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Panorama 50.000-Euro-Spende: Wolfsburg rätselt über Wohltäter
Mehr Welt Panorama 50.000-Euro-Spende: Wolfsburg rätselt über Wohltäter
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00:17 17.12.2017
Hat schon einen Plan, was mit dem Geld passieren soll: Lucas Weiß, Geschäftsführer vom Hospizhaus, freut sich über die anonyme Spende. Das Geld liegt aber mitterweile auf einem Bankkonto. Quelle: Foto:Dpa
Wolfsburg

Gibt es nach dem „Wunder von Braunschweig“ ein „Wunder von Wolfsburg“? Ein unbekannter Gönner hat, wie am Donnerstag bekannt wurde, dem Hospiz in Wolfsburg eine Großspende von 50 000 Euro zukommen lassen. Die Art und Weise erinnert an eine Spendenserie, die vor einigen Jahren weit über die Nachbarstadt Braunschweig hinaus Aufsehen erregte. Ein unbekannter Wohltäter verteilte dort von 2011 bis 2013 heimlich Umschläge mit 500-Euro-Scheinen. Meist lag ein Zeitungsartikel bei, der auf den Verwendungszweck hinwies.

Absolute Anonymität garantiert

Die 50 000 Euro hat der Spender im aktuellen Fall, ebenfalls in einem Umschlag mit 500-Euro-Scheinen, in der Redaktion der „Wolfsburger Nachrichten“ abgegeben, einem Lokalableger der „Braunschweiger Zeitung“.  Der Spender übergab die Geldsumme am Dienstag mit dem Hinweis, dass sie für das Wolfsburger Hospiz bestimmt sei.  „Bei der Abgabe hat er sich absolute Anonymität garantieren lassen“, sagt Redaktionsleiter Christoph Knoop. Nach Angaben der Zeitung ist es die vierte Spende innerhalb kurzer Zeit. Zuvor hatte ein Spender, der seinen Namen für sich behielt, insgesamt 16 000 Euro für den Tierschutz in Wolfsburg und Lehre bei der Redaktion abgegeben. Ob es einen Zusammenhang gibt, sei unklar.     

Im Wolfsburger Hospizhaus, dessen Arbeit nun so überraschend und großzügig  unterstützt wird,  herrscht pure Begeisterung.  „Natürlich ist das das schönste Weihnachtsgeschenk, das wir uns vorstellen können“, sagte der Geschäftsführer des Hospizvereins, Lucas Weiß, am Donnerstag.  Noch am selben Tag habe die Übergabe stattgefunden, und mittlerweile sei das Geld bei einer Bank eingezahlt worden. 

Einen Plan, was mit dem Geld passieren soll, gibt es auch schon. „Wir werden zwei spezielle Niedrigbetten anschaffen, die für sturzgefährdete Gäste wichtig sind“, erklärte Weiß. Die restliche Summe solle als Rücklage für die strategische Weiterentwicklung und den Ausbau der Qualität dienen.  Weiß lädt den Spender ausdrücklich dazu ein, sich zu melden. „Wir würden gern ins Gespräch kommen und ihm unser Haus zeigen“, betont der Geschäftsführer, dessen Verein unter anderem das Hospizhaus mit 53 Mitarbeitern betreibt. Ob der Wohltäter dieser Einladung tatsächlich folgen wird, ist allerdings fraglich.  

Bereits zweite hohe Spende für Hospiz

Für den Hospizverein ist die hohe Spendensumme keine Premiere. „Vor etwa anderthalb Jahren haben wir schon einmal 50 000 Euro bekommen“, berichtete Weiß. Den Spender von damals kenne er aber. Es handele sich um einen langjährigen Unterstützer, der jedoch seinen Namen nicht preisgeben wolle. Im aktuellen Fall fehlt auch Weiß jeder Hinweis zum Geldgeber. Eine Verbindung schließe er deshalb eher aus. 

Ein direkter Zusammenhang der Zuwendung an das Wolfsburger Hospiz mit den Vorfällen in Braunschweig und Helmstedt vor einigen Jahren ist unwahrscheinlich. „Zumindest die Botschaft, wer das Geld bekommen soll, ist aber auch in diesem Fall klar“, sagt Redaktionsleiter Knoop.

Das „Wunder von Braunschweig“ – und seine Nachahmer

Viele Menschen in der Region fühlen sich an die Serie von Spenden erinnert, die als sogenanntes „Wunder von Braunschweig“ sogar international Schlagzeilen machte.Dabei hatte ein unbekannter Wohltäter von 2011 an über zwei Jahre Umschläge mit 500-Euro-Scheinen für soziale Zwecke verteilt. Meist lag ein Zeitungsartikel mit Markierungen bei, die auf den Verwendungszweck hinwiesen.

Zugute kamen die Geldbündel unter anderem der Stiftung Opferhilfe, der Verkehrswacht, dem Naturhistorischen Museum, Kirchengemeinden und Kindertagesstätten sowie der Braunschweiger Tafel. Auch bedürftige Einzelpersonen erhielten Umschläge mit Geld – etwa eine Seniorin, die Opfer von Trickdieben geworden war und ein Junge, der seit einem Schwimmunfall schwer behindert ist.

Sogar ein von Obdachlosigkeit bedrohter Elfjähriger in Buenos Aires, der über das argentinische Fernsehen vom „Wunder von Braunschweig“ erfahren hatte, erhielt 2000 Euro, nachdem er sich mithilfe eines Übersetzungsprogramms über das Internet an die Zeitung gewandt hatte.

Die Art und Weise des Spendens schien Schule zu machen. Über ein „kleines Wunder“ wurde vor zwei Jahren in Helmstedt berichtet. Dort gab ein anonymer Spender, mit Hut und Sonnenbrille verkleidet, zweimal 10 000 Euro für eine Familie mit behinderten Zwillingen ab. Im Jahr zuvor hatte jemand anonym 10 000 Euro in einem Pfarrbüro für die Sanierung des Ludgeri-Kreuzes abgegeben. Anonyme Spenden in Briefumschlägen gab es auch im Nachbarkreis Gifhorn. Kindertagesstätten sowie ein Schützenverein erhielten anonyme Spenden von 1000 bis 5000 Euro.

Von Christian Brahmann und Gabriele Schulte