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Panorama 23-Jährige in Loccum erwürgt - elfeinhalb Jahre Haft
Mehr Welt Panorama 23-Jährige in Loccum erwürgt - elfeinhalb Jahre Haft
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07:03 16.06.2017
„Was sich im Wald abgespielt hat, bleibt im Dunkeln“: Der Angeklagte bestritt bis zum Schluss, dass er die 23 Jahre alte Frau getötet hat.Foto: dpa Quelle: A3929/_Julian Stratenschulte
Verden

Gutachter stuften den Mann als besonders gefährlich ein, mit hoher Wahrscheinlichkeit werde der Sexualstraftäter erneut zuschlagen, warnten sie. Das war im Jahr 2012. Das Landgericht Aurich verurteilte den Mann damals zu fast fünf Jahren Haft wegen Vergewaltigung. Und doch konnte er wieder zuschlagen - bei einem Freigang im September 2015.

Der Landschaftsgärtner war nach der Verurteilung 2012 wegen einer Alkoholabhängigkeit im Maßregelvollzug in Rehburg-Loccum (Kreis Nienburg) untergebracht worden. Weil er sich an alle Regeln gehalten habe, habe man ihm Lockerungen zugestanden, sagte ein früherer Mitarbeiter des Maßregelvollzugs. Offenbar eine Fehlentscheidung: Im Klosterwald bei Rehburg tötete der heute 49-Jährige eine junge Frau. Die nackte Leiche der 23-Jährigen versteckte er unter Gestrüpp.

Das Landgericht Verden verurteilte den Mann am Donnerstag wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung. Vielleicht kommt er nie wieder frei. Es gebe keinen Zweifel daran, dass der frühere Landschaftsgärtner und Gerüstbauer die junge Frau erwürgt habe, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk.

„Sie sind ein Mörder“

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten Lebenslang wegen Mordes und Sicherungsverwahrung gefordert. „Sie sind ein Mörder. Sie haben grausam getötet, um den Geschlechtstrieb zu befriedigen“, sagte Rechtsanwalt Raban Funk in seinem Schlusswort zu dem Angeklagten. Funk, der die Schwester der getöteten jungen Frau vertrat, bezeichnete den 49-Jährigen als Serienvergewaltiger mit rituellem Vorgehen.

Die beiden Pflichtverteidiger des Angeklagten plädierten hingegen auf Freispruch. Für eine Verurteilung gebe es keine Beweise, betonten sie. Die Kammer hielt die Beweislage aber für ausreichend. Ob Täter und Opfer sich kannten, konnte das Gericht nicht klären. Unklar blieb auch, was vor der Tötung genau geschah. „Es ist davon auszugehen, dass es sexuelle Handlungen gegeben hat“, sagte der Vorsitzende Richter. Ob diese zu einem Teil einvernehmlich waren, wisse er nicht. Als wesentliches Beweismittel nannte der Richter ein Kaugummipapier mit der DNA des 49-Jährigen, das in der Nähe des Tatorts neben der Brille des Opfers gefunden wurde. „Der Angeklagte beseitigte Spuren. Er übersah die Brille und das Kaugummipapier.“

Kritik am Maßregelvollzug

Deutliche Kritik wurde am betroffenen Maßregelvollzug laut. Mehrere Prozessbeteiligte äußerten ihr Unverständnis darüber, dass der Mann unbegleiteten Ausgang erhielt. Nach Angaben von Zeugen hatte er sich in der Therapie nicht umfassend mit seinen Sexualstraftaten auseinandergesetzt, erzählte Mitarbeiterinnen der Einrichtung sogar von seinen Vergewaltigungen. Bei dem Mann sei offensichtlich hauptsächlich seine damalige Alkoholsucht behandelt worden, sagte die Staatsanwältin.

Im Laufe des Prozesses war die Einrichtung in Bad Rehburg wegen unterschlagener Unterlagen unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft ließ bei einer Durchsuchung der Klinik umfangreiche Dokumente sicherstellen. Später wurde der leitende Arzt und Vollzugsleiter im Maßregelvollzug freigestellt.

Die Politik reagierte - auch weil es weitere Vorfälle im Maßregelvollzug in Niedersachsen gab. Lockerungen für Gewalt- und Sexualverbrecher müssen nun stärker hinterfragt werden.

Inzwischen wurde ein juristisches Kompetenzzentrum eingerichtet, das die Maßregelvollzugseinrichtungen bei der Gewährung von Vollzugslockerungen unterstützen soll.

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