpa/afp

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