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Panorama Abtreibungsstreit: Muss der Chefarzt gehen?
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00:16 11.02.2017
Von Michael B. Berger
„Perspektivisch kein gemeinsamer Weg“: Die Klinik in Dannenberg wollte keine Abtreibungen vornehmen, der Mutterkonzern sehr wohl. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Hannover

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) begrüßt, dass im Streit um Abtreibungen in der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg der Capio-Krankenhauskonzern ein Machtwort gesprochen hat. Der Konzern, dem die Klinik im Wendland gehört, hat den Chefarzt der Geburtshilfe, Thomas Börner, zurückgepfiffen. Die Klinik werde auch weiterhin als weltanschaulich neutrale Einrichtung Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen, erklärte Capio-Geschäftsführer Martin Reitz. Börner lehnt Abtreibungen ab und wollte sie an seiner Klinik verhindern.

Eventuell Entlassung des Chefarztes

Möglicherweise wird nun Chefarzt Börner die Klinik verlassen müssen. Er werde dem Vorschlag der Konzernleitung, dass Schwangerschaftsabbrüche in seiner Abteilung durch andere Fach- oder Kooperationsärzte vorgenommen werden, nicht zustimmen, sagte Börner am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst: „Ich muss zu meiner Meinung stehen und gegebenenfalls die Konsequenzen tragen.“ Die drei Ärzte in seiner Abteilung, die früher auch Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen hätten, stünden hinter seiner Entscheidung.

Wie dieser Konflikt ausgeht, ist noch nicht klar. Die Konzernzentrale in Fulda erklärte, man respektiere die Entscheidung des Chefarztes. Aber sie gelte nur für ihn. Denn die Organisation einer Abteilung sei nun mal Sache des Krankenhausträgers. Es gebe derzeit Gespräche aller Verantwortlicher - mit dem betroffenen Arzt und dem Verwaltungsdirektor in Dannenberg. „Wenn eine Einigung mit dem Chefarzt nicht gefunden werden kann, wird man perspektivisch keinen gemeinsamen Weg finden können“, sagte Capio-Chef Reitz. Bestehe der Arzt auf seiner Weisung, dann müsste man im Zweifel getrennte Wege gehen.

Zehn Kliniken in Deutschland

Ministerin Rundt, die der Klinik sogar mit Kürzung von Finanzhilfen gedroht hatte, zeigte sich am Mittwoch versöhnlich: „Es ist wichtig, dass die Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg Frauen weiterhin ermöglichen will, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Denn es zeigt ihr Verständnis für Frauen, die in einer Notlage - und nach reiflicher Überlegung sowie eingehender Beratung - den Schritt eines Schwangerschaftsabbruchs nicht leichten Herzens gehen.“ Ihr sei es ein Anliegen, dass sich jede Frau im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben für einen Abbruch entscheiden könne. Das müsse auch in einer vertrauten Umgebung in angemessener Entfernung zum Wohnort geschehen können, sagte Rundt.

Der schwedische Capio-Konzern unterhält in Deutschland zehn Kliniken, eine davon mit einer Geburtshilfestation - in Dannenberg. Die moderne Klinik hat 100 Betten und im vergangenen Jahr nach Angaben des Capio-Konzerns 31 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.

Versorgung in Hannover

Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen abzutreiben, treffen nach den Erfahrungen von Pro Familia in Hannover auf ein gutes Versorgungsnetz – und auf verständnisvolle Ärzte. „Mir ist nicht bekannt, dass nach der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung niedergelassene Mediziner oder eine Klinik eine Abtreibung verweigert hätten“, sagt Ulf Gronau, Leiter der hannoverschen Pro-Familia-Beratungsstelle. Eine Ausnahme seien katholisch geführte Häuser, die aus religiösen Gründen keine Abtreibungen vornähmen – wie das Vinzenzkrankenhaus.

700 Beratungsgespräche mit Schwangeren in Konfliktsituationen führte Pro Familia im vergangenen Jahr. Die Mehrzahl der Abtreibungen in der Region Hannover werde von niedergelassenen Ärzten in ambulanten Operationszentren vorgenommen, betont Gronau. Ein kleinerer Teil der Frauen lasse in Klinken abtreiben. Im Vergleich zum hannoverschen Stadtgebiet gebe es im Umland weniger ortsnahe Möglichkeiten für den Eingriff: „Dann führt der Weg doch in die Stadt.“

Nach den Worten Gronaus sind die Frauen, die Pro Familia aufsuchen, meist 25 bis 40 Jahre alt. Manche hätten die Familienplanung abgeschlossen, andere könnten Ausbildung oder Beruf nicht mit einem Kind vereinbaren. Auch nach Trennungen komme eine Abtreibung infrage. Religiöse Konflikte spielten eine untergeordnete Rolle. Viele Betroffene suchten Pro Familia „am Ende des individuellen Entscheidungsprozesses“ auf, sagt Gronau. Aber: „Niemand trifft eine solche Entscheidung leichtfertig.“ Ob sich eine Frau nach der Beratung tatsächlich für den Eingriff entscheidet, erfährt Pro Familia nicht.

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