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Panorama 19 Tote bei der Loveparade in Duisburg – und viele Fragen
Mehr Welt Panorama 19 Tote bei der Loveparade in Duisburg – und viele Fragen
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09:05 26.07.2010
Von Heinrich Thies
„Das war programmiertes Chaos“: Der Tunnel, der zum tödlichen Nadelöhr wurde. Quelle: dpa

Mehr als 340 Teilnehmer erlitten teils schwerste Verletzungen, viele konnten nur mit Mühe wiederbelebt werden.

Zusammen mit anderen Städten des Ruhrgebiets ist Duisburg die europäische Kulturhauptstadt 2010. Die Loveparade sollte ein Höhepunkt der nordrhein-westfälischen Veranstaltungsserie sein. Deren Cheforganisator Fritz Pleitgen, früherer Intendant des WDR, zeigte sich schockiert: „Ganz klar fühle ich mich auch mitverantwortlich, aber eher im moralischen Sinne.“

Schon im Vorfeld waren erhebliche Sicherheitsbedenken laut geworden. So bot das Festgelände nach Schätzungen nur 300.000 bis 500.000 Menschen Platz – während mit mehr als einer Million Partyteilnehmern gerechnet worden war. Zudem zeigte sich, dass die Zugänge über Tunnel und Rampen angesichts des Massenandrangs viel zu eng waren.

Unklar ist unter anderem, wie viele Menschen zur Loveparade nach Duisburg gekommen waren. Es gibt Schätzungen, wonach es bis zu 1,4 Millionen waren. „Dafür war das Gelände ein paar Nummern zu klein“, sagt ein Polizeibeamter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die Vertreter der Behörden in Duisburg bekundeten am Sonntag bei einer Pressekonferenz ihre Erschütterung, verwiesen jedoch bei allen Fragen nach den Ursachen der Tragödie auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und ließ bereits im Ordnungsamt der Stadt alle im Zusammenhang mit der Veranstaltung stehenden Unterlagen beschlagnahmen und abtransportieren.

„Dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht in Worte fassen kann“, sagte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Sowohl Papst Benedikt XVI. als auch der Präsident der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, bekundeten ihre Trauer. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert. „Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gab es Tote und Verletzte.“ Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ließ sich von der Polizei unterrichten und besuchte Verletzte im Krankenhaus. Bundespräsident Christian Wulff forderte eine rückhaltlose Aufklärung der Vorkommnisse.

Die Toten, elf Frauen und acht Männer, waren zwischen 18 und 38 Jahre alt. Elf der Opfer waren Deutsche, darunter befand sich mit einem jungen Osnabrücker auch ein Niedersachse. Hinzu kommen zwei Spanierinnen sowie Gäste aus den Niederlanden, Australien, Italien, China, Spanien und Bosnien.

Der Präsident der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kritisierte, Duisburg habe sich mit der Loveparade übernommen und sich über begründete Sicherheitsbedenken hinweggesetzt. ­Loveparade-Gründer Dr. Motte hielt den Veranstaltern „skrupellose Profitgier“ vor.

Der genaue Ablauf der Ereignisse zeichnet sich erst in groben Zügen ab: Es gab am Sonnabend lange Zeit lediglich einen Ein- und Ausgang zum Festgelände, und der war nur durch zwei Unterführungen unter Bahngleisen zu erreichen. An diesem Nadelöhr stauten sich die Menschen. Viele kletterten auf Container, Masten oder Zäune, um der Enge zu entfliehen, einige stürzten dabei ab und fielen auf die eng gedrängte Menge. „Das war programmiertes Chaos“, sagte ein Augenzeuge.

Nach Bekanntwerden der Todesfälle am Sonnabendabend ließen die Veranstalter die Megaparty zunächst noch fünf Stunden weiterlaufen, um eine weitere Massenpanik zu verhindern. Feuerwehren, Notärzte und Rettungsdienste aus ganz Nordrhein-Westfalen sowie aus dem benachbarten Niedersachsen hatten einen Großeinsatz. Die am Partygelände vorbeiführende Autobahn 59 wurde zum Anlaufpunkt für Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber. Bis nach Mitternacht verließen Leichenwagen den Unglücksort.

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