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Panorama Ein Mann führt Krieg auf der Autobahn
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17:33 25.06.2013
Die Polizei präsentierte Einschusslöcher in einer Autotür. Der Täter feuerte 762 Mal auf Lastwagen. Quelle: dpa
Wiesbaden

Er soll aussehen, wie man sich den typischen Lastwagenfahrer vorstellt: stämmig, untersetzt, ein Bauch vom jahrzehntelangen Hocken am Steuer. So beschreibt ein Staatsanwalt den mutmaßlichen Autobahnschützen, der mindestens 762 Mal auf Lastwagen geschossen haben soll. Seit 2008 verbreitete er Angst unter Kollegen.

"Auf Autobahnen herrscht Krieg"

Über Jahre muss der 57-Jährige aus dem Eifel-Ort Kall (Kreis Euskirchen) ein Doppelleben geführt haben. "Bei uns sagt man im Speditionsjargon: Das war einer der Guten", sagt sein Chef, Geschäftsführer eines Fuhrbetriebs in Monschau. Ein Zuverlässiger, Vernünftiger. Doch wenn der gelernte Werkzeugmacher auf Fahrt ging, scheint er sich in einem Kampf gewähnt zu haben. "Auf deutschen Autobahnen herrscht Krieg" - so gibt der Würzburger Staatsanwalt Dietrich Geuder die Gedankenwelt des mutmaßlichen Täters wieder.

Noch ist sein Motiv nur bruchstückhaft bekannt. Von "Ärger und Frust im Straßenverkehr" spricht der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Dienstag in Wiesbaden. Nach seiner Verhaftung am Sonntag stritt der Lastwagenfahrer zunächst alles ab. Doch die Ermittler legten Beweise vor, da gestand er seine Taten.

Am häufigsten richtete der Fahrer seine Waffen - zwei Pistolen und einen Schießkugelschreiber - gegen Autotransporter. Vor vielen Jahren habe ihn einmal ein Autotransport abgedrängt, er habe fast einen schweren Unfall erlitten - diese Geschichte lieferte er in den ersten Vernehmungen. Danach habe er durchgreifen wollen im rücksichtslosen Verkehr. Der Mann habe die Schüsse "als eine Art Selbstjustiz" gesehen, sagt Geuder. Er beschreibt den Verhafteten als "frustrierten Einzelgänger" voller Hass und mit einer "Affinität zu Waffen".

Der Lkw-Fahrer hält sich für einen guten Schützen. Er will stets so geschossen haben, dass niemand gefährdet worden sei. Als Schütze war er nicht bekannt, doch deuten wohl Spuren in seinem Haus darauf hin, dass er Schießen geübt hat. Der Mann führte die Ermittler selbst zu seinen Waffen. "Sie waren in einer Hecke versteckt", sagt Geuder.

Kritik von Datenschützern

Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner hält die Fahndung nach dem Autobahnschützen mit verdeckten Kennzeichen-Lesegeräten für falsch. Diese Ermittlungsmethode griff nach seinen Angaben bei der Suche nach dem mutmaßlichen Serientäter, der am Sonntag festgenommen wurde. Wagner kritisierte, es gebe "für diese bundesweit erstmals eingesetzte Ermittlungsmethode aus Datenschutzsicht keine hinreichende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage". "Millionen von unverdächtigen Personen geraten ins Visier der Ermittlungsbehörde, um einen Verdächtigen zu überführen", teilte Wagner mit. Positiv sei, dass die Daten - abgesehen von Ausnahmen - nach zehn Tagen gelöscht worden seien.

Die Schüsse waren lebensgefährlich. 2009 wurde eine Pkw-Fahrerin bei Würzburg getroffen und erlitt einen Unfall. Mehrmals trafen die Schüsse auf Lkw nicht die Ladung, sondern das Führerhaus. "Einmal verfehlte das Projektil den Kopf nur knapp", sagt Ziercke. Als der Schütze im Juni 2012 eine Pistole mit dem schwereren Kaliber 9 Millimeter verwendete, verstärkten die Ermittler ihre Anstrengungen.

In einer Besonderen Aufbauorganisation Transporter unter BKA-Führung arbeiteten zeitweise 100 Beamte, wie Ziercke sagt. Mit massenhaften Kennzeichenvergleichen suchten sie nach dem einen Lastwagen, der sich auf den Autobahnen jeweils in der Nähe von beschossenen Fahrzeugen befunden hatte. "Wir haben die berühmte Nadel im Heuhaufen gefunden", bilanziert der BKA-Präsident. So zog sich die Schlinge zusammen. Das Haus des Mannes wurde observiert, was in der kleinen Gemeinde Kall sogar Nachbarn auffiel. Am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr nahmen vermummte Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) den Lastwagenfahrer fest.

dpa

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