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Panorama Darum gibt es immer weniger Lehrlinge
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06:00 15.04.2017
Betriebe und Gewerkschaften fürchten einen verschärften Fachkräftemangel. Quelle: dpa/Symbolbild
Hannover

So wenig Jugendliche wie noch nie haben im vergangenen Jahr in Deutschland eine Ausbildung begonnen. Auch in Niedersachsen gehen die Zahlen kontinuierlich zurück, meldet das Statistische Bundesamt. Arbeitgeber und Gewerkschaften fürchten, dass dieser Trend den Fachkräftemangel in den Betrieben noch verschärft, und fordern mehr Anstrengungen, um Jugendliche in die duale Ausbildung zu bringen.

Insgesamt 53.900 junge Frauen und Männer haben 2016 in Niedersachsen eine Ausbildung begonnen, das sind 814 weniger als im Vorjahr. Im Jahr 2011 hatten noch 61.176 Azubis ihre Lehre angetreten. Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der Ausbildungsverträge um 11,9 Prozent zurückgegangen.

Studium und demografischer Wandel

Als Grund dafür nennt das Statistische Bundesamt zwei Faktoren: Zum einen gebe es durch die demografische Entwicklung immer weniger Jugendliche. Zum anderen strebten von den jungen Menschen immer mehr das Abitur und ein Hochschulstudium an.

Diese Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt treibt die Arbeitgeber um. „Hierüber sind wir sehr besorgt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsens (UVN), Volker Müller. Angesichts der guten Konjunktur brauche man die Fachkräfte. Das zeige sich auch daran, dass die Zahl der angebotenen Lehrstellen in Niedersachsen seit 2009 um 10.000 gestiegen sei. Die Bewerber­ unterzeichneten zudem­ ihre Verträge immer später, weil sie die Auswahl hätten. „Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich von einem Anbieter- zu einem Nachfragemarkt“, sagt Müller.

Fast 50.000 Jugendliche nicht vermittelt

Doch nicht jeder Jugendliche profitiere davon, mahnt der niedersächsische Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Hartmut Tölle. „Wir haben schätzungsweise 50.000 unversorgte Jugendliche in Niedersachsen.“ Es werde mehr Unterstützung für diese Personen benötigt und auch Hilfe für die Betriebe, wenn sie diese Jugendlichen in eine Ausbildung brächten.

Tölle beklagte, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung und auch durch das Einstellungsverhalten der Firmen das Abitur als einzig wahrer Schulabschluss etabliert habe. Der breite gesellschaftliche Trend zur Hochschule sei nicht immer die richtige Wahl, meint auch UVN-Geschäftsführer Müller. „Das zeigen die Abbrecherquoten im Studium.“ Die berufliche Orientierung müsse auch am Gymnasium eine stärkere Rolle spielen.

Bundesweiter Trend

2016 wurden in Deutschland nur 510.900 Ausbildungsverträge abgeschlossen – der niedrigste jemals gemessene Stand. Der größte Bereich Industrie und Handel verzeichnete einen Rückgang von 2 Prozent. Ein Plus von 1,6 Prozent gab es dagegen bei den Ausbildungsverträgen im Öffentlichen Dienst. Im Handwerk war die Entwicklung stabil (plus 0,3 Prozent), allerdings ist die Zahl der neuen Lehrverträge seit 2010 bundesweit um 70.000 Plätze zurückgegangen.

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