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Panorama 21 Tote bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg
Mehr Welt Panorama 21 Tote bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg
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14:05 28.07.2010
Eine Trauernde trägt sich im Todestunnel in Duisburg in ein Kondolenzbuch ein. Quelle: dpa

Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg ist die Zahl der Todesopfer auf 21 gestiegen. In der Nacht zum Mittwoch starb eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus. Das sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haferkamp. Unterdessen berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass das nordrhein- westfälische Innenministerium den Veranstaltern um Fitness- Unternehmer Rainer Schaller große Verantwortung für das Unglück zuweist. Das Blatt beruft sich auf einen vorläufigen Untersuchungsbericht. Innenminister Ralf Jäger (SPD) wollte ihn am Nachmittag vorstellen.

Schaller ist Gründer und Geschäftsführer von Lopavent, die das Raver-Fest am Samstag organisiert hatte. Wie die „Südddeutsche“ schreibt, soll sich Lopavent mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. So habe die Firma völlig falsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Gelände verteilen.

Auch die Situation rund um den Unglückstunnel sei von den Machern falsch eingeschätzt worden. Und das, obwohl die Behörden Lopavent auf mögliche Engpässe im Eingangsbereich hingewiesen hätten. Außerdem sollen die Veranstalter in ihrem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und des Tunnels versprochen haben. Vermutlich seien dann aber weniger Ordnungskräfte eingesetzt gewesen, schreibt das Blatt am Mittwoch.

Der Unternehmer Rainer Schaller hat dagegen bisher betont, alle Auflagen der Behörden erfüllt zu haben. Er selbst will Fehler der Polizei bei der Kontrolle der Menschenmassen an den Zugängen ausgemacht haben.

Zur Todesursache des 21. Opfers machte Staatsanwalt Haferkamp zunächst keine Angaben. Inzwischen sind 13 Frauen und 8 Männer nach der Katastrophe tot. Sie waren zwischen 18 und 38 Jahre alt. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Die Massenpanik ist das nunmehr schwerste Unglück in Nordrhein- Westfalen seit fast 40 Jahren. Am 27. Mai 1971 starben 46 Menschen in Radevormwald im Bergischen Land bei einem schweren Eisenbahnunfall.

Am Dienstag hatte die Duisburger Staatsanwaltschaft berichtet, dass die bis dahin 20 Todesopfer durch Brustquetschungen ums Leben kamen. Sie seien erstickt. „Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen“, teilte die Behörde mit.

Auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wächst weiterhin der Druck. Der CDU-Politiker will einem Zeitungsbericht zufolge nicht an der geplanten Trauerfeier am Sonnabend teilnehmen. Sauerland wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der „Rheinischen Post“. Die Stadt bestätigte diese Angaben.

Die Zeitung zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zu der Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. Sauerland steht im Zentrum heftiger Kritik, da Duisburg die Loveparade unbedingt in der Stadt haben wollte und das Riesenfest genehmigte.

Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und EKD-, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch Amtierender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Unterdessen werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte am Dienstag in Düsseldorf an, sie wolle sich bundesweit für einen besseren Umgang mit Großveranstaltungen einsetzen.

Die Innenexperten von SPD und CDU, Dieter Wiefelspütz und Wolfgang Bosbach, verlangten Mitspracherechte für übergeordnete Behörden bei solche Großveranstaltungen. Entsprechend äußerten sie sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“ beziehungsweise in der „Rheinischen Post“.

dpa

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