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Panorama 70-Jährige kämpft mit Spraydose gegen rechte Hetze
Mehr Welt Panorama 70-Jährige kämpft mit Spraydose gegen rechte Hetze
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20:05 06.10.2016
Mit der Spraydose gegen rechte Parolen: Irmela Mensah-Schramm. Quelle: dpa
Berlin

Die 70-jährige Irmela Mensah-Schramm reist durchs ganze Land, um sauber zu machen, wie sie sagt. Dafür nimmt sie aber keinen Lappen, sondern eine Spraydose: Seit 30 Jahren übersprüht sie in ganz Deutschland rechte Graffiti und Aufkleber. Aber in Berlin hat sie deswegen jetzt Ärger.

Sie hatte in einer Unterführung den Schriftzug „Merkel muss weg“ mit rosa Farbe in „Merke!Hass weg!“ übersprüht und zwei kleine Herzchen ergänzt. Dafür kassierte sie eine Anzeige der Polizei wegen Sachbeschädigung. Am Mittwoch machte das Amtsgericht Tiergarten einen Strafbefehl daraus: Falls sie solche Aktionen innerhalb eines Jahres wiederholt, muss sie bis zu 1800 Euro Geldbuße zahlen.

Mensah-Schramm: „Ich mache weiter“

Das Gericht habe das gute Ziel der Seniorin anerkannt, sagte die Sprecherin des Kammergerichts, Lisa Jani. „Der Richter hätte das Verfahren am liebsten wegen geringer Schuld eingestellt, aber die Staatsanwältin hat nicht zugestimmt.“ Das Verhalten von Mensah-Schramm sei auch als selbstgerecht gewertet worden. Sie habe den Rat bekommen, dass es Wege mit Vorbildfunktion gebe, ohne das Eigentum anderer zu schädigen. Der Schuldspruch sei aber so milde wie möglich ausgefallen

„Ich warte jetzt die schriftliche Urteilsbegründung ab, und dann gehe ich in Berufung“, kündigte Mensah-Schramm am Donnerstag an. „Und ich mache natürlich weiter.“ Hasserfüllte Sprüche erzeugten irgendwann hasserfüllte Taten. „Ich habe früher Strafbefehle wegen Sitzblockaden und Nigeria-Mahnwachen bekommen“, sagt die 70-Jährige. Mit dem ersten Strafbefehl wegen Sachbeschädigung werde sie auch noch fertig. Auf ihrer Facebook-Seite wollen die ersten Fans bereits Teile des Bußgelds übernehmen.

Mit der Spraydose gegen rechte Graffiti

Die 70-Jährige Berliner Menschenrechtsaktivistin erhielt für ihren Einsatz gegen rechte Graffiti, Aufkleber und Parolen bereits Auszeichnungen bis zur Bundesverdienstmedaille. Zum Tag der Deutschen Einheit kratzte sie auf Straßen und Plätzen Aufkleber ab, die Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Flüchtlinge und Muslime beleidigten. „Ich hatte jede Menge zu tun.“ In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) machte sie auch schon aus 30 Hakenkreuzen „30 hübsche rote Kuller“. Und in Wittstock soll noch aus „Fuck Asyl“ die Botschaft „Fuer Asyl“ werden.

Von dpa/RND